Das Torwart- und Fußballportal
  TORWART.DE ONLINE-SHOP Torwarthandschuhe von adidas, Reusch, Uhlsport, NIKE, Puma, Jako, Derbystar, Erima, Sells, Selsport, Storelli, McDavid, Under Armour, Lotto, TW1!
torwart.de-Shop:Torwarthandschuhe, Torwartausrüstung
torwart.de-Shop:Torwarthandschuhe, Torwartausrüstung
 


Home > Magazin > torwart.de-kompakt 25/26 > International > Ter Stegen erneut verletzt, die WM ist in Gefahr

Ter Stegen erneut verletzt, die WM ist in Gefahr

Der Körper als Endgegner: Marc-André ter Stegens tragischer Kampf gegen das Etikett des Unvollendeten

Autor: T. Rübe - 02.02.2026

Marc-André ter Stegen erlebt beim FC Girona das, was sich in den vergangenen Jahren leise angedeutet hat: Sein Körper beginnt, den Preis für ein Jahrzehnt auf höchstem Niveau zu verlangen. Wie am Montag bekannt wurde, hat sich der 33-Jährige bei der 0:1-Niederlage gegen Real Oviedo am Oberschenkel verletzt. Während zunächst die Schwere der Blessur noch nicht feststand, kamen nun Details ans Licht. So hat sich der deutsche Nationaltorwart eine Muskelverletzung am Oberschenkel zugezogen. Diese Verletzung am hinteren Oberschenkel blieb noch während der Partie völlig unbemerkt und wurde erst nach dem Abpfiff entdeckt. Mittlerweile steht sogar im Raum, dass auch die entsprechende Sehne in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Folge wäre eine weitere lange Zwangspause. Nach ersten Berichten aus Spanien würde ter Stegen wohl bis zu zwei Monate oder gar länger ausfallen.

Erneute Zwangspause statt regelmäßige Spielpraxis

Für den ehemaligen Kapitän des FC Barcelona wäre es das nächste Drama zur Unzeit. In Barcelona saß er zuletzt hinter dem millionenschweren Neuzugang Joan Garcia und Routinier Wojciech Szczęsny nur auf der Tribüne; die Perspektive auf regelmäßige Einsätze und damit auf die WM-Teilnahme war faktisch weg. Grund hierfür waren die gehäuften und teilweise langen verletzungsbedingten Ausfallzeiten. Im Herbst 2024 setzte ihn ein Riss der Patellasehne außer Gefecht, im Sommer musste er sich einer Rücken-Operation unterziehen. In Barcelona hatte er somit keine Chance mehr auf regelmäßige Spielzeit, auch wenn er vor Kurzem noch einmal im Pokal für die Blaugrana auflaufen durfte. Also folgte der Schritt: Leihe zum FC Girona. Der Klub ist unweit Barcelonas gelegen, sodass für den Torwart kein Umzug nötig war. Der Verein wiederum brauchte einen neuen Torhüter, da man bisher mit der Nummer 1, Paulo Gazzaniga, nicht zufrieden war und die Leihgabe von Fenerbahce Istanbul, Dominik Livaković, sich nicht durchsetzen konnte. Der kroatische Nationaltorwart brach nunmehr seine Leihe nach Spanien vorzeitig ab und kehrt zu Dinamo Zagreb zurück.

Das Drehbuch für ter Stegen war eigentlich perfekt: Beim Debüt rettete er Girona mit einer fantastischen Parade in der Nachspielzeit einen Punkt. Ein Spiel später dann die brutale Korrektur der Realität: Muskelverletzung beim 0:1 in Oviedo, voraussichtlich bis zu zwei Monate Pause. Wieder raus, wieder Therapieplan, wieder Reha statt Rhythmus. Dass ter Stegen sich „erneut“ verletzt, ist keine Zufallsformulierung mehr, sondern ein Muster. Knieprobleme, Rücken, jetzt wieder Muskulatur – seine Verletzungshistorie liest sich inzwischen wie die medizinische Chronik eines Torhüters, der seinen Körper jahrelang an die Grenze gefahren hat. Erneut ist es keine leichte Blessur, sondern soll dem Vernehmen nach unter Umständen einen erneuten medizinischen Eingriff nach sich ziehen. Ob ter Stegen dann tatsächlich „nur“ zwei Monate ausfallen würde, steht derzeit noch nicht fest.

