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Xabier Mancisidor und Richard Wright: Die Torwart-Flüsterer der Trainer Ikone

Wer stand bei Man City hinter Ortegas Wechsel zu den Sky Blues?

Autor: T. Rübe / M. Schäfer - 17.08.2022

Als der Kicker Anfang Juli das erste Mal über die bevorstehende Verpflichtung von Stefan Ortega durch Manchester City berichtete, sorgte dies vielerorts für ungläubiges Staunen. Natürlich hatte Stefan Ortega in Bielefeld zwei starke Spielzeiten absolviert und war ein Garant dafür, dass der Klassenerhalt nach der Aufstiegssaison noch gelang und auch nicht grundlos war der Torhüter aus Abruf für die Nationalmannschaft für die EM bestellt. Dennoch ist es nicht zwingend naheliegend, dass ein Torhüter ablösefrei von einem Absteiger aus der Bundesliga zum amtierenden englischen Meister wechselt. Dem Vernehmen nach soll Stefan Ortega bei einer dreijährigen Vertragslaufzeit ein Jahressalär von bis zu 10 Millionen Euro erreichen können. In dieser Summe wären auch diverse Erfolgszahlungen und Bonifikationen enthalten. Dennoch bleibt dies ein mehr als stattliches Gehalt. Eine derartige Summe wird in der Bundesliga nur überaus selten an einen Torhüter gezahlt.

Darüber hinaus ist der 29-jährige Deutsch-Spanier bei den Sky-Blues hinter dem 28-jährigen Ederson lediglich die Nummer 2. Unter diesem Gesichtspunkt wirkt das Jahresgehalt noch einmal höher. Neben dem Verhandlungsgeschick von Ortegas Berater, Jörg Neblung, bedeutet dies aber auch, wie sehr Manchester City den fußballerisch überragenden Torhüter verpflichten wollte. Für Ortega soll nunmehr auch die bisherige Nummer 2, Zack Steffen den Verein verlassen. In Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft im Winter möchte Steffen wichtige Spielpraxis sammeln, um Stammtorwart der US-Boys zu sein, da sein Konkurrent Matt Turner beim FC Arsenal auch hinter Aaron Ramsdale nur bedingt Spielpraxis sammeln wird. Bisher schien man ja mit Steffen als Edersons Stellvertreter sehr zufrieden zu sein, doch ist die Verpflichtung Ortegas in Richtung von Steffen ein deutliches Zeichen. Das Trainerteam scheint Ortega als deutliche Verbesserung im Torwartbereich anzusehen, wenn man sich auch derart um den gebürtigen Nordhessen bemüht.

Gleichzeitig ergibt die Verpflichtung Ortegas in Anbetracht auf den Spieltstil von Manchester City durchaus Sinn. Geprägt durch die jahrelange Handschrift von Pep Guardiola und dem von ihm bevorzugten Tiki-Taka ist ein spielstarker Torwart für die Sky-Blues-Pflicht. Ederson, seit 5 Jahren in Manchester tätig, passt dabei perfekt in dieses System. Brasiliens Nummer 2 ist ein spielstarker Keeper, der eine sehr gute und ausbalancierte Spieleröffnung beherrscht, dabei schnelle Konter mit langen und präzisen Abwürfen und Schlägen einleiten. In diese Kerbe schlägt natürlich auch Ortega. Der deutsche Torhüter, der mehr als 10 Jahre in Ostwestfalen verbracht hat, glänzt mit langen präzisen Schlägen auf die Außenpositionen und kann damit das gegnerische Mittelfeld mit einer Aktion überspielen. Ortega scheint dabei also die perfekte Nummer 2 für City zu sein, da die Mannschaft auch mit einem anderen Torhüter weiterhin dasselbe System ohne eine große Veränderung spielen kann. Daher könnte man meinen, dass auch Guardiola, der mit den Citizens 4 englische Meisterschaften feierte, aber bisher nicht die Champions League gewinnen konnte, auch für die Verpflichtung Ortega verantwortlich sein sollte.

Torwarttrainer Mancisidor hat bei Torwart-Transfers freie Hand

Doch dies ist eben exakt nicht der Fall. Wie die Trainer-Ikone selbst bekannt gab, hatte er den Torhüter gar nicht selbst auf dem Zettel. Wie die „Sport Bild“ berichtet, hat Neblung proaktiv den Kontakt in Eigeninitiative zum führenden Torwarttrainer Xabier Mancisidor aufgebaut. Weiterhin berichtet das Magazin, dass Guardiola bezüglich etwaiger Transfers auf der Torwartposition seinem eigenen Torwart Torwarttrainer nahezu freie Hand lässt und Mancisidor selbst die Transfers vonseiten des Trainer-Teams abarbeitet. Dabei tritt der Torwarttrainer von Manchester City nur wenig in öffentliche Erscheinung. Guardiola selbst wiederum adelt den 52-Jährigen Spanier gegenüber dem Online-Magazin „si.com“ regelrecht. So zeigte sich der Trainer in einem Interview mit dem besagten Online-Medium sehr zufrieden mit Ederson und daher auch mit dessen Torwarttrainer, der Ederson in seinen Augen erst zu diesem wichtigen Torwart gemacht hat: „Wir können keinen besseren Torwart als Ederson haben. Er passt perfekt zu uns. Er hat einen großen Einfluss auf die Mannschaft. Die Gelassenheit und die Art, wie er sich mit guten und schlechten Situationen auseinandersetzt, ist bemerkenswert. Er hat eine unglaubliche Arbeitsauffassung. In Xabier Mancisidor hat er aber auch den weltbesten Torwarttrainer. Er ist der Beste. Er und Richard (Wright) machen einen unglaublichen Job - nicht nur mit Eddie, sondern auch Mit Zack (Steffen), Scott (Carson) und den jungen Torhütern, die wir haben. Wir sind sehr glücklich."

