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"Hintergrund" bei torwart.de

„Geld ist nicht alles im Leben …“

von  Norbert Breuer-Pyroth

Bernd Franke

Ex-Nationaltorwart Bernd Franke - der laut Sepp Maier „beste Ersatztorwart der Welt“ - im Interview am 12. August 2015, Golfplatz St. Wendel

Bernd Franke, zwischen 1969 und 1985 haben Sie als Aktiver für Eintracht Braunschweig – zuvor für Ihre Vereine Saar 05 Saarbrücken, Fortuna Düsseldorf - insgesamt 487 Spiele absolviert. Darunter 15 x im Europapokal. Welches davon war Ihr schönstes? (Das legendäre 3:1 der Eintracht gegen Bayern 1981?)

Bernd Franke: Vor allem 1977 das UEFA-Cup-Hinspiel gegen Dynamo Kiew, wir erreichten ein 1:1, bleibt mir unvergeßlich. Zu Hause spielten wir dann 0:0. Damals war ja auch noch Paul Breitner dabei. Und natürlich bleibt auch der Aufstieg mit Fortuna Düsseldorf 1971 eine sehr positive Erinnerung.
In der Nationalmannschaft war vor allem der 3:1-Sieg in Buenos Aires über Argentinien – die Südamerikaner wurden immerhin ein Jahr später Weltmeister … – ein besonderes Erlebnis.

In der deutschen Fußballnationalmannschaft absolvierten Sie von 1973 bis 1982 sieben Länderspiele - alle wurden gewonnen, auch jenes 1977 in Argentinien mit 3:1. Dennoch saßen sie 40 x auf der Ersatzbank.
Christoph Bausenwein schreibt in seinem Buch „Die letzten Männer“ über Sie: „Seine Bescheidenheit und sein extremes Verletzungspech verhinderten, daß es mehr als sieben Länderspiele wurden.“
Und Sepp Maier: „Bernd Franke war nie böse über diese undankbare Rolle. Er blieb stets ruhig und fair, muckte nie auf, drehte keine linken Touren oder spann Intrigen. Franke war ein echter Kumpel. Der beste Ersatztorwart der Welt.“ Dennoch: empfanden Sie es manchmal nicht als ungerechtfertigt, den anderen als Nr. 1 auflaufen zu sehen? War es bei aller Professionalität und Fairneß nicht schmerzlich? Wie meistert man das mental?

Bernd Franke: Der Trainer hat 18 Leute zur Auswahl. Er wird immer die Besten aufstellen. Das muß man akzeptieren. Es nützt nichts, zu jammern. Aber: wenn man dann einmal aufgestellt wird, muß man seine Chance konsequent nutzen.
Für mich war es auch toll, überhaupt dabei zu sein. Ich bin ein bescheidener Mensch, ich habe mein Bestes gegeben, und das war so in Ordnung.

Wie fing es denn damals in Bliesen an? Wer war Ihr Vorbild als Torhüter?

Bernd Franke: Hans Tilkowski und Fritz Herkenrath. Ich bin ja erst mit 17 Jahren ins Tor gegangen. Zuvor war ich als Feldspieler Auswahlspieler des Saarlandes, mit Wolfgang Seel damals, in der Jugend und bei den Aktiven. Als Stürmer, als Verteidiger. Man hätte mich überall hinstellen können, ich hätte alles spielen können. Jupp Derwall gehörte damals übrigens auch schon zu meinen Trainern.

Infos zu Bernd Franke:
  • Geburtstag: 12.02.1948
  • Größe (cm): 1,83
  • Vereine als Spieler: SV Saar 05 Saarbrücken (35 Spiele), Fortuna Düsseldorf (29 Spiele), Eintracht Braunschweig (423 Spiele)
  • Länderspiele: 7
  • Erfolge: Vizeweltmeister (1982);
    Bundesliga-Aufstieg (1971, 1974, 1981)

Sie blieben Eintracht Braunschweig immer treu – selbst beim Abstieg. Ihnen lagen in Ihrer Karriere schließlich de-luxe-Angebote von Ajax Amsterdam und Bayern München vor. Schauen Sie auf die „Körbe“, die sie denen gaben, heute noch ohne Reue zurück?

