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Die Rolle der Antizipationsfähigkeit bei den Torhütern

von Marcel Schäfer


Florian Schultz (foto:torwart.de)

Florian Schultz ist Doktorrand am Sportinstitut der Uni Tübingen. Er untersucht momentan in einer vom DFB unterstützten Studie, welche Rolle die Antizipationsfähigkeit für eine gute Torhüterleistung spielt. Mit Hilfe modernster Videotechnologie und eines Eye-Trackers kann Florian Schultz genau erfassen, welche Informationen der Torhüter bei einer Schusssituation aufnimmt. Marcel Schäfer von torwart.de hat sich auf den Weg nach Tübingen gemacht und persönlich am Test teilgenommen. In mehr als 100 Videos, die verschiedene Spielsituationen an die Videoleinwand projizieren, muss der Proband die richtige Richtung des Balles beim Schussversuch vorhersagen. Die richtige Seite zu finden, ist noch relativ einfach. Im Rahmen des Test muss sich der Proband auch darauf festlegen, ob der Ball rechts oben, rechts unten, links oben oder links unten aus Sicht des Torhüters geschossen wird. Nach dem hochinteressanten und aufschlussreichen Test unterhielten wir uns mit Florian Schultz über seine wissenschaftliche Arbeit. Florian Schultz ist noch auf der Suche nach weiteren Probanden. Interessenten mögen sich bitte per eMail an Florian Schultz (florian.schultz@uni-tuebingen.de) wenden. Anfang des kommenden Jahres wird die Arbeit anschießend veröffentlicht und hoffentlich neue Erkenntnisse für das Torwartspiel und die Torhüterausbildung bringen.

torwart.de: Welche Bedeutung hat die Antizipation beim Torwartspiel?

Florian Schultz: Zur Bedeutung der Antizipation für das Torhüterspiel: Moderne Torhüter müssen während eines Spiels sowohl defensive als auch offensive Aufgaben bewältigen. Die Hauptaufgabe des Torhüterspiels liegt aber nach wie vor in den Defensivaktionen, deren Ziel das Verhindern von Toren ist. Antizipation wird dann nötig, wenn der Zeitdruck zu groß wird, um Informationen des Ballflugs rechtzeitig zu verarbeiten.

torwart.de: Wie lautet die Kernhypothese Deiner Arbeit?

Schultz: Die Kernhypothese der Arbeit lautet, dass die Antizipationsfähigkeit ein wichtiges Kriterium für die Torhüterleistung darstellt. In meiner Studie wird zum einen untersucht, inwiefern meine Diagnostik aus einer anwendungsorientierten Perspektive zur Leistungsdiagnostik eingesetzt werden kann. Zum anderen wird aus einer sportpsychologischen Perspektive überprüft, inwiefern die Antizipationsleistung in Abhängigkeit von Alter und Leistungsniveau der Torhüter, des zur Verfügung gestellten Informationsgehalts sowie der Komplexität der präsentierten Spielsituation variiert. Der Informationsgehalt der Szenen wird manipuliert, indem die Videos zu unterschiedlichen Zeitpunkten abgebrochen werden. Der Komplexitätsgrad der Situationen wird u.a. über die Anzahl der präsentierten Spieler stufenweise verändert (von 1 vs. 0 bis 2 vs. 2). Die zugrundeliegende Hypothese lautet, dass die Antizipationsleistung mit steigendem Komplexitätsgrad abnimmt. Zudem vermute ich, dass der zugrunde liegende kognitive Prozess der Antizipation u.a. durch die Blickbewegungserfassung mit dem Eye-Tracker erfasst werden kann. Um diese Hypothesen zu prüfen, werden im Sinne des Expertiseansatzes Experten und Novizen unterschiedlicher Altersklassen und unterschiedlichem Leistungsniveaus miteinander verglichen.

Aufbauend auf den Ergebnissen des Tests ist, in Abhängigkeit von den gewonnenen Erkenntnissen, die Konzeption eines fußballspezifischen Antizipationstrainings für Torhüter denkbar.

torwart.de: Warum wird die Untersuchung als Labortest durchgeführt?

Schultz: Die Untersuchung wird als Labortest durchgeführt, um für den Vergleich von Experten und Novizen möglichst standardisierte Bedingungen zu schaffen. Dadurch, dass den Torhütern die Videoszenen auf eine Großleinwand präsentiert werden und dass sie sich bei der Betrachtung der Videos annähernd in der Torhüter-Grundstellung befinden, wurde versucht, sich der Realsituation etwas anzunähern.

torwart.de: Was genau erfasst der Test?

Schultz: Der Test erfasst die Antizipationsgenauigkeit (wurde korrekt antizipiert), die Reaktionszeit und als Kombination aus beiden Faktoren die Antizipationsleistung.

torwart.de: Kann das für den Torhüter auch wichtige periphere Sehen mit Deinen Messinstrumenten erfasst werden?

Schultz: Das periphere Sehen kann durch den Einsatz des Eye-Trackers nicht erfasst werden, spielt bei den verwendeten Spielsituationen jedoch auch nur eine untergeordnete Rolle.

torwart.de: Welche Eye-Tracker kommt dabei zum Einsatz?

Schultz: Der Eye-Tracker stammt von der Firma SMI und wird mir im Rahmen einer Kooperation vom Tübinger Leibniz-Institut für Wissensmedien zur Verfügung gestellt.

torwart.de: Welche vergleichbaren Studien gibt es bei anderen Sportarten?

Schultz: Antizipation wurde schon in vielen Sportarten untersucht, z. B. im Fußball (dort bislang aber nur mit Strafstoßsituationen), Handball, Hockey, Eishockey, Volleyball, Tennis, Baseball, Cricket etc. Übergreifend kann festgehalten werden, dass Experten dabei relevante Informationen zu einem früheren Zeitpunkt aufnehmen, deshalb schneller und auch korrekter antizipieren können als Novizen.

torwart.de: Wie gut muss ein Torhüter Informationen verarbeiten können?

Schultz: Bzgl. der Informationsverarbeitung kann man übergreifend sagen, dass sich erfolgreiche Torhüter u.a. dadurch auszeichnen, dass sie relevante Hinweisreize, die z. B. aus der Bewegung des Schützen gewonnen werden können, effektiv nutzen können.

torwart.de: In welcher Form unterstützt der DFB Deine Arbeit?

Schultz: Einen Auftraggeber für die Arbeit gibt es nicht. Die Untersuchung findet aber im Rahmen der sportwissenschaftlichen Begleitung des DFB-Talentförderprogramms statt. Der DFB in Person von Jörg Daniel war in die Konzeption eingebunden und unterstützt mich bei der Datenerhebung.

torwart.de: Bist Du noch auf der Suche nach weiteren Probanden?

Schultz: Ja, ich suche noch männliche Torhüter der B- und A-Jugend sowie aus dem Erwachsenenbereich unterschiedlicher Leistungsklassen. Die Probanden bekommen eine Auswertung ihrer Testleistung, der Test macht auch richtig Spass und jeder Proband erhält noch 10 € Aufwandsentschädigung. Bei Interesse bitte ein Mail schreiben.

Florian Schultz (foto: torwart.de)
 
 

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