Mancisidor und auch Wright genießen höchstens Ansehen im Verein, wenngleich sie in ihrer jeweiligen aktiven Laufbahn nicht die ganz großen Karrieren hatten. Der 52-Jährige Mancisidor ist in Pasaia im spanischen Teil des Baskenlandes geboren und somit wie der Cheftrainer Spanier. Da Ortega wiederum aufgrund eines spanischen Vaters Spanisch spricht, sollte die Kommunikation sehr einfach fallen, was wiederum auch die Eingewöhnungszeit Ortegas verkürzen sollte. Ohnehin wird im Vereinsumfeld sehr viel Spanisch gesprochen. So ist auch Citys Sportdirektor Txiki Begiristain ebenfalls Spanier, konkreter Baske, wodurch sich Ortega mit den für ihn wichtigen Personen im Verein auf Spanisch unterhalten kann.

Man kann auch relativ schnell eine Querverbindung zwischen Begiristain und Mancisidor ziehen. Beide sind Basken und stammen beide aus der Provinz Gipuzkoa, deren Hauptstadt San Sebastian ist. Darüber hinaus war Begiristain zum einen aktiver Spieler beim FC Barcelona und zum anderen war er in der Zeit von 2002 bis 2010 Sportdirektor des großen FC Barcelona, bevor er seit 2012 dieses Amt bei Manchester City bekleidet. In die Zeit der Sportdirektor-Tätigkeit beim FC Barcelona fällt auch das Interesse der Blaugrana an Mancisidor, der eine eher unauffällige aktive Karriere als Torwart hatte. Die ersten Jahre im Seniorenbereich erlebte der Keeper bei Deportivo Alaves in der Segunda Division und wechselte 1995 in die Primera División zum RCD Mallorca. Für Mallorca absolvierte Mancisidor letztlich 1 Spiel in Spaniens höchster Spielklasse. 1998, im Alter von 28 Jahren beendete der Torwart bereits seine Karriere und ging anschließend zurück ins Baskenland und heuerte bei Real Sociedad San Sebastian als Konditionstrainer für diverse Jugendmannschaften und zunächst noch in Teilzeit auch die Torhüter der ersten Mannschaft trainierte. Unter Olabe stieg der Baske endgültig zum Torwarttrainer der Profis auf. Seine gute Arbeit in San Sebastian machte ihn allmählich immer interessanter, sodass auch die großen spanischen Vereine Real Madrid und der FC Barcelona auf den Trainer aufmerksam wurden. 2009 erfolgte dann der Wechsel zu Real Madrid. Dies war der Beginn der langjährigen Zusammenarbeit mit dem Trainer-Star Manuel Pellegrini.

Mancisidor konnte unter Guardiola bei City eine Erfolgsgeschichte starten

So arbeiteten die beiden sowohl bei Real Madrid als auch beim FC Malaga und später auch bei Manchester City zusammen. Geholt wurden dabei beide bzw. als Gespann von Txiki Begiristain. Damit schloss sich auch der begonnene Kreis zwischen den beiden Basken. Gleichzeitig begann die Erfolgsgeschichte von Mancisidor bei den Skyblues, die 2013 begann. Vor allem mit der Verpflichtung von Pep Guardiola wurde City richtig erfolgreich. Ein wichtiger Baustein war dabei auch das Ende der Ära von Joe Hart und der Wechsel zu Ederson, der unter seinem Torwarttrainer zu einem Weltklasse-Torwart reifen konnte. Edersons Pech in der Nationalmannschaft Brasiliens ist, dass er mit Alisson einen Konkurrenten hat, der nun um die berühmte Nuance besser ist bzw. so vom Nationaltrainer eingeschätzt wird.  Doch dies soll die Arbeit von Mancisidors Torhüters nicht schmälern. Die Leistung des Torhüters ist anerkannt. Nicht grundlos gilt Ederson als einer der besten Torhüter der Welt. Doch auch Zack Steffen konnte sich bereits nachhaltig einen Namen machen und hat berechtigte Ambitionen, bei der Weltmeisterschaft in Katar die Nummer 1 im Kader der USA zu sein. Scott Carson ist in diesem Team, die Nummer 3 und der absolute Routinier.

