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Home > Archiv > 1.4 WM 2010 - Südafrika > WM-Kompakt > (NED) Die holländischen WM-Torhüter

WM - "Kompakt" bei torwart.de

Die holländischen WM-Torhüter

von der WM berichtet Alex Raack


M. Stekelenburg (Foto: Firo)

Wer hätte das gedacht: Mit Maarten Steeklenburg im Tor steht Holland kurz vor dem Einzug ins WM-Finale 2010. Wir blicken zurück auf die Geschichte holländischer WM-Keeper.

Gejus van der Meulen (WM 1934 in Italien)

Im Januar 1903 mit dem wunderlichen Vornamen Ageaus Yme in Amsterdam geboren, hatte sich »Gejus« van der Meulen kurz vor der Weltmeisterschaft in Italien eigentlich schon längst vom Fußballsport verabschiedet – er arbeitete als Kinderarzt in Haarlem. Weil sich bei Hollands erster Teilnahme an diesem Turnier aber partout kein kompetenterer Keeper finden lassen wollte, überredete man den Torwart der Olympiaauswahl von 1924 und 1928 sich noch ein weiteres Mal zwischen die Pfosten von »Oranje« zu stellen. Hätte er es mal besser gelassen. Nach einer traurigen 2:3-Pleite gegen die Schweiz war die WM auch schon wieder beendet für den Olympia-Dritten von 1924. Van der Meulen beendete seine aktive Karriere gleich nach der Ankunft in der Heimat. Erst Jahre später geriet er erneut in die Schlagzeilen, weil er sich 1941 nach dem Einmarsch der Nazis freiwillig im Feldlazarett einer SS-Legion gemeldet hatte und den Kriegstreibern gar bis an die Ostfront folgte. Er starb 1972.

Adri van Male (WM 1938)

Dem gebürtigen Philippinen wurde bei dem dritten WM-Turnier 1938 in Frankreich eine besondere und zugleich sonderbare Ehre zuteil: Die internationale Presse kürte van Male zum besten Torwart des Turniers. Dabei war für Holland nach nur einem Spiel im Achtelfinale gegen die Tschechoslowakei schon wieder alles vorbei und van Male hatte dreimal hinter sich greifen müssen. Allerdings erst in der Verlängerung, zuvor hatte Hollands Nummer eins 90 Minuten lang den Offensivbemühungen der Weltstars Oldrich Nejedly und Josef Zeman widerstanden. Eine Verletzung im Frühjahr 1940 stoppte seine Laufbahn. Adri van Male starb am 11. Oktober 1990.

Jan Jongbloed (WM 1974 in Deutschland und 1978 in Argentinien)

36 Jahre musste die stolze Fußball-Nation mit den vielen Dämmen warten, ehe die Nationalmannschaft wieder an einer WM teilnehmen konnte. 1974 in Deutschland war Holland wieder dabei – und wie. Selten dominierte eine Mannschaft mit so herrlichem Fußball ein Turnier und Torwart Jan Jongbloed, schon 34 Jahre alt, hatte bis zum Finale gegen die Gastgeber nicht viel zu tun. Dann versenkte Paul Breitner einen Freistoß und drehte sich Gerd Müller um die eigene Achse und Holland mit Jongbloed war nur noch der Weltmeister der Herzen. Aufsehen erregte Jongbloed, der beharrlich ohne Handschuhe spielte (»sonst kann ich den Ball nicht fühlen«), mit der für Torhüter eher seltenen Rückennummer 8. Einfache Erklärung: In den siebziger Jahren wurden die Nummern in Holland alphabetisch vergeben. Vier Jahre später in Argentinien stand er wieder im Tor, selbst im greisen Torwartalter war es ihm vergönnt Weltmeister zu werden – wieder scheiterte Holland im Finale. Jongbloed hörte auch danach nicht auf professionell Fußball zu spielen, erst mit 45 beendete er seine Karriere. Er hatte während einer Partie für seinen Klub Go Ahead Eagles Haarlem einen Herzinfarkt erlitten. Seinen Sohn Erik hatte er da schon verloren, am 23. September 1984 wurde er auf einem Fußballplatz vom Blitz erschlagen. Der begeisterte Angler Jongbloed, der auch schon freie Angeltage für zusätzliche Trainingseinheiten eintauschte, wurde trotz doppelter Finalteilnahme nicht in die Liste der »100 besten holländischen Fußballer aller Zeiten« aufgenommen. Kerniger Kommentar: »Diese Liste ist mir egal. Sie ist ein Haufen Scheiße.«

Piet Schrijvers (WM 1978 in Argentinien)

Schrijvers, ob seiner gewaltigen 100 Kg Gewicht nur »De beer van de Meer« (Der Bär vom Meer) gerufen, bekam bei der WM 1978 in Argentinien die seltene Gelegenheit, als Ersatzmann in die Stammelf zu rutschen. Torwart-Oldie Jan Jongbloed hatte sich im dritten Spiel gegen Schottland verletzt, der Ajax-Schlussmann Schrijvers durfte ran. Seine Bilanz: Ordentlich. 5:1 gegen Österreich, 2:2 gegen Weltmeister Deutschland, 2:1 gegen Italien. Dumm nur, dass sich Schrijvers im letzten Finalrundenspiel gegen die Südeuropäer verletzte. Im Finale stand wieder Jongbloed zwischen den Pfosten.

