Beide Torhüter waren nicht schuldlos an der Gegentor-Flut
Man kann bei der gesamten Misere in der Defensive auch die Torhüter nicht außer Acht lassen. Statistisch betrachtet hätten die Hessen in den 15 Bundesliga-Partien 20 Gegentore hinnehmen müssen, was auch eine eher hohe Anzahl gewesen wäre. Tatsächlich aber waren es in der Bundesliga allein 30 Gegentore. Somit haben die Frankfurter 10 Gegentreffer mehr als erwartbar gewesen wäre kassiert. Beide Torhüter haben bisher nicht wirklich glänzen können. Während Santos lediglich eine Abwehrquote von 38 % vorweisen kann, liegt Zetterer immerhin bei 58 %. Gute Werte über einen längeren Zeitraum liegen aber teilweise deutlich über 60 %.
Darüber hinaus ist auffällig, dass Zetterer immer wieder Probleme bei hohen Bällen hat und in seinen Einsätzen lediglich acht Flanken abzufangen versuchte, wovon er immerhin sieben Hereingaben sichern konnte. Santos hingegen agiert deutlich risikofreudiger bei Flanken und versucht diese auch eher hoch abzufangen. Hierbei fehlte ihm sowohl in der letzten als auch in dieser Spielzeit das Timing, sodass er mitunter noch Lehrgeld bezahlte. Dies ist im Allgemeinen noch in seinem Spiel zu beobachten. Gleichzeitig aber zeigte der 1,98 m große Torhüter bei seiner Körpergröße eine außergewöhnliche Dynamik und deutete ein riesiges Potenzial an.
Nach seiner Verletzung fehlte dem Brasilianer aber noch die Routine. Er wirkte bisweilen noch mit sich selbst beschäftigt – die Automatismen griffen noch nicht richtig ineinander. Auch war der Abwehr anzumerken, dass man noch nicht ganz auf Santos abgestimmt war. Der Torhüter hingegen strahlte auch auf seine Vorderleute keine Sicherheit aus. Auch aus diesem Grund wurde der Tausch hin zu Zetterer vollzogen, doch auch mit dem ehemaligen Bremer agierte die Defensive nicht stabiler. Mit etwas Abstand zu dieser Entscheidung muss sich Toppmöller den Vorwurf gefallen lassen, dass der Torwart-Wechsel zurück zu Zetterer sich nicht bezahlt gemacht hat. Dadurch gab es an prominenterer Stelle bereits die Aufforderung, wieder auf Kaua Santos zu setzen. Zu sehen und zu hören war dies im HR-YouTube-Format "Fußball 2000". In Fankreisen hat dieses Format in den letzten Jahren eine gewisse Beachtung gefunden.
Wie geht es nach der Winterpause weiter?
Nach der Winterpause könnte durchaus ein erneutes Umdenken stattfinden, denn so hätte man noch einmal ein wenig mehr Zeit, in den Wechsel auf der Torhüter-Position zu investieren. Ähnliches war in der vergangenen Saison beim FC Augsburg zu beobachten. So spielte nach der Winterpause der zuvor degradierte Finn Dahmen statt des Neuzuganges Nedeljko Labrović. Dahmen konnte sich in den folgenden Monaten mit starken Leistungen bis in den Dunstkreis der deutschen Nationalmannschaft spielen.
Ein weiterer Transfer auf der Torwart-Position ist derzeit nicht angedacht. Zum einen gibt es noch genügend andere Baustellen im Kader, die in der winterlichen Transferperiode behoben werden müssen. Zum anderen hat man im Klub immer noch ausreichendes Vertrauen in Zetterer und Santos. In der vergangenen Saison konnte man sich in der Crunchtime noch auf Kevin Trapp verlassen, der zuvor aber eben auch nicht mehr unumstritten war und von Santos in dieser Saison endgültig verdrängt werden sollte. Jener Trapp wechselte nach Frankreich zum Paris FC. Dort war er zwar zunächst als klare, erfahrene Nummer 2 eingeplant, doch spielt er nunmehr deutlich regelmäßiger, wenngleich er nicht in jedem Ligue-1-Spiel zum Einsatz kommt.
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