Auf der Pressekonferenz vor dem Länderspiel gegen Ghana gab Bundestrainer Julian Nagelsmann bekannt, dass Alexander Nübel in Stuttgart das Vertrauen bekommen würde. Danach gab es bereits Stimmen, die eine erneute Torwart-Debatte im Aufkommen sahen.
Der Coach selbst wollte das so nicht stehen lassen und sagte vielmehr, dass der Einsatz Nübels gegen Ghana eine Form der Wertschätzung sei, da er sich auch immer in den Dienst der Mannschaft stellen würde. Dieser wiederum gab auch an, dass er seine Rolle kenne. Ohne weiter darauf einzugehen, bedeutet dies natürlich, dass er die Rolle der Nummer zwei nicht nur einnimmt, sondern auch annimmt. Bereits in den letzten Monaten ließ Nagelsmann keinen Zweifel daran, dass in Abwesenheit von dem immer noch verletzten Marc-André ter Stegen Oliver Baumann die unumstrittene Nummer 1 im DFB-Dress sei.
Kritisch betrachtet wird der Einsatz Nübels im Hinblick auf die Aussage Nagelsmanns, dass er die letzten beiden Länderspiele vor der WM gegen die Schweiz und eben auch gegen Ghana dafür nutzen wolle, dass sich die Mannschaft im Hinblick auf die WM, die in zweieinhalb Monaten beginnt, auch einspielt. Ein Einsatz von Alexander Nübel würde diesen Gedanken im Grunde genommen konterkarieren.
Allerdings ist der Einsatz vor heimischer Kulisse für den 29-Jährigen sehr wohl logisch, denn zum einen ist es tatsächlich eine Form der Wertschätzung gegenüber dem Torhüter. Der Vergleich mit Ghana findet in Stuttgart statt. Dort spielt Nübel leihweise bereits seit 2023 und wird dies auch noch bis zum Sommer tun. Zum anderen braucht man auch gerade im Hinblick auf ein großes Turnier eine starke Nummer 2, die im Ernstfall sehr schnell eingreifen könnte, ohne viel Eingewöhnungszeit zu benötigen. Auch wenn Oliver Baumann in der Vergangenheit wenig verletzt war, wäre es fahrlässig, dem Backup keine Spielpraxis zu geben und ihm daher auch die Chance zu verwehren, sich ein Stück weit mit den vor ihm spielenden Verteidigern abzustimmen bzw. einzuspielen. Zudem ist Baumann auch schon 35 Jahre alt, sodass ein gewisses Risiko auf eine Blessur gegeben ist, wenngleich Muskelverletzungen beispielsweise beim Hoffenheimer bisher kein Thema waren.
Klare Hierarchie und das wahrscheinliche WM-Aus für ter Stegen
Daher sollte der Einsatz Nübels eher als eine Vorbereitung auf den Worst Case wahrgenommen und nicht als ein Startpunkt bezüglich einer etwaigen Torwart-Debatte missverstanden werden. Auch die Torhüter selbst machten im Training einen durchaus gelösten Eindruck. Die großen Duelle im deutschen Tor der vergangenen Jahre sind vorbei. Früher gab es maximal ein kühles Koexistieren, beispielsweise zwischen Jens Lehmann und Oliver Kahn oder auch zwischen Manuel Neuer und ter Stegen. Die aktuelle Torwart-Besetzung mit Baumann, Nübel und derzeit Dahmen ist jedoch deutlich freundschaftlicher in der Außenwirkung. Selbst wenn der Augsburger nicht zur WM fahren würde und stattdessen entweder Atubolu oder aber auch der jüngst nominierte, aber aufgrund einer Verletzung wieder abgereiste Jonas Urbig mitfahren sollten, würde dies an der allgemeinen Konstellation nichts ändern, da die Hierarchie soweit klar feststeht: Baumann auf der 1, Nübel auf der 2 – ein möglicherweise jüngerer Torhüter als die klare Nummer drei wie Atubolu oder Urbig auf der 3.
Es wäre fahrlässig, medial jetzt noch einmal eine Torwart-Diskussion entstehen lassen zu wollen, wenn selbst die Protagonisten als auch der Bundestrainer dies im Keim ersticken wollen und immer wieder betonen, dass die Reihenfolge klar sei. Vielmehr sollte allen daran gelegen sein, Baumann als klare Nummer eins zu unterstützen. Indes ist für Marc-André ter Stegen der Zug zur WM praktisch abgefahren. Dies bestätigte Nagelsmann nun auch, indem er sagte: „Ich habe schon gesagt, dass ich aus Respekt ihm gegenüber die Tür nicht ganz zumache. Trotzdem ist die Chance sehr, sehr, sehr gering, weil man die Gesamtkonstellation bei ihm betrachten muss. Er ist ja schon ein Jahr quasi raus und hat superwenig gespielt.“ Aufgrund einer Verletzung, die sich der einst designierte Nachfolger Neuers bei seinem Spiel für den FC Barcelona zuzog, ist er weiterhin nicht einsatzfähig. Nagelsmann hatte kürzlich Kontakt zu ihm und sagte: „Es geht ihm an sich gut. Er soll in der Reha Gas geben. Er hat keine riesigen Schmerzen mehr, aber es dauert einfach alles Zeit. Und er ist jetzt auch keine 21 mehr.“
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