Das Riskieren einer ernsthaften Torhüter-Debatte
Auch in der Champions League zeichnet sich bei den gespielten Bällen ein ähnliches Bild ab. Allerdings zeigte Chevalier in diesem Wettbewerb eine deutlich schlechtere Abwehrquote mit gerade einmal 47 % zu ebenfalls 67 % bei Safonov. Auch kassierte der Franzose mehr Gegentore, als erwartbar gewesen wäre. Bei der ursprünglichen Nummer 2 halten sich die tatsächlichen 3 Gegentore mit 2,78 erwartbaren Gegentoren wiederum regelrecht die Waage. Von daher ist eine gewisse Rotation nicht so abwegig, wie es auf den ersten Blick erscheinen würde. Zudem zeigte Luis Enrique bereits als Cheftrainer des FC Barcelona einen gewissen Hang zur Torhüter-Rotation, als er Claudio Bravo in der La Liga einsetzte und der damals junge Marc-André ter Stegen im Pokal und in der Champions League zum Einsatz kam. Als Bravo ging und dafür Jasper Cillessen von Ajax Amsterdam geholt wurde, übernahm Ter Stegen die Bravo-Position. Damit erhielten zwar mehrere Torhüter unter Luis Enrique Spielpraxis, aber das unumstrittene Vertrauen erhielten die Keeper dabei nie. Ähnlich verhielt es sich mit Gianluigi Donnarumma und Matvej Safonov, und auch jetzt mit Chevalier und Safonov entwickelt es sich in eine ähnliche Richtung. Damit aber kann der Trainer auch durchaus die Reputation und die Leistungen seiner Torhüter beschädigen und unbedachterweise dafür sorgen, dass sie nicht mehr ihr eigentliches Potenzial abrufen können.
In der Bundesliga gab es vor ein paar Jahren eine ähnliche Situation, als beim FC Schalke 04 ein junger Alexander Nübel als endgültiger Neuer-Nachfolger aufgebaut werden sollte, im Laufe der Saison 2019/2020 aber phasenweise von Markus Schubert verdrängt wurde – auch als bekannt wurde, dass Nübel nach der Saison ablösefrei zum FC Bayern München wechseln würde. Seitdem war die Torhüterposition beim FC Schalke 04 ein regelrechter Schleudersitz. Bei Eintracht Frankfurt gibt es mit der aktuellen Situation rund um Kauã Santos und Michael Zetterer ebenfalls eine Thematik, die bisher beide Torhüter verunsichert hat und daher nach aktuellem Stand beide beschädigt aus der laufenden Saison gehen werden. Auch Luis Enrique steuert auf ein ähnliches Problem zu, wenn die Leistungen seiner Torhüter, aktuell insbesondere von Matvej Safonov, schwankend ausfallen sollten. Dabei scheint der Coach von PSG einen Drang dazu zu haben, seinen Torhütern nicht das vollste Vertrauen schenken zu wollen. Noch geht es gut, doch ob er weiterhin mit dieser Methode Erfolge feiern kann, liegt nicht in erster Linie in seiner Hand.
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