Der englische Fußball trauert um eine seiner ungewöhnlichsten Torwart-Karrieren: John James „Jimmy“ Rimmer ist im Alter von 78 Jahren gestorben. Das teilten unter anderem seine ehemaligen Klubs Aston Villa und Manchester United mit.
Rimmer gehört zu den außergewöhnlichsten Doppelsiegern in der Geschichte des Europapokals der Landesmeister: Er erhielt mit Manchester United 1968 und Aston Villa 1982 jeweils eine Siegermedaille – stand bei beiden Triumphen am Ende des Finals jedoch nicht auf dem Platz.
Rimmer wurde am 10. Februar 1948 im englischen Southport geboren. Mit 15 Jahren schloss er sich 1963 als Schuljunge Manchester United an und wurde zwei Jahre später Profi. Insgesamt elf Jahre verbrachte er bei den Red Devils in Old Trafford, blieb dort aber überwiegend im Schatten von Stammtorhüter Alex Stepney. Auch im legendären Europapokalfinale 1968 gegen Benfica Lissabon, das United mit 4:1 nach Verlängerung gewann, saß Rimmer auf der Bank. Dennoch erhielt er seine erste Europapokal-Siegermedaille.
Vom Ersatzkeeper zum Stammtorhüter
Bei Manchester United absolvierte Rimmer während seiner langen Vereinszugehörigkeit insgesamt lediglich 46 Pflichtspiele. Im Oktober 1973 wurde er deshalb an den damaligen Viertligisten Swansea City ausgeliehen. Dort machte er derart auf sich aufmerksam, dass ihn der FC Arsenal im Februar 1974 dauerhaft verpflichtete.
Erst bei den Gunners etablierte sich Rimmer endgültig als Stammtorhüter im englischen Profifußball. Nach 146 Pflichtspielen für Arsenal folgte 1977 der Wechsel zu Aston Villa, wo er die erfolgreichste Zeit seiner Karriere erleben sollte.
In sechs Jahren bei den Villans bestritt Rimmer 287 Liga- und Pokalspiele und entwickelte sich zu einem der prägenden Torhüter der Vereinsgeschichte. 1981 krönte er seine Zeit in Birmingham mit dem Gewinn der englischen Meisterschaft. In jener Saison stand er in sämtlichen Ligaspielen im Tor.
Das Europapokalfinale 1982 und der ungewöhnlichste Moment seiner Karriere
Zum prägendsten Moment seiner Karriere wurde ausgerechnet ein Spiel, das Rimmer nur neun Minuten lang auf dem Platz erlebte. Im Finale des Europapokals der Landesmeister 1982 gegen den FC Bayern München stand er zunächst zwischen den Pfosten, musste aber bereits nach neun Minuten wegen einer Nackenverletzung ausgewechselt werden.
Für ihn kam der zehn Jahre jüngere Nigel Spink ins Tor. Spink hielt Aston Villa bis zum Schlusspfiff im Spiel, ehe die Engländer die Partie durch ein Tor von Peter Withe mit 1:0 gewannen und sich damit den bis heute größten internationalen Titel der Vereinsgeschichte sicherten.
Für Rimmer bedeutete der Triumph seine zweite Europapokal-Siegermedaille. Schon 1968 hatte er mit Manchester United den wichtigsten europäischen Vereinswettbewerb gewonnen, ohne im Finale eingesetzt worden zu sein. 14 Jahre später stand er mit Aston Villa selbst im Endspiel – musste den Platz jedoch bereits nach wenigen Minuten wieder verlassen.
Gerade diese Konstellation macht seine Karriere bis heute außergewöhnlich: zweimal Europapokalsieger, zweimal beim Schlusspfiff nicht auf dem Platz.
Zwischen Schattenrolle und Vereinslegende
Für die englische Nationalmannschaft kam Rimmer lediglich zu einem einzigen Einsatz. Am 28. Mai 1976 stand er in einem Länderspiel gegen Italien im Yankee Stadium in New York in der ersten Halbzeit im Tor. England lag zwischenzeitlich mit 0:2 zurück, beide Gegentore fielen während Rimmers Einsatzzeit. Zur Pause wurde er durch Joe Corrigan ersetzt. Die Three Lions drehten die Partie anschließend noch und gewannen mit 3:2.
Rimmers Karriere bewegte sich damit zwischen Schattenrolle und Vereinslegende. Bei Manchester United stand er lange hinter Alex Stepney, für England blieb ihm nur ein einziges Länderspiel. Bei Arsenal und vor allem bei Aston Villa entwickelte er sich dagegen zu einem zuverlässigen und unaufgeregten Stammtorhüter, der über Jahre hinweg auf höchstem Niveau spielte und große Titel gewann.
Nach seiner Zeit bei Aston Villa kehrte Rimmer 1983 zu Swansea City zurück, wo er seine Spielerkarriere bis 1986 ausklingen ließ. Unterbrochen wurde diese Phase von kurzen Stationen bei Ħamrun Spartans auf Malta und Luton Town.
Später blieb er Swansea City verbunden und übernahm dort in der Saison 1995/96 zweimal kurzzeitig das Traineramt als Interimscoach.
Vor allem bei Aston Villa wird Jimmy Rimmer bis heute als einer der großen Torhüter der Vereinsgeschichte in Erinnerung bleiben. Aston Villa würdigte seinen ehemaligen Schlussmann nach Bekanntwerden seines Todes und richtete die Gedanken des gesamten Vereins an seine Familie und Freunde. Auch Manchester United, Arsenal und Swansea City erinnerten an ihren früheren Torhüter.
Mit Jimmy Rimmer verliert der englische Fußball einen Torhüter, dessen Karriere ungewöhnlicher kaum hätte verlaufen können: lange Ersatzmann, später Meister, Vereinslegende und zweifacher Europapokalsieger – mit zwei Finalgeschichten, die bis heute einzigartig erscheinen.
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