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Luis Enrique und seine Unbeständigkeit bezüglich Torhütern

Zwischen taktischem Kalkül und dem Risiko der Verunsicherung: Enriques Torwart-Rotation in Paris

Autor: T. Rübe - 03.03.2026

Luis Enrique war als Spieler Weltklasse und einer der Köpfe von Real Madrid und des FC Barcelona zu seiner Zeit. Vor allem sein taktisches Gespür und die hohe Spielintelligenz zeichneten den Spanier aus. Auch als Trainer genießt er einen exzellenten Ruf und arbeitete erfolgreich beim FC Barcelona und der spanischen Nationalmannschaft, ehe es für den Spanier 2023 zu Paris Saint-Germain ging. Die Mission war für ihn von Beginn an klar: Ein Klub mit schier unbegrenzten finanziellen Mitteln muss zwingend die Champions League gewinnen. Dies gelang PSG erst im vergangenen Sommer. Das bis dahin beste Ergebnis in der Königsklasse war der Finaleinzug 2020, doch unterlag man damals dem FC Bayern München.

Gelungen war der Gewinn der Champions League mit einem mittlerweile etwas anderen Ansatz bei der Kaderzusammenstellung und dem dementsprechenden Auftreten auf dem Transfermarkt. Während man zuvor noch in erster Linie auf große Namen setzte – Sinnbild hierfür waren Akteure wie Neymar oder Messi –, wurde nunmehr eher darauf geachtet, dass auch entwicklungsfähige Spieler in den Kader und in die Mannschaft integriert werden. Zur Wahrheit gehört dennoch, dass sich PSG nicht zu einem Ausbildungsverein entwickelte, sondern weiterhin in den höchsten Regalen nach den passenden Spielern suchte. Im Sommer 2021 kam der gerade einmal 22 Jahre alte Gianluigi Donnarumma als neue Nummer 1 von der AC Milan. Trotz des jungen Alters galt die Nummer 1 der italienischen Nationalmannschaft bereits als Weltklasse-Torhüter und war frischgebackener Europameister. Darüber hinaus war er ablösefrei zu haben.

Donnarumma war der erste Streitfall

Allerdings war Donnarumma trotz seiner herausragenden Qualitäten, vor allem auf der Linie, nur selten wirklich unumstritten. Primär wurde die Strafraumbeherrschung des 1,96 m großen Torhüters bemängelt, da er aufgrund seiner Körpergröße bei nahezu jedem Luftduell einen Vorteil haben sollte. Das war allerdings nie die Stärke von Donnarumma, der ein Shot-Stopper in Reinform war und auch weiterhin ist. Dies war aber auch Luis Enrique nicht genug. Der Coach präferiert ganz klar einen spielstarken Torhüter, der auch mutig und offensiv in der Strafraumbeherrschung agiert. Daher kritisierte Luis Enrique bisweilen auch seine Nummer 1. Die Unzufriedenheit des Trainers gegenüber seinem Keeper gipfelte im Herbst 2024, als sich Donnarumma phasenweise auf der Bank wiederfand und für ihn Matvej Safonov spielte. Im Laufe der Rückrunde spielte dann doch wieder der Italiener.

Mit ihm gelang letztlich auch der Gewinn der Champions League 2025, und dennoch war im Sommer Schluss für Donnarumma in Paris. Dabei wurde der Torhüter regelrecht zu einem Wechsel gedrängt. In erster Linie zögerte Donnarumma selbst, seinen bis zum Sommer 2026 laufenden Kontrakt zu verlängern. Somit konnte nur im letztjährigen Sommer noch eine gute Ablösesumme erzielt werden. Gleichzeitig ließen sich auch die atmosphärischen Störungen zwischen Trainer und Torwart nicht mehr wegdiskutieren. Gleichsam ergab sich für PSG die Möglichkeit, den 23-jährigen Lucas Chevalier für rund 40 Millionen Euro aus Lille loszueisen. Dieser war zu diesem Zeitpunkt bereits im Kreise der französischen Nationalmannschaft und galt als eines der größten Torwarttalente Europas. Daher passte der Keeper perfekt in die Transferstrategie, verstärkt auf entwicklungsfähige Spieler zu setzen, die dennoch bereits eine hohe Qualität mitbringen.

Chevalier als nächstes „Opfer“

Zu Beginn der aktuellen Saison schien Chevalier auch als neue Nummer 1 gesetzt zu sein. Aber so ganz konnte der mittlerweile 24-Jährige die hohen Erwartungen noch nicht erfüllen. Gleichzeitig wurde ihm im Grunde genommen keine Eingewöhnungszeit zugebilligt. In einem Klub wie PSG mit extrem hohen Zielen und Ansprüchen muss ein neuer Spieler möglichst sofort die erhoffte Leistung erbringen. Mit der Zeit spielte auch bisweilen der 26-jährige Safonov. Dieser schickte sich an, sich als neuer Stammtorhüter herauszukristallisieren. Allerdings hielt sich Luis Enrique bisher mit konkreten Aussagen zu seinen Torhütern zurück. Erstmalig bezog der Coach indirekt Stellung im Rahmen des letzten Gruppenspiels in der Champions League, als Safonov spielte: „Ich habe keine Probleme damit, meine Torhüter zu rotieren.“

