Das Torwart- und Fußballportal
  TORWART.DE ONLINE-SHOP Torwarthandschuhe von adidas, Reusch, Uhlsport, NIKE, Puma, Jako, Derbystar, Erima, Sells, Selsport, Storelli, McDavid, Under Armour, Lotto, TW1!
torwart.de-Shop:Torwarthandschuhe, Torwartausrüstung
torwart.de-Shop:Torwarthandschuhe, Torwartausrüstung
 


Home > Magazin > torwart.de-kompakt 25/26 > Bundesliga > Eintracht Frankfurt: Unruhe auf der Torwart-Position

Eintracht Frankfurt: Unruhe auf der Torwart-Position

Anspruch und Wirklichkeit – Warum die Adlerträger defensiv keine Ruhe finden

Autor: T. Rübe - 29.12.2025

Die Frankfurter Eintracht war in den vergangenen Jahren immer wieder eine positive Überraschung in der Bundesliga. Der dritte Tabellenplatz in der abgelaufenen Saison und die damit einhergehende direkte Qualifikation zur Champions League war der Höhepunkt der Entwicklung, wenn man den Gewinn der Europa League in dieser Betrachtung herauslässt. In dieser Saison aber kommen die Adlerträger nicht so richtig ins Rollen. Ein 7. Platz nach 15 Spielen mit 25 Punkten wird von vielen Fans und auch einigen Beobachtern im Umfeld eher kritisch gesehen. Die Entlassung von Cheftrainer Dino Toppmöller wird bereits seit Wochen immer wieder gefordert.

Objektiv betrachtet gibt Tabellenplatz 7 für eine Entlassung des Cheftrainers keinen Grund, wenn man von einem Bundesliga-Klub außerhalb der großen vier Vereine spricht. Aber es gibt Zahlen, die durchaus alarmierend sind. Zwar bieten die Hessen einen starken Angriff mit 30 eigenen Treffern, doch hat man ebenso viele Gegentore hinnehmen müssen. In dieser Statistik liegt die Eintracht auf Rang 17, nur der 1. FC Heidenheim musste mehr Gegentreffer hinnehmen. Im Fokus steht daher die Defensive – inklusive der Torhüter.

Wechselspiel zwischen Zetterer und Santos

Kurz vor dem Bundesliga-Start verpflichtete man Michael Zetterer von Werder Bremen als Reaktion auf den Weggang von Klub-Ikone Kevin Trapp. Die Losung für den neuen Torwart war klar: Zetterer sollte so lange spielen, bis Kaua Santos sich vollständig von seinem Kreuzbandriss erholt hat und dieser dann als neuer Stammtorhüter übernehmen sollte. Durch teilweise spektakuläre Spiele in der vergangenen Saison hatte sich der 22-Jährige zu einem der spannendsten Torwart-Talente entwickelt. Trotz der Verletzung war Manchester United im Sommer bereit, rund 35 Millionen Euro als Ablösesumme zu zahlen, doch der Brasilianer wollte sich in Frankfurt weiterentwickeln. Am 4. Spieltag feierte Santos sein Saison-Debüt im Heimspiel gegen Union Berlin und prompt verlor die Eintracht mit 3:4. Es folgte ein spektakuläres 6:4 in Mönchengladbach, eine 0:3-Niederlage gegen Bayern München und ein Unentschieden gegen den SC Freiburg. In diesen Partien kassierte Santos 13 Gegentore und zeigte selbst auch den einen oder anderen Patzer. So kostete er gegen den SC Freiburg spät den Sieg, als er sich denkbar ungeschickt bei einem Freiburger Freistoß verhielt und der Treffer dem Keeper zuzuschreiben war. Zusätzlich zu den Bundesliga-Spielen kam noch ein Spiel in der Champions League, welches man in Madrid gegen Atletico mit 1:5 verloren hatte.