Hans van Breukelen

Als Jens Lehmann sich noch über neue Torwarthandschuhe zum Kindergeburtstag freute, machte sich Hans van Breukelen schon einen Namen als Elfmetertöter mit schriftlichem Hintergrund. Die bevorzugten Ecken der gegnerischen Schützen hielt der gebürtige Utrechter auf Karteikarten fest. 1988 wurde Holland auch dank van Breukelen Europameister im Nachbarland Deutschland – im Finale gegen die Sowjetunion hielt er kurz vor Schluss einen selbstverschuldeten Strafstoß gegen gegen Superstar Igor Belanow. Der Karteikärtchen sei Dank. Zwei Jahre später in Italien machte van Breukelen erneut eine gute Figur, in drei Vorrundenspielen ließ er nur zwei Treffer zu. Seine mit Superstars besetzte Mannschaft schaffte es trotzdem nicht auch nur einen Sieg einzufahren – im Achtelfinale gegen Deutschland war dann Schluss. Van Breukelen machte auch hier auf sich aufmerksam, ganz ohne Karteikärtchen. Obwohl Rudi Völler bei einem Zweikampf ganz offensichtlich das Bein zurückzog befeuerte Hollands Schlussmann ein verbales Gefecht, an dessen Ende Völlers Locken feucht waren und er gemeinsam mit Frank Rijkaard vom Platz geschmissen wurde.

Ed de Goej (WM 1994 in den USA)

In einer großartigen holländischen Auswahl war Torwart Ed de Goej das schwächste Glied. Mit dem jungen Edwin van der Sar saß ein junges Supertalent auf der Bank, die ganze Nation wartete auf den Einsatz des jungen Schlacks. Da half es auch nicht, dass man ihn im gleichen Jahr mit dem »Goldenen Schuh« in seinem Heimatland auszeichnete. Holland schaffte es mit de Goej zwar bis ins Viertelfinale, scheiterte dort aber im vermutlich besten Spiel der WM am späteren Weltmeister Brasilien. Das Turnier-Aus besiegelte auch das Ende von de Goejs Karriere als Nationaltorwart. Ab 1995 hieß Hollands unumstrittene Nummer 1 Edwin van der Sar.

Edwin van der Sar (WM 1998 in Frankreich und WM 2006 in Deutschland)

Fußballfans Ü30 werden glauben, dass Holland bis zum Turnier in Südafrika nie einen anderen Torhüter gesehen hat. Von 1995 bis 2008 hütete »Europas Torhüter des Jahres« 1995 den Kasten von Oranje, 226 Mal stand er für Ajax Amsterdam im Tor, 66 Partien absolvierte er für Juventus Turin, 127 für den FC Fulham und seit 2005 hat er 132 Spiele für Manchester United gemacht. Seinen Stil des klassischen Torhüters, der die modernen Eigenschaften ebenso vereint, wurde längst zuhauf kopiert. Bei der WM 1998 in Frankreich galt Holland als Favorit auf den Titel, in einem fantastischen Spiel scheiterte Oranje allerdings erneut an Brasilien, 2006 war nach einem 0:1 gegen Portugal schon im Achtelfinale Schluss. Und van der Sar spielt immer noch: Sein Vertrag bei Manchester United läuft bis 2011.

Maarten Stekelenburg

Schwer genug in der »Ära van der Sar« als Torwart in Holland aufzuwachsen, doch auch als der große alte Mann mit der noch größeren Nase nach der EM 2008 seine Nationalmannschaftskarriere für beendet erklärte, hatte es Maarten Stekelenburg nicht leicht. Im September 2008 foulte er in einem Länderspiel den ehemaligen Bundesliga-Haudegen Joshua Kennedy und flog vom Platz – vor ihm war das in der langen Verbandsgeschichte noch keinem Torhüter aus Holland gelungen. Bei der WM in Südafrika macht der 1,94-Meter-Mann bislang eine gute, weil unauffällige Figur. Und noch etwas zeichnet ihn bei diesem Turnier aus: Bislang hat er sich nicht über den neuen WM-Ball beschwert. Was ja eine ziemliche Ausnahme ist, bei dieser Weltmeisterschaft....


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