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Mario Schulz: „Ernährung ist wichtig für Regeneration“

von T. Schlitzke

M. Schulz (Foto Hoffenheim)

Mario Schulz ist seit vielen Jahren Physiotherapeut im Spitzensport. Torwart.de sprach mit dem Experten, der unter anderem schon bei 1899 Hoffenheim tätig war, über die Wichtigkeit von Ernährung, Grenzen des Spitzensports und Möglichkeiten für Torhüter.

Die Nordiren haben bei der EM Pizza in der Kabine gegessen. Wie wichtig ist Ernährung für eine gute Regeneration?

Mario Schulz: Ernährung ist ein wichtiger Bestandteil einer schnellen Regeneration. Es geht ja darum schnellstmöglich, die Energiespeicher wieder zu füllen, um optimal auf eine neue Belastung in Training oder Wettkampf vorbereitet zu sein. Das bedeutet, den Bedarf an Kohlehydraten und Eiweißen rasch zu decken.

torwart.de: Gibt es zu viele Spiele für Profifußballer?

Schulz: Ich denke schon, dass momentan eine Grenze erreicht oder in manchen Bereichen schon überschritten ist. Gerade im Spitzenbereich reicht es trotz optimierter Regenerationsmaßnahmen oftmals nicht aus, nach 3 bis 4 Tagen wieder auf einem top Niveau Leistung zu bringen, ohne dass eine erhöhte Verletzungsgefahr besteht. Dadurch lassen sich dann wohl häufig auch die hohe Anzahl an muskulären Beschwerden erklären.

torwart.de: Wie unterscheidet sich generell ein Torwart mit seinem unterschiedlichen Training von Feldspielern in der Physis?

Schulz: Ein Torwart ist abhängiger von einer optimalen Schnellkraft, während die Belastung eines Feldspielers eher in den Kraftausdauerbereich geht. Dementsprechend ist natürlich auch das Training unterschiedlich zu steuern.

torwart.de: Wie wichtig sind Massagen für einen Torwart?

Schulz: Sowohl bei Feldspielern als auch bei Torhütern ist die Massage eine wichtige Regenerationsmaßnahme. Generell ist es wichtig, im Regenerationsprozess v.a. die Beweglichkeit und die Durchblutung der Muskulatur und des Körpers zu fördern. Hierzu stehen neben den physiotherapeutischen Maßnahmen in erster Linie aktive Bewegung, wie Auslaufen oder Ausradeln, gezielte Stretching-Programme aber auch Sauna oder z.B. Kältebäder im Vordergrund. Dies gilt für alle Spieler.

torwart.de: Brauchen Torhüter andere Regenerationen als Feldspieler? Kann man bei einem Torwart über die Saison Unterschiede in der Leistungsbereitschaft sehen?

Schulz: Für einen Torwart ist es, denke ich, schwieriger, über eine gesamte Saison hinweg, die psychische Leistungsbereitschaft hoch zu halten. Während ein Feldspieler seine mentale Anspannung eher durch die körperliche Anstrengung im Spiel ablegen kann, muss ein Torwart ständig hellwach und konzentriert bleiben auch wenn momentan vielleicht keine Gefahr für das Tor scheint. Auch der Druck, dass ein Fehler zu einem hohen Prozentsatz zu einem Gegentor führt, ist ein Faktor, der berücksichtigt werden muss.

torwart.de: Das Thema Prävention bekommt auch im Profifußball immer mehr an Bedeutung. Wie kann man dort in deiner Rolle einwirken und wie wirkt es sich aus?

Schulz: Es ist ja bekannt, dass verschieden Profivereine mittlerweile Kollegen beschäftigen, die speziell im präventiven Bereich mit den Spielern arbeiten, was ich sehr begrüße. Somit können schon im Vorfeld Funktionsstörungen und muskuläre Dysblancen erkannt und behoben werden, was sicherlich zu einer geringeren Verletzungshäufigkeit und damit zu kürzeren Ausfallzeiten führen wird.

torwart.de: Speziell auf Hände gesehen, wie kann ein Torwart hier darauf einwirken?

Schulz: Als Torwart besteht die Möglichkeit, speziell im Hand- und Fingerbereich durch verschiedene Übungen an der Stabilisationsfähigkeit zu arbeiten. Jedoch sollte man auch dies immer im Zusammenhang mit dem gesamten Arm bzw. der Schultergürtel- und Rumpfmuskulatur betrachten.

torwart.de: Was macht einen guten Physio aus?

Schulz: Neben der allgemeinen fachlichen Qualifikation ist es natürlich unerlässlich, die Anforderungen der zu betreuenden Sportart zu kennen. Ebenso wichtig ist es, die Sportler zu "verstehen". Wir Physiotherapeuten sind sehr eng an den Athleten dran und müssen wissen, mit welchen Ängsten und Problemen sie konfrontiert sein können. Wie kann ich Druck abbauen oder auch motivierend Einfluß nehmen. Manchmal ist man mehr Psychologe als Physio.

torwart.de: Wie sah die Physio Arbeit bei der TSG Hoffenheim aus?

Schulz: All diese zuvor genannten Qualitäten habe ich versucht in meiner Arbeit bei der TSG mit einfließen zu lassen. Ich war bei der U23 im Einsatz, wo die Jungs ja alle den Traum haben, einmal Bundesliga zu spielen. Das ist natürlich auch das Ziel des ganzen Umfeldes, das für die sportliche Weiterentwicklung dieser Spieler arbeitet. Die Grundlage ist dabei immer eine optimale Kommunikation des Trainer- und Betreuerstabs untereinander. Hier hatten wir eine sehr gute Grundlage, um optimale Voraussetzungen zu bieten, die Leistungen der Spieler zu steigern.

torwart.de: Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit Ärzten und Kliniken?

Schulz: In unserem Bereich ist es das Wichtigste, eine gemeinsame Grundlage und Philosophie in der Behandlung von Verletzungen mit dem verantwortlichen Mannschaftsarzt, meist ein Orthopäde, zu erarbeiten. Gleichzeitig ist auch ein medizinisches Netzwerk sinnvoll, um schnellstmöglich notwendige Untersuchungen von Spielern in anderen medizinischen Bereichen in die Wege leiten zu können.

torwart.de: Der Rücken eines Torwarts wird ebenfalls sehr stark belastet. Wie kann ein Torwart diesen schützen?

Schulz: Neben einigen klassischen physiotherapeutischen Fortbildungen, wie Manuelle Therapie oder Manuelle Lymphdrainage, bin ich seit fast 20 Jahren lizensierter Sportphysiotherapeut des DOSB, habe dort auch den Physical Fitness-Kurs absolviert und 2009 die Ausbildung in Osteopathie abgeschlossen. Außerdem habe ich immer wieder Kurse und Kongresse besucht, die mich in der Betreuung von Athleten weitergebracht haben. Momentan bin ich noch als Physiotherapeut des Deutschen Para Skiteam alpin(DPS) tätig und der Plan sieht vor, 2018 in Pyeongchang, nach Sotschi 2014, an meinen zweiten Paralympics teilzunehmen.

torwart.de: Mario, wir bedanken uns für das hochinteressante Gespräch und wünschen Dir alles Gute für Deine Arbeit.

Schulz: Vielen Dank.



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