Gemäß dem Bericht erfuhren FIFA-Juristen im März von der mutmaßlich fehlenden Spielberechtigung. Sie empfahlen verschiedene Sanktionen, darunter den Ausschluss des Kongo aus dem interkontinentalen Playoff gegen Jamaika und eine Sperre für Mpasi. Stattdessen sei nichts passiert, und Mpasi spielte bei der Endrunde in Nordamerika. Ausgangspunkt des ursprünglichen Verfahrens war laut den Berichten eine offizielle Beschwerde des nigerianischen Verbandes bei der FIFA. Mpasi soll in fünf Spielen auf dem Weg zur WM nicht spielberechtigt gewesen sein. Diese Partien hätten nach FIFA-Regeln als verloren gewertet werden können. Betroffen wären auch der Sieg im afrikanischen Playoff gegen Nigeria im November und der Erfolg gegen Jamaika im März, der den Kongo zur ersten WM seit 52 Jahren brachte.
Sportlich betrachtet ist der Torwart für den Kongo von großer Bedeutung. Mpasi ist und war bei der Weltmeisterschaft ein Schlüsselspieler. Er bestritt alle 4 WM-Spiele seines Teams, bevor der Kongo im Sechzehntelfinale an England scheiterte. Dort hielt er stark, unter anderem zweimal gegen Jude Bellingham, bevor Harry Kane spät zweimal traf. Die Frage ist brisant, weil die Genehmigung nicht irgendeinen Ersatzspieler betraf, sondern den Stammtorwart eines Überraschungsteams.
Die FIFA weist die Vorwürfe zurück. Sie sagt, es habe weder im Playoff gegen Jamaika noch bei der WM Unregelmäßigkeiten gegeben. Berichten zufolge habe sie dem Spieler und dem Team nach dem Playoff stillschweigend erlaubt weiterzumachen. Die Bewertung von Mpasis früheren Einsätzen bleibt offen. Das Dementi geht nicht auf alle Fragen zu seinen früheren Länderspielen ein, auch nicht auf die zwei Afrika-Cup-Turniere. Eine Sanktion wurde letztlich nie verhängt.
Zusätzlichen Zündstoff liefert die Rolle von FIFA-Präsident Gianni Infantino, der nun wegen eines weiteren Disziplinfalls rund um die WM unter Druck steht. Seine Wiederwahl steht infrage – bereits ohne die offenen Fragen bezüglich Lionel Mpasi. Er als Präsident steht aber gerade in solchen Fällen besonders im Fokus. Bereits die zweifelhafte Begnadigung bei einer Sperre gegenüber Folarin Balogun brachte Infantino persönlich in Bedrängnis. Jetzt noch der Fall Mpasi und die damit verbundenen Fragen, ob dieses Genehmigungsverfahren formal je abgeschlossen wurde und Mpasi dadurch spielberechtigt war, warum trotz einer juristischen Empfehlung im März keine Sanktion ausgesprochen wurde und ob die DR Kongo nachträglich noch Konsequenzen zu fürchten hat.
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