Das Spiel in Freiburg war bisher das letzte Spiel von Santos. Danach fühlte sich Toppmöller veranlasst, auf der Torwart-Position einen Wechsel vorzunehmen und setzte wieder auf Zetterer, der vor der Saison eigentlich als spielstarke Nummer 2 gekommen war. Das erste Spiel mit Zetterer als vollständige Nummer 1 im Heimspiel in der Champions League gegen den Liverpool FC ging ebenso mit 1:5 verloren. In den weiteren 12 Partien mit Zetterer im Tor gelangen vier weiße Westen bei aber insgesamt auch 17 Gegentoren. Für den Klub mit mittlerweile gehobenen Ansprüchen ist diese Zahl erschreckend. Ein völliges Debakel erlebte man am 13. Spieltag, als man mit 0:6 in Leipzig unterging.

Auffällig ist die Art und Weise, wie die Flut an Gegentoren jeweils zustande kommt. Während die Hessen trotz robuster und auch teilweise hünenhafter Verteidiger immer wieder nach hohen Hereingaben Gegentore verzeichnen müssen, häufen sich auch in einem absurd hohen Maße die individuellen Fehler in der Verteidigung. Jüngstes Beispiel war das Gegentor beim Remis (1:1) in Hamburg gegen den HSV, als Collins am eigenen Strafraum einen eklatanten Fehlpass in die Füße von Lokonga spielte und dieser einschießen konnte.

Beide Torhüter waren nicht schuldlos an der Gegentor-Flut

Man kann bei der gesamten Misere in der Defensive auch die Torhüter nicht außer Acht lassen. Statistisch betrachtet hätten die Hessen in den 15 Bundesliga-Partien 20 Gegentore hinnehmen müssen, was auch eine eher hohe Anzahl gewesen wäre. Tatsächlich aber waren es in der Bundesliga allein 30 Gegentore. Somit haben die Frankfurter 10 Gegentreffer mehr als erwartbar gewesen wäre kassiert. Beide Torhüter haben bisher nicht wirklich glänzen können. Während Santos lediglich eine Abwehrquote von 38 % vorweisen kann, liegt Zetterer immerhin bei 58 %. Gute Werte über einen längeren Zeitraum liegen aber teilweise deutlich über 60 %.

Darüber hinaus ist auffällig, dass Zetterer immer wieder Probleme bei hohen Bällen hat und in seinen Einsätzen lediglich acht Flanken abzufangen versuchte, wovon er immerhin sieben Hereingaben sichern konnte. Santos hingegen agiert deutlich risikofreudiger bei Flanken und versucht diese auch eher hoch abzufangen. Hierbei fehlte ihm sowohl in der letzten als auch in dieser Spielzeit das Timing, sodass er mitunter noch Lehrgeld bezahlte. Dies ist im Allgemeinen noch in seinem Spiel zu beobachten. Gleichzeitig aber zeigte der 1,98 m große Torhüter bei seiner Körpergröße eine außergewöhnliche Dynamik und deutete ein riesiges Potenzial an.

Nach seiner Verletzung fehlte dem Brasilianer aber noch die Routine. Er wirkte bisweilen noch mit sich selbst beschäftigt – die Automatismen griffen noch nicht richtig ineinander. Auch war der Abwehr anzumerken, dass man noch nicht ganz auf Santos abgestimmt war. Der Torhüter hingegen strahlte auch auf seine Vorderleute keine Sicherheit aus. Auch aus diesem Grund wurde der Tausch hin zu Zetterer vollzogen, doch auch mit dem ehemaligen Bremer agierte die Defensive nicht stabiler. Mit etwas Abstand zu dieser Entscheidung muss sich Toppmöller den Vorwurf gefallen lassen, dass der Torwart-Wechsel zurück zu Zetterer sich nicht bezahlt gemacht hat. Dadurch gab es an prominenterer Stelle bereits die Aufforderung, wieder auf Kaua Santos zu setzen. Zu sehen und zu hören war dies im HR-YouTube-Format "Fußball 2000". In Fankreisen hat dieses Format in den letzten Jahren eine gewisse Beachtung gefunden.

Wie geht es nach der Winterpause weiter?

Nach der Winterpause könnte durchaus ein erneutes Umdenken stattfinden, denn so hätte man noch einmal ein wenig mehr Zeit, in den Wechsel auf der Torhüter-Position zu investieren. Ähnliches war in der