Dabei profitierte Safonov zunächst von einer Verletzung Chevaliers und konnte sich einen gewissen Vorsprung erarbeiten. Vor allem konnte er gegen Flamengo als Elfmeterkiller glänzen und parierte ganze 4 Versuche. Im Dezember brach sich Safonov die Hand, sodass zunächst wieder Chevalier gesetzt war. Seit der Russe nunmehr aber wieder fit ist, spielte er. Enrique sagte nur im Hinblick auf das aktuelle Duell etwas kryptisch: „Wenn man sich meine Entscheidungen ansieht, ist es ganz klar.“ Damit zielte der Trainer auch wiederum auf seine frühere Entscheidung ab, Donnarumma auf die Bank zu setzen, und unterstrich, dass er vor großen Neuzugängen keine Angst hat.

Die reinen Statistiken aber sprechen nach der Kicker-Datenbank eine etwas andere Sprache. Vor allem in der Ligue 1 führt Chevalier, der mit rund 1500 absolvierten Minuten fast dreimal so viel Einsatzzeit hat. Bei statistisch betrachteten 15,62 erwartbaren Gegentoren musste Chevalier wiederum nur 13-mal hinter sich greifen. Dabei konnte er insgesamt starke 72 % der Torschüsse abwehren und dabei 33 Paraden zeigen. Dem gegenüber stehen 6 Gegentore bei Safonov bei 5,27 erwartbaren Gegentoren. Dieser wehrte dabei 67 % der Torschüsse ab und zeigte 12 Paraden. Im Bereich der kurzen Pässe liegt Chevalier mit 88 % angekommener Pässe zu 85 % bei Safonov leicht vorn. Die angekommenen langen Bälle sprechen wiederum für den russischen Torhüter.

Das Riskieren einer ernsthaften Torhüter-Debatte

Auch in der Champions League zeichnet sich bei den gespielten Bällen ein ähnliches Bild ab. Allerdings zeigte Chevalier in diesem Wettbewerb eine deutlich schlechtere Abwehrquote mit gerade einmal 47 % zu ebenfalls 67 % bei Safonov. Auch kassierte der Franzose mehr Gegentore, als erwartbar gewesen wäre. Bei der ursprünglichen Nummer 2 halten sich die tatsächlichen 3 Gegentore mit 2,78 erwartbaren Gegentoren wiederum regelrecht die Waage. Von daher ist eine gewisse Rotation nicht so abwegig, wie es auf den ersten Blick erscheinen würde. Zudem zeigte Luis Enrique bereits als Cheftrainer des FC Barcelona einen gewissen Hang zur Torhüter-Rotation, als er Claudio Bravo in der La Liga einsetzte und der damals junge Marc-André ter Stegen im Pokal und in der Champions League zum Einsatz kam. Als Bravo ging und dafür Jasper Cillessen von Ajax Amsterdam geholt wurde, übernahm Ter Stegen die Bravo-Position. Damit erhielten zwar mehrere Torhüter unter Luis Enrique Spielpraxis, aber das unumstrittene Vertrauen erhielten die Keeper dabei nie. Ähnlich verhielt es sich mit Gianluigi Donnarumma und Matvej Safonov, und auch jetzt mit Chevalier und Safonov entwickelt es sich in eine ähnliche Richtung. Damit aber kann der Trainer auch durchaus die Reputation und die Leistungen seiner Torhüter beschädigen und unbedachterweise dafür sorgen, dass sie nicht mehr ihr eigentliches Potenzial abrufen können.

In der Bundesliga gab es vor ein paar Jahren eine ähnliche Situation, als beim FC Schalke 04 ein junger Alexander Nübel als endgültiger Neuer-Nachfolger aufgebaut werden sollte, im Laufe der Saison 2019/2020 aber phasenweise von Markus Schubert verdrängt wurde – auch als bekannt wurde, dass Nübel nach der Saison ablösefrei zum FC Bayern München wechseln würde. Seitdem war die Torhüterposition beim FC Schalke 04 ein regelrechter Schleudersitz. Bei Eintracht Frankfurt gibt es mit der aktuellen Situation rund um Kauã Santos und Michael Zetterer ebenfalls eine Thematik, die bisher beide Torhüter verunsichert hat und daher nach aktuellem Stand beide beschädigt aus der laufenden Saison gehen werden. Auch Luis Enrique steuert auf ein ähnliches Problem zu, wenn die Leistungen seiner Torhüter, aktuell insbesondere von Matvej Safonov, schwankend ausfallen sollten. Dabei scheint der Coach von PSG einen Drang dazu zu haben, seinen Torhütern nicht das vollste Vertrauen schenken zu wollen. Noch geht es gut, doch ob er weiterhin mit dieser Methode Erfolge feiern kann, liegt nicht in erster Linie in seiner Hand.


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