Doch nicht Mancisidor zeichnet für die starken Auftritte der Man City Torhüter verantwortlich. Unterstützt wird der Spanier wiederum von Richard Wright, der im Verein selbst großes Vertrauen genießt, aber noch weniger Aufmerksamkeit erhält als sein Kollege. Wright ist im Gegensatz zu Mancisidor nicht als externer Torwarttrainer in den Verein gekommen, sondern war bereits von 2012 bis 2016 die Nummer 3 bei den Skyblues und wechselte nach seiner aktiven Laufbahn in das Trainerteam. Wie es in England keine Seltenheit ist, ist Wright zweiter Torwarttrainer bei den Profis und gilt, wenn auch öffentlich nicht präsent als wichtiges Mitglied innerhalb des Trainerteams. Beide Torwarttrainer zusammen imponieren Guardiola wiederum derart, dass er, der Trainer, der absolut nichts dem Zufall überlässt und den Ruf eines regelrechten Fußball-Fanatikers innehat, seinen Mitarbeiten in der Trainingsgestaltung, aber auch in den wichtigen Transfer-Entscheidungen freie Hand lässt. Dies ist nicht nur ungewöhnlich für Guardiola, sondern im Allgemeinen für die Trainer. Gleichzeitig ist das aber auch die höchste Wertschätzung, die wiederum die Torwarttrainer intern überhaupt erfahren können.

In der Außenwahrnehmung hingegen treten die beiden Torwarttrainer, die unter genauerer Betrachtung von den Leistungen von Zack Steffen und allem voran Ederson durchaus zu bewerten sind, kaum in Erscheinung. Dabei ist allerdings festzuhalten, dass beide Torhüter nicht nur zumeist fehlerfrei agieren, sondern auch wichtige Stützen für die Mannschaft sind. Vor allem Ederson, aber auch Steffen sind dabei immer wieder aktiv in den Spielaufbau eingebunden und im Spielsystem von City sehr stark eingebunden. Dies kann Guardiola im Mannschaftsgefüge allerdings nur so verlangen und spielen lassen, wenn die Torhüter exakt den Anforderungen des Trainers entsprechen. Dafür sind wiederum die Torwarttrainer verantwortlich, die aber angesichts der konstant starken Leistungen der Torhüter offensichtlich sehr gute Arbeit verrichten. Es wird daher spannend sein zu beobachten, wie sich Stefan Ortega durch das Training mit dem Torwartteam, aber auch mit beiden Torwarttrainern Mancisidor und Wright weiterentwickeln wird. Wie Kicker und Sport Bild berichten, wird Ortega zumindest in den nationalen Pokalwettbewerben spielen dürfen.

Ortega ist angekommen und hatte in den USA sein Debüt

Den ersten Einsatz hatte Ortega nun unlängst während der USA-Reise seines neuen Arbeitgebers. So spielte Ortega die gesamte Partie gegen den mexikanischen Erstligisten Club América mit dem langjährigen mexikanischen Nationaltorhüter Guillermo Ochoa in seinen Reihen. Ortega zeigte eine gute Leistung bei seinem Debüt, wobei er sich noch ein wenig an den Spielstil seiner neuen Mannschaft gewöhnen muss. Letztlich gewannen die Skyblues mit 2:1. Bei dem zwischenzeitlichen Ausgleich hatte Ortega etwas Pech, als er in einer 1-gegen-1-Situation sich typisch positionierte und das Knie schnell zum Boden zog und dennoch den Beinschuss hinnehmen musste. Allerdings war ihm das Gegentor nicht anzulasten, da die Abwehr mit einem langen Schlag regelrecht aus dem Spiel genommen wurde. Ein Ederson ist in diesen Szenen ein wenig offensiver. Die Nummer 1 konnte im zweiten Testspiel gegen die Münchner Bayern sein Tor wiederum sauber halten. Allerdings war man gegen die Bayern generell in der Defensive stets stabil. Gleichzeitig merkte man dem Kontrahenten den Weggang von Robert Lewandowski noch an.

Es wird in der kommenden Saison interessant sein zu beobachten, wie Manchester City mit den beiden Keepern in den jeweiligen Wettbewerben agieren wird. In England sind aktuell schon zwei Spieltage gespielt, Stefan Ortega ist in beiden Partien sowie im Community Shield auf der Bank gewesen. An diese Position muss sich der Deutsch-Spanier vermutlich erstmal gewöhnen. Aufgrund der Verpflichtung Ortegas wird nun in Deutschland auch immer ein wenig das Augenmerk auf das Team von Pep Guardiola gerichtet sein, die darüber hinaus den bisherigen Dortmunder Starstürmer Erling Haaland verpflichtet haben. Aber trotz Haaland sollte die Leistung von Ortega und verstärkter Ederson nicht zu kurz kommen. Vielleicht schenkt man den Machern im Hintergrund dann zukünftig etwas mehr Beachtung. Bei der bisher geleisteten Arbeit wäre es absolut verdient.



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