Für die Fußball-Nationalmannschaft beginnt die Weltmeisterschaft 2026 nicht erst mit dem Anpfiff im Stadion, sondern bereits Wochen zuvor in Winston-Salem. In der Universitätsstadt im US-Bundesstaat North Carolina richtet das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann sein offizielles Team Base Camp während des Turniers ein.
Untergebracht wird die Mannschaft im historischen Graylyn Estate, einem knapp hundert Jahre alten Anwesen, das heute von der benachbarten Wake Forest University betrieben wird. Dort findet das Team eine abgeschirmte Umgebung vor, die Ruhe und Kontinuität ermöglichen soll – zwei Elemente, die im Turnierverlauf oft entscheidend sind.
Trainiert wird nur wenige Minuten entfernt auf dem Campus der Universität. Drei Rasenplätze stehen zur Verfügung, zusätzlich Meeting- und Athletikbereiche sowie ein Medienzentrum für die Berichterstattung. Entscheidend ist die Nähe: Wegen der großen geografischen Entfernungen zwischen den WM-Spielorten in den USA soll zumindest im Trainingsalltag keine Energie für Transfers verloren gehen.
Nagelsmann hebt vor allem die infrastrukturellen Vorteile hervor. Die Plätze seien in hervorragendem Zustand und fußläufig erreichbar, was die Belastungssteuerung vereinfache und den Fokus auf die sportlichen Abläufe lenke. Auch logistisch sei die Kooperation mit der Universität ein Gewinn, da viele Ressourcen bereits vor Ort vorhanden seien und nicht aus Deutschland mitgebracht werden müssten.
Die Wake Forest University zeigt sich stolz über die Rolle als Gastgeber. Universitätspräsidentin Susan R. Wente spricht von einer „großen Ehre“ und einer seltenen Gelegenheit für die Region, eine international führende Fußballnation vor Ort zu erleben.
Auf Seiten des Deutschen Fußball-Bundes war dem Auswahlprozess für das Teamquartier eine längere Prüfung vorausgegangen. Mehrere mögliche Standorte in den drei WM-Ausrichterländern USA, Kanada und Mexiko wurden besichtigt. Erst nach der Auslosung im Dezember, bei der die deutsche Mannschaft den Vorrundenspielen in Houston, Toronto und New York/New Jersey zugeordnet wurde, konnte die Entscheidung finalisiert werden.
Ein Blick in die Historie der Teamquartiere
Für die Nationalmannschaft sind zentralisierte Teamcamps längst ein bewährter Bestandteil der Turniervorbereitung. Bei den vergangenen Weltmeisterschaften kamen häufig abgeschirmte Anlagen zum Einsatz, die sportliche Infrastruktur, Medienbetrieb und Regeneration miteinander verbinden.
Zuletzt bezog die DFB-Elf 2022 in Katar das Zulal Wellness Resort im Norden des Landes. 2018 wurde im Vatutinki Hotel Spa Complex nahe Moskau trainiert, 2014 entstand mit Campo Bahia in Brasilien sogar ein eigenes Quartier, das als Musterbeispiel für erfolgreiche Turnierlogistik gilt. In Südafrika 2010 arbeitete das Team im Velmore Grande Hotel bei Pretoria, die Heim-WM 2006 wurde aus dem Schlosshotel Grunewald bei Berlin bestritten.
Auch die WM 1994 in den USA war kein Neuland im Hinblick auf Nordamerika: Damals bereitete sich die Mannschaft zunächst im kanadischen Alliston nahe Toronto vor, bevor es zu den Spielorten ging.
Diese Camps zeigen, dass Standortwahl, Sportlogistik und Wegeführung inzwischen als eigenständige Leistungsfaktoren interpretiert werden – ähnlich wie Trainingssteuerung und Taktik.
Sportlicher Ausblick
Die Nationalmannschaft reist Anfang Juni zunächst nach Chicago, wo ein letzter Test gegen Co-Gastgeber USA ansteht. Anschließend zieht das Team weiter nach Winston-Salem und nimmt dort den Turnierbetrieb auf.
Mit den Vorrundenspielen gegen Curaçao, die Elfenbeinküste und Ecuador stehen anspruchsvolle Reisebewegungen quer über den Kontinent an. Der DFB setzt dabei auf möglichst geringe Alltagswege im Base Camp – und auf ein Umfeld, das sportliche Abläufe stabil hält.
Für die deutsche Mannschaft ist Winston-Salem daher mehr als ein Aufenthaltsort. Es ist ein funktionaler Knotenpunkt für Training, Analyse, Regeneration und Teamprozess. Erst hier entsteht das Fundament für das, was später im Stadion sichtbar wird.
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