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Boubacar "Barry" Copa - "Hautnah" bei torwart.de (17.06.06)

"Fußball im TV bedeutet kein Krieg!"

von Tobias Schlitzke 


Boubacar Barry Copa - Foto: Firo

Afrika und seine Torhüter. Das klingt manchmal wie eine verkehrte Welt. Die ersten Spiele dieser Weltmeisterschaft haben gezeigt, dass die Torhüter vom "Schwarzen Kontinent" nicht unbedingt die sichersten waren. Doch Boubacar "Barry" Copa, aktuelle Nummer 2 der ivorischen Mannschaft, sieht das gelassener: "Afrika hat kein generelles Torwartproblem". Vielmehr müsse man die "Gesamtsituation im afrikanischen Fußball beachten". Der Fußball befinde sich allgemein noch "im Entwicklungsstatus", doch er sei "auf einem guten Weg" gibt "Barry" zu bedenken.

Tatsächlich fing seine Karriere eher ungewohnt an. In Abidjan - die größte Stadt und frühere Hauptstadt der Elfenbeinküste - verbrachte er seinen ersten Lebensabschnitt. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen und in einem trostlosen Viertel auf. Gemeinsam mit seinen Geschwistern teilte er sich ein winziges Zimmer. Fußball spielte er schon immer mit seinen Freunden in den staubigen Straßen. Irgendwann nahmen ihn seine Freunde mit in den örtlichen Verein. "Barry" überzeugte sofort und war fortan einer der Stars im Mittelfeld. Torwart wollte er eigentlich nie werden. In Afrika möchte jeder Tore schießen. Denn nur wer Tore schießt, kann ein Held werden. Und nur Helden bekommen Aufmerksamkeit und Ruhm. Dinge, die in einem vom Bürgerkrieg geprägten Land nicht normal seien, wie der 28-jährige mit trauriger Stimme erzählt. Seit 2002 tobt in der Elfenbeinküste der Bürgerkrieg. Oftmals ist der Fußball das einzige, was die beiden verfeindeten Parteien zum Schweigen bewegt. Als das Team beim Afrika-Cup den zweiten Platz erreichte, war für einige Tage Ruhe im Land. So war es auch eher ein Zufall, dass Copa im Alter von 16 Jahren ins Tor kam. Der etatmäßige Torwart verletzte sich bei einem Freundschaftspiel und "Barry" wurde von seinem Trainer - gegen seinen Willen - ins Tor geschickt. Der Ivorer überzeugte und blieb fortan im Tor - anfangs immer noch auf Zwang seines  Trainers. Spezielles Torwarttraining gab es dort nie, geschweige Torwarttrainer. So blieben Torschüsse oft die einzige Möglichkeit sich auszuzeichnen. Doch der Afrikaner ließ sich nicht entmutigen und legte oftmals private Extraschichten mit seinen Freunden ein, um sein Torwartspiel zu verbessern. Sein Traum war immer einmal im Ausland zu spielen - besonders von Europa schwärmte "Barry" oft.

Die Ivorischen Fans

Dann ging alles ganz schnell. Nach seinem 20ten Geburtstag bekam er die Einladung zu einem Probetraining in Frankreich. Den Kontakt zu Stade Rennes, ein Club aus der französischen Ligue 1, vermittelte ihm ein Bekannter. Auch dort hatte der Afrikaner Glück. Er überzeugte und der Ersatztorhüter fiel für einige Wochen aus, so war die Vertragsunterzeichnung nur noch Formsache. "Ein Traum ging damit für mich in Erfüllung", so Copa leicht schmunzelnd. Jeder Spieler in Afrika träume einmal davon, in "Europa zu spielen".  In Rennes konnte er zusammen mit Bernard Lama, dem eheamaligen Weltklassetorwart, spielen, der "einen großen Einfluss" auf den jungen Keeper von der Elfenbeinküste hatte. "Ich hatte durchaus am Anfang Probleme, mich einzugewöhnen, da die Lebensart und das Klima doch etwas anders war, als in meiner Heimat". Doch die gemeinsame Sprache erleichterte ihm die Anpassung und auch die Kommunikation innerhalb der Mannschaft. Auch wenn es aufgrund des einem oder anderem französischem Akzents Mißverständnisse gab. "Doch die gibt es überall", fügt er noch schnell hinzu.

Doch sein Blick war in den letzten Monaten nur auf die Weltmeisterschaft in Deutschland gerichtet. "Natürlich bin ich nervös, schließlich ist es mein erstes großes Turnier!" Seine Hoffnung ruht darauf, dass das Team der "Côte d'Ivoire" möglichst weit kommt. Denn wenn die Menschen in der Heimat TV schauen, hätten sie keine Zeit "sich zu bekriegen" und "die Menschen in der Heimat können endlich in Frieden leben", betont er. Doch die Afrikaner haben durchaus Schwierigkeiten, Erfolge einzufahren, wie die ersten Ergebnisse bewiesen.  Viele Afrikaner hoffen auf möglichst viele Sommertage. Es wurden sogar Voodoo-Männer beauftragt, die in Afrika für Sonne beten. Doch die Auslosung bescherte den Ivorern kein Glück! Mit Holland, Serbien und Argentinien erwischte das Team um Trainer Henri Michel die vermeintlich schwierigste Gruppe.  Aber gerade diese Tatsache scheint die Stärke der Mannschaft zu sein. "Wir sind klarer Außenseiter, somit können wir eigentlich nur gewinnen. Das ist unsere erste WM Teilnahme, was haben wir zu verlieren? Das Schlüsselspiel wird das gegen die Niederlande sein - dann werden wir wissen, wo wir stehen und ob wir in die nächste Runde kommen können." konstatiert der 6-fache Nationalspieler Auch der Rummel um Didier Drogba schade dem nicht. "Didier" sei "ein Profi", der an das Spektakel  aus England gewohnt sei. "Wir sind ein Team - jeder Einzelne muss seine Leistung bringen! Dann kommen wir weiter!" Diese Aussage passt zu dem Arbeiter Copa, der auch zugibt, dass er kein Vorbild habe. Niemand brauche Vorbilder, denn "alles geht über Arbeit". Diesen Eindruck vermittelt er auch am Ende des Interviews. Er müsse dann noch eine Runde im Park joggen gehen, deswegen könne er nun nicht mehr weiter zur Verfügung stehen. Eine höfliche Verabschiedung noch und schon ist "Barry" wieder auf dem Weg zum Training.


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