Bernd Franke: Ja. Wir haben uns damals in der Familie in Ruhe beraten und entschieden, in Braunschweig zu bleiben. In Holland war es damals für deutsche Spieler nicht einfach. Torhüter-Kollege Volkmar Groß wurde bei Twente Enschede oftmals ausgepfiffen. Nur Horst Blankenburg schaffte es, bei Ajax - er war der einzige Deutsche.
Ich hatte übrigens auch Angebote aus dem Südwesten, zweimal von der Frankfurter Eintracht, auch von Kaiserslautern. Trainer wie Ribbeck und Weise mochten mich gerne verpflichten.
Natürlich: ich hätte woanders weit mehr verdienen können. Aber Geld allein ist nicht entscheidend, Geld ist nicht alles im Leben. Außerdem habe ich ja in Braunschweig nicht schlecht verdient.

In Ihrem Lebensabschnitt als Profisportler: Wieviel war echter Spaß, wieviel war schlichte Arbeit und auch Qual, die man zuweilen womöglich auch einmal Leid hatte?

Bernd Franke: Der Spaß überwog zumeist. Qual: das waren die teils schweren Verletzungen, oft zur Unzeit, das war frustrierend. Einmal in quasi letzter Minute vor der Abfahrt zur WM 78 nach Argentinien brach ich mir das Bein. Deswegen konnte ich nicht teilnehmen.
1974 war ich ja auch schon nominiert, als Zweitligatorwart. Aber ich war gerade in der Aufstiegsrunde mit Braunschweig. Am Ende waren dann Maier, Nigbur und Kleff dabei.
Im dritten Anlauf, 1982, war ich dann endlich dabei. Trainer Derwall hat mir vor der Abfahrt zur WM ein letztes Freundschaftsspiel schmunzelnd untersagt, damit sich das Verletzungspech nicht erneut in letzter Minute einstellt: „Ich weiß ohnehin, was Du kannst“.
Gegen Frankreich, beim Foul Schumachers an Battiston, sollte ich übrigens eingewechselt werden. Aber am Ende spielte ich auch 1982 nicht.

Die besten fünf deutschen Torhüter nach dem Kriege sind für Sie?

Bernd Franke: Tilkowski, Herkenrath, Maier, Kahn – aber: Neuer ist der beste von allen.

Würden Sie und die damaligen Größen sich heute noch in der Bundesliga durchsetzen können oder fehlte Ihnen/ihnen etwas im Vergleich mit den Jungen der heutigen Generation?

Bernd Franke: Nein. Bei deren Talent schafften sie es, ohne Frage. Natürlich würden sie mehr trainieren, anders, moderner, wären athletischer. Früher hat man als Torhüter auch nicht so mitspielen müssen bzw. dürfen. Oft hat man ja noch Manndeckung gespielt, da hat der Torwart den Strafraum nicht verlassen dürfen, das war zu riskant.
Auch wurde eine Zeitlang stark mit der Abseitsfalle gespielt. Ich erinnere mich an ein Spiel in Malmö, da wurde 25 x wegen Abseits abgepfiffen. Das war für das Publikum sehr unattraktiv, ja eigentlich unzumutbar. Branko Zebec war es, der dann die Raumdeckung eingeführt hat.
Die Feldspieler hätten es heute noch schwerer. Netzer und Beckenbauer kämen mit ihrer damaligen Spielart wohl nicht mehr zum Zuge. Übrigens: Overath war viel spielaktiver als Netzer, der sich meist nur um den Anstoßkreis herumbewegte und einen Dauerläufer wie „Hacki“ Wimmer an seiner Seite brauchte – wenn Helmut Schön den Kölner Kapitän nicht gegen die DDR eingewechselt hätte, wären wir 1974 nicht Weltmeister geworden.

Welcher ausländische Torwart hat Sie persönlich am meisten beeindruckt?