Die WM ist in Gefahr

Dazu kommt die fatale Konstellation: Girona denkt laut darüber nach, die Leihe abzubrechen und ihn per Klausel zurück nach Barcelona zu schicken. Wenn es dazu käme, wäre der Worst-Case für den ambitionierten Torhüter eingetreten: Von Girona zurückgeschickt und in Barcelona ohne Aussicht auf Spielzeit. Die WM als Stammtorhüter wäre nicht nur in Gefahr, sondern im Grunde genommen utopisch. Bundestrainer Julian Nagelsmann und Sportdirektor Rudi Völler haben klar formuliert, was sie erwarten: Torhüter mit Spielpraxis, mit belastbaren Wochen, mit echten Referenzen aus Pflichtspielen. Genau das hat ter Stegen zuletzt nicht mehr gehabt – und genau das nimmt ihm die Verletzung jetzt erneut. Seine Geschichte entbehrt dabei nicht einer gewissen Tragik. Vor der WM 2018 war Manuel Neuer lange verletzt, konnte fast ein Jahr nicht spielen und blieb dennoch die Nummer 1, während ter Stegen zuvor konstant stark spielte und von vielen als die eigentliche Nummer 1 gesehen wurde. Dennoch spielte Neuer. Dies wiederholte sich vor der EM 2024 im eigenen Land.

Die WM 2026 sollte das große Turnier des Marc-André ter Stegen werden. Endlich heraus aus dem Schatten des Weltmeisters von 2014 und dazu bereit, selbst das wichtigste Turnier seiner Karriere zu spielen. Er war über Jahre der Garant, der „sichere Rückhalt“, der mit Paraden Spiele festhält, Ruhe und Souveränität ausstrahlt und auch fußballerisch zu überzeugen wusste. Genau dieses Bild bekommt jetzt Risse – nicht, weil er plötzlich schlechter performt, sondern weil er zu selten überhaupt im Tor steht. Für einen Torhüter ist das die brutalste Form der Krise: nicht im Strafraum, sondern im Behandlungszimmer festzustecken. Wenn man das alles aus der Distanz betrachtet, bleibt ein Torwart, der alles richtig zu machen versucht hat – Vereinswechsel, Risiko für Spielzeit, klares Bekenntnis zur WM – und dennoch von Faktoren eingeholt wird, die er nur bedingt steuern kann.

Die erneute Verletzung in Girona ist kein Einzelfall, sondern ein Symptom dafür, wie schmal der Grat geworden ist, auf dem seine Karriere aktuell balanciert. Das ist die tragische Pointe: Marc-André ter Stegen hat sich fußballerisch in jene Kategorie gespielt, in der ein einziger Sommer ein Vermächtnis zementiert – als Nummer eins bei einer Weltmeisterschaft. Und genau auf dem Weg dorthin entscheidet jetzt nicht mehr nur seine Qualität, sondern vor allem die eine Frage: Hält der Körper noch einmal durch? Sollte dies nicht der Fall sein, wird ihm wohl ewig der Status des Unvollendeten anhaften. Der stille Profiteur dieser Situation könnte Oliver Baumann sein, der „Mister Zuverlässigkeit“ unter den deutschen Torhütern. Baumann ist in seiner Karriere bisher nie langfristig ausgefallen und hat sich über die Jahre stetig in die Nationalmannschaft hineingearbeitet, wo er seinen Platz nun immer weiter zementiert.


Kommentare (0)

Keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

© 1999-2026 torwart.de - Impressum

TIP A FRIEND SITEMAP TORWART.DE _Sitemap _oben

Um unsere Website laufend zu verbessern, verwenden wir Cookies. Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Infos