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Torwarttrainerausbildung an der Sportschule Oberhaching (01.12.06)

Ein etwas anderer Erfahrungsbericht

von Jörg Scharnweber


Trainerausbildung beim BFV

torwart.de-Redakteur, Jörg Scharnweber - selbst Torwarttrainer und ehemaliger Torwart machte im Oktober 2006 einen Aufbaulehrgang innerhalb der Torwarttrainerausbildung des Bayerischen Fußballverbands. Die eigenen Erfahrungen fasst er im folgenden Bericht zusammen:

Siggi, Jugendleiter eines Vereins aus dem Fränkischen, schnauft schwer. "So anstrengend habe ich mir das nicht vorgestellt!" Dabei legt er seine Stirn in Falten und wischt sich den Schweiß aus dem Gesicht. Während Siggi weiterhin seine Trockenübungen zum Fangen hoher Bälle absolviert, blicke ich auf die anderen zwanzig Lehrgangsteilnehmer. Überall wird geübt, gesprungen, gefangen und laute Kommandos wie "Torwart!" oder "Leo!" dröhnen über den Platz. Die meisten Lehrgangsteilnehmer haben das gleiche Ziel, nämlich eine Ausbildung als Torwarttrainer zu durchlaufen. Ein Bereich, der in den Amateurvereinen immer noch stark vernachlässigt wird. Sowohl Siggi als auch die anderen Lehrgangsteilnehmer sollen irgendwann die Keeper in ihren Heimatvereinen ausbilden können und sie in den Besonderheiten des Torhüterspiels unterstützen. Natürlich gibt es auch Lehrgangsteilnehmer, die diese Ausbildung lediglich zur Verlängerung ihrer C-Lizenz nutzen und keine großen Ambitionen auf eine Tätigkeit als Torwarttrainer haben. Doch die allermeisten Teilnehmer sind Keeper mit Leib und Seele und freuen sich, wenn ein scharfer Ball auf ihr Tor zufliegt und sie den anderen mit einer Glanzparade zeigen können, was in ihnen steckt. Viele erzählen später am Mittagstisch von verpaßten Aufstiegen, gehaltenen Elfmetern und zweifelhaften Schiedsrichterentscheidungen.

"Hey, Ihr zwei, was spielt Ihr denn da für einen Schmarrn zusammen!" poltert die Stimme des Ausbilders lautstark über den Platz und weist die Spieler neben uns zurecht. Ich staune, denn der Ton des Ausbilders hier an der Sportschule Oberhaching ist ein ganz eigener: Um schwächere Spieler kümmert er sich mit einer Engelsgeduld und starke Spieler sieht er durchaus auf Augenhöhe mit seinem eigenen Können. Keeper mittlerer Spielstärke hingegen dürften sich teilweise an ihre Grundausbildung bei der Bundeswehr erinnert haben: Hatte der Feldwebel vor gut 20 Jahren in der Mittenwalder Edelweißkaserne nicht die gleichen Sprüche drauf? Oder war es doch Werner Lorant?

Gute Wahl: WM-Quartier Paraguays

Ich bin beeindruckt von der Ausstattung der Sportschule in Oberhaching. Verkehrstechnisch günstig gelegen, verfügt die Sportschule über einen Kunstrasenplatz der modernen Generation, über gepflegte Rasenplätze und Kleinspielfelder. Alles in einem exzellenten Zustand. Die Zimmer sind sauber und freundlich eingerichtet, so wie der Gesamteindruck der gesamten Anlage keine Wünsche offen läßt. Da ist es leicht nachzuvollziehen, warum sich WM-Teilnehmer Paraguay für die Sportschule Oberhaching als WM-Quartier entschied. An dem frühen Ausscheiden der Südamerikaner hingegen dürfte die Sportschule wirklich keine Mitschuld tragen.

Gut organisiert ist der gesamte Ablauf der Ausbildung. Der Tag sieht jeweils zwei Theorie- und zwei Praxis-Einheiten vor. Beliebter sind bei den angehenden Torwarttrainern natürlich die Ausbildungseinheiten auf dem Platz, bei denen auch erfahrene Keeper feststellen müssen, daß es selbst bei ihnen noch zahlreiche technische Dinge zu verbessern gibt. Doch auch innerhalb dieses Lehrgangs gibt es Teilnehmer, die ihr Abschlußzertifikat am liebsten mit einer rein theoretischen Ausbildung erwerben würden. Ob sie dann den Torhütern in ihrem Heimatverein spezielle Fangtechniken nur in der Kabine vermitteln würden? Und einen scharfen Abwurf im großzügig geschnittenen Vereinsheim ausprobieren?

Spezielles Torwarttraining: Kahn und Maier (Foto Firo)

Aber was fängt man abends in der Sportschule mit seiner Zeit an, nach Beendigung des Tagesprogrammes? Champions-League-Spiele auf Premiere in der Endlosschleife anschauen? Oder den Muskelkater auskurieren? Denn spätestens am dritten Tag outen sich unfreiwillig die Lehrgangsteilnehmer, die Fußball nur von der Seitenlinienperspektive her kennen: Humpelnd schleichen sie über die Gänge und erinnern eher an eine Ansammlung von Kriegsveteranen.Die Kantinenbedienung klärt mich über die abendlichen Gewohnheiten der Sportschulteilnehmer auf: "Volleyballerinnen und Fußballer - das findet sich hier immer!", plaudert sie aus ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz. Aha. Die Bayern-Auswahl der Volleyballerinen ist in dieser Woche auch zu Gast in Oberhaching. Ob sich da wirklich...? Laute 18-jährige Mädels, die angehenden Torwarttrainer liegt von der Altersstruktur zwischen 35 und 45. Das trotz des großen Altersunterschieds anregende Bande geknüpft werden konnten, bestätigen mir am nächsten Tag meine Zimmernachbarn Bernd und Andreas mit einem schnippischen Grinsen im Gesicht.

Der Lehrgang schließt mit einer praktischen Lehrprobe sowie zusätzlich für die C-Lizenz-Bewerber mit einem schriftlichen Test ab. Es ist wirklich erstaunlich, wieviel von dem vermittelten Fachwissen bei den angehenden Torwarttrainern hängengeblieben ist. Man merkt, daß wirklich jeder der Teilnehmer den Lehrstoff förmlich aufgesaugt hat. Selbst noch so kleine Randbemerkungen des Ausbilders im Laufe dieser Woche können mühelos zitiert und angewandt werden. Hätte man sich dieses famose Erinnerungsvermögen nicht auch früher für den Matheunterricht gewünscht?

Empfehlenswerter Lehrgang

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, daß dieser Lehrgang sehr empfehlenswert ist. Die Kosten mit EUR 200.- incl. Unterkunft und Verpflegung sind ein angemessener Preis. Lehrgangsteilnehmer, die meinen, bereits alles über das Torhüterspiel zu wissen, werden schnell eines besseren belehrt: Langjährige Torhüter feilen an ihrer Taktik und Technik, während selbsterfahrene Trainer zahlreiche Anregungen für neue Trainingsprogramme erhalten.

Siggi, mein Übungspartner des ersten Tages, hingegen stöhnte nach Beendigung des Lehrgangs erneut: "Jetzt habe ich soviele neue Impulse bekommen - wie soll ich die nur alle umsetzen?"


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