Bernd Franke: Fraglos der spanische Nationaltorwart José Angel Iribar. Er war ein Könner und hatte ausgesprochen viel vornehme Ausstrahlung. Ich habe ihn bei einem Spiel in Bilbao – er war ja Baske, ich glaube sogar Politiker - auf dem Platz kennengelernt. Aber auch Lew Jaschin habe ich hochgeschätzt.

Sie galten als vollkommener Torwart, frei von Schwächen. Fausten gehörte wie bei Hans Tilkowski dazu. Vernachlässigen junge Torhüter das befreiende Fausten, wird es ihnen zu sehr ausgetrieben, zu Gunsten des - oft ja mißglückenden – Festhaltens?

Bernd Franke: Ja, das stimmt. Wir mußten früher viele Stunden am Pendel arbeiten. Man muß die Flugbahn des Balles einschätzen, in kritischen Situationen zur Seite fausten oder über das Tor verlängern können. Das gilt nach wie vor. Man sieht es aber kaum noch.

Früher haben sich die Torhüter beim Elfmeter auf der Linie bewegt, um die Schützen zu verwirren – man denke bloß an Vollborns Kapriolen 1988 gegen Espanol Barcelona - , aber auch um quasi schon in der Luft zu sein, wenn der Schuß kommt. Heute stehen viele Torhüter bewegungslos auf der Linie, ohne Trippeln, regungslos. Zu lange? Verschenken sie damit nicht einen Vorteil?

Bernd Franke: Nein. Heute suchen sich die Torhüter eine Ecke aus. Man muß möglichst lange stehen bleiben. Ich habe nie Mätzchen gemacht. Meinen ersten Elfmeter in der Bundesliga hielt ich, nebenbei bemerkt, gegen Gerd Müller in München.

Was halten Sie von dem Buchtitel „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“?

Bernd Franke: (lacht:) Der liegt wirklich ganz daneben. Wenn einer nervös ist, dann der Schütze. Der Torwart kann nur gewinnen.

Wenn Sie zurückblicken: Wie würden Sie die Entwicklung der Torwarthandschuhe von den 70-er Jahren bis zum heutigen, aktuellen Angebot einschätzen?

Bernd Franke: Da hat sich enorm viel getan. Wir spielten ganz früher ja noch mit Wollhandschuhen. Reusch und Uhlsport dominierten zunächst über lange Zeit. Adidas hatte die Torhüter schlicht „vergessen“, auch was Trikots und dergleichen anbelangt. Heute ist Adidas ganz vorne dabei.
Zur Technik: Die Torhüter haben vordem die Bälle mit den Fingerspitzen „angesaugt“. Heute wird mit flacher Hand gefangen und mit den Handschuhen wird nur zugedrückt. Durch die Auflage bleiben die Bälle förmlich „kleben“. Als es das noch nicht gab, haben wir von den Innenflächen der Handschuhe die Noppen entfernt, sie dann mit Pattex bestrichen und dann improvisierten Haftschaum aufgebracht.

In den 50-er Jahren fegte der FCS – u.a. mit einem Spieler, der werktäglich bieder auf dem Saarlouiser Finanzamt arbeitete – Real Madrid auf eigenem Platz mit 4:0 hinweg.
Der 1. FC Saarbrücken, FC Homburg, Borussia Neunkirchen und der SV Röchling Völklingen waren bundesweit gefürchtete Größen, vor allem auf heimischen Terrain. Gegen letztere verloren gar Sie mir Eintracht Braunschweig im DFB-Pokal 2:1.
Heute liegt der Saar-Fußball arg danieder. Wo verorten Sie die Gründe? Gibt es diese hervorragenden einheimischen Talente, deren Sie eines der größten waren, denn nicht mehr?

Bernd Franke: Hier im Saarland wird eine gute, professionelle Jugendarbeit betrieben, das muß man anerkennen. Größere Bundesländer sind gleichwohl noch reger, z.B. Bayern und NRW.
Als Talent mußt Du zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Angebote bekommen. Es gehört recht viel Glück dazu, entdeckt zu werden. Bei mir war es auch nur ein Zufall.

Der unendliche FIFA-Skandal erschüttert die Fußballwelt? Ist Platini, einer aus deren alten Garde, der richtige Mann für die Nachfolge Sepp Blatters?

Bernd Franke: Platini halte ich nicht für den richtigen Mann. Man hätte einen echten Schnitt machen müssen. Wolfgang Niersbach wäre wegen seiner sachlichen Art wohl die bessere Wahl. Luis Figo wollte sich das Amt – mangels Rückendeckung – wohl nicht antun; da kann ich ihn gut verstehen.
Sepp Blatters Gebaren empfinde ich als stark absonderlich. Weiter kommentiere ich das lieber nicht …

Udo Jürgens sang, mit 66 Jahren fange das Leben erst an. Sie sind nun schon ein Jährchen weiter. Wie geht es Ihnen heute - auch gesundheitlich. Welche Aufgaben stellen Sie sich im weiteren Leben?

Bernd Franke: Ich möchte gesund bleiben, mache jeden Tag Sport, vor allem spiele ich gerne Golf (übrigens auch mit dem Ex-Nationallibero Gerd Zewe, der ja auch Saarländer ist) und auch Tennis. Ich habe über einige Jahre als Konditionstrainer der Tennisspielerin Kristina Barrois gearbeitet. 2011 war sie 57. der Weltrangliste.

Ihr Handicap im Golf?

Bernd Franke: 13, ich denke, das ist ganz passabel.

„Toni“ Schumacher äußerte sich ja einmal dergestalt, daß er jeden Morgen, wenn er aus dem Bett steigt, erst einmal alle seine Knochen sortieren muß?

Bernd Franke: Auch meine Knochen haben Tribut zollen müssen: vor einiger Zeit habe ich mir ein neues Hüftgelenk einsetzen lassen. Das hat erfreulicherweise sehr gut geklappt.
Der „Toni“ hat übrigens nur Torwarttraining gemacht, ist ungern gelaufen, auch wegen seines lädierten Knies. Da sind wir anderen Torhüter eben an ihm vorbeigelaufen, als Profi muß man seine Stärken zeigen, das ist legitim. Als er bei den Abwürfen weiter werfen wollte, da war ich besser. Er konnte ja nicht wissen, daß ich mich in der Jugend mit 54 Meter im Speerwurf auf Anhieb für die Deutsche Meisterschaft qualifiziert hatte. Ich habe späterhin als Torwart den Ball vom 16-er bis zur Mittellinie werfen können – und, vor allem: sie sind an der richtigen Adresse gelandet.
Bei den Abschlägen – heute praktizieren ja alle die seitliche südamerikanische Variante, wir konnten damals noch den Dropkick – gab ich dem Ball stets einen Rückwärtsdrall, das erleichtert dem Stürmer die Ballannahme.

Nach Karriereende sind Sie in Ihr heimatliches Saarland zurückgekehrt? Warum, wo Sie doch auch in Braunschweig unverändert einen sehr hohen Beliebtheitsgrad einnehmen? Und wie wichtig war Ihnen familiärer Rückhalt im Leben?

Bernd Franke: In Braunschweig haben wir uns wirklich sehr wohl gefühlt. Aber Adidas hatte mir damals – ich war 38 Jahre alt - die Repräsentanz hier im Südwesten angetragen. Und so sind wir dahin gezogen, wo ich geboren bin. Es ist schön hier im Saarland, aber für die Familie war es von der Mentalität her eine Umstellung. Die Menschen sind nun einmal anders als im Norden.

Haben Sie noch Autogrammkarten?

Bernd Franke: Ja, natürlich. Mich schreiben noch ganz junge Leute an, die mich nie spielen sahen. Erstaunlich. Ich erhalte da sehr nette Briefe.

Herr Franke, herzlichen Dank für Ihre Zeit und dieses interessante Gespräch.
Alles Gute weiter!


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