Arteta verteidigt dieses Vorgehen als Teil eines „cleveren, physischen Fußballs“, und die Schiedsrichter dulden es weitgehend. Ein klarer Regelverstoß liegt nämlich nur dann vor, wenn der Torwart gehalten oder ohne Ballbezug blockiert wird. Da die Ecken jedoch meist mit starkem Schnitt und hoher Geschwindigkeit direkt in den Fünfmeterraum geschlagen werden, ist dieser Ballbezug praktisch immer gegeben. So spricht die derzeitige Regelauslegung klar für die angreifende Mannschaft – und gegen die Torhüter.
Tore zählen mehr als Torhüteraktionen
Diese Entwicklung reiht sich nahtlos in eine Reihe von Einschränkungen ein, mit denen Torhüter in den letzten Jahren konfrontiert wurden: Sie müssen den Ball schneller wieder ins Spiel bringen, bei Elfmetern mindestens ein Bein auf der Linie behalten und werden inzwischen auch bei Standards immer konsequenter attackiert. All das folgt einer klaren Logik: Mehr Tore bedeuten mehr Emotionen, mehr Unterhaltung und letztlich mehr wirtschaftlichen Erfolg. Der moderne Fußball ist eben längst mehr Industrie als reiner Sport.
Die Zahlen geben den Trainern recht. Allein Arsenal erzielt inzwischen regelmäßig 15 bis 20 Tore pro Saison nach Eckbällen – viele davon nach bewusst erzeugtem Chaos im Fünfmeterraum. Auch andere Vereine adaptieren zunehmend diesen Ansatz, während Torhüter wie Manuel Neuer öffentlich von einer „klaren Behinderung“ sprechen. Gleichzeitig fehlt den Torhütern aber letztlich die Lobby, um ihre mehr als nachvollziehbaren Positionen auch stimmgewaltig zu vertreten.
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