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"Hautnah" bei torwart.de

V. Herr: "0:9 verloren - bei Bayern passte alles!"

V. Herr (Foto: Privat)

Valentin Herr war ein ehemaliger Bundesligatorwart von Kickers Offenbach. In der ersten Liga kam er auf 20 Einsätze, wurde aber nach einer der 0:9-Niederlage gegen den FC Bayern München am 13. März 1984 aus dem Tor verbannt und von Oliver Reck verdrängt. Heute, fast 20 Jahre danach, sprach torwart.de mit dem Keeper.

torwart.de: Fast 20 Jahre sind vergangen als Sie gegen Bayern München 0:9 verloren. Wie oft haben Sie noch an das Spiel gedacht?

Valentin Herr: Ich wollte zuerst nicht mehr aus meinem Haus gehen für einige Tage. Das sind natürlich Sachen, die einem das ganze Leben lang prägen. Aber mit der Zeit wird einem dann doch bewusst, dass es auch schlimmere Dinge im Leben gibt und es am Ende nur ein Spiel war.

torwart.de: Werden Sie heute auch noch auf dieses Spiel angesprochen?

Herr: Das kommt in der Tat vor. Leider Gottes wird man oft auf so ein einzelnes Spiel reduziert und es wird nicht die komplette Karriere oder die Hintergründe dieses Spiels gesehen.

torwart.de: Was lief denn an diesem Tag alles falsch für die Mannschaft?

Herr: Wir waren eine Mannschaft die gegen den Abstieg gespielt hat, am Ende ja dann auch tatsächlich abgestiegen ist. Bayern München war an diesem Tag stark und es hat alles gepasst und dann kam so ein Spiel bzw. Ergebnis zu Stande.

torwart.de: Waren damals die Leistungsunterschiede noch deutlicher?

Herr: Ich glaube nicht, denn diese Ergebnisse gibt es heute auch noch. Heute ist es aber so, dass wenn ein Team 6:0 führt, dass die Mannschaften dann den Fuß vom Gaspedal nehmen.

torwart.de: Wie viele Tore gingen auf Ihre Kappe damals?

Herr: Keinen!

torwart.de: Alle waren unhaltbar?

Herr: Die Bayern haben uns ausgespielt. Von den neun Gegentoren waren sieben Stück eins-gegen-eins Situationen. Was kann man da als Keeper machen?

torwart.de: Konnten Sie das Spiel noch mal im Fernsehen anschauen?

Herr: Das wäre möglich gewesen. Aber ich wollte es nicht mehr sehen.

torwart.de: Danach kam es zum Torwartwechsel von Ihnen zu Oliver Reck.

Herr: Sicherlich hat der Trainer gesehen, dass ich nach dem Spiel physisch angeknackt war und er musste darauf reagieren. Mit Oliver Reck hatte er ein junges, hoffnungsvolles Talent auf der Bank sitzen. Damals konnte ich die Entscheidung nicht verstehen, heute kann ich es.

torwart.de: Mit Blick auf heute: Welcher Impuls hätte an die Mannschaft gehen sollen?

Herr: Da hat sich bis heute nichts geändert. Wenn es schlecht läuft, dann verfällt man in Aktionismus und das sind weitgehend die größten Fehler, die ein Trainer machen kann.

torwart.de: Waren die besten Jahre danach rum?

Herr: Ich habe danach in der 2.Bundesliga gespielt und das war auch schön. Auch wenn man die damalige zweite Liga, vor allem im Bereich der Zuschauer, nicht mehr mit heute vergleichen kann.

torwart.de: Inwiefern hat sich die Torwartentwicklung verändert seit Sie gespielt haben?

Herr: Heute muss ein Torwart Fußball spielen. Das ist elementar für die Ausbildung. Das war bei uns noch etwas anders.

torwart.de: Sind die Torhüter heute alle zu ähnlich?

Herr: Die Jungs sind heute auf alle Fälle genormt, weil sie durch die Internate gehen, da gab es früher schon mehr kantige Typen. Aber an der Qualität hat sich wenig geändert. Wir haben heute vier, fünf hochklassige Keeper, das hatten wir früher auch.

torwart.de: Gab es bei Ihnen eigentlich schon einen Torwarttrainer?

Herr: Es fing damals gerade so an. Aber allgemeine sehe ich die Sache mit den Torwarttrainern etwas kritischer. Wenn man viele Spiele sieht, dann bemerkt man, dass die Keeper relativ viel isoliert trainieren und viel besser Situationen bereinigen könnten, wenn sie mehr in die Mannschaft eingebunden wären.

torwart.de: Nach der Karriere waren Sie Trainer, dann Scout, kein Torwarttrainer.

Herr: Nein, Torwarttrainer wollte ich nie werden. Trainer war für mich die erste Wahl. Aber als ich gesehen habe, es reicht nicht von ganz oben für die Trainerkarriere, wollte ich mir das nicht mehr länger im Amateurbereich antun und als das Angebot dann von den Tottenham Hotspurs kam als Scout, hatte ich das wahrgenommen und bin nach England gegangen.

torwart.de: Inwiefern kann man das mit Deutschland vergleichen?

Herr: Die Deutschen haben viel im Bereich Scouting aufgeholt. Keine Frage. Aber für mich war wichtig, dass ich in England die Basis lernen durfte. Und jetzt bin ich aktuell beim SV Sandhausen. Am Ende hängt es davon ab, für welchen Verein du arbeitest. Als in bei Tottenham war, durfte ich in der Champions-League Spiele beobachten. Nun schaue ich alles von Liga zwei bis zur Regionalliga an.

torwart.de: Warum gibt es eigentlich so wenige deutsche Keeper in England?

Herr: Das verstehe wer will. Das kann ich auch nicht beantworten. Am Ende ist es wohl eine Ansichtssache des Torwartspiels, am Ende wird dem Torwartspiel in England nicht ganz diese Bedeutung zugewiesen, wie hier in Deutschland. Wenn ein Verein Geld ausgibt in England, dann doch eher für einen Feldspieler.

torwart.de: Zum Schluss: Was passierte mit den Handschuhen und Trikot vom 0:9 eigentlich?

Herr: Das habe ich als Souvenir im Wohnzimmer hängen (lacht). Nein, ernsthaft. Ich weiß es leider nicht.

torwart.de: Danke für das Interview.

Herr: Bitte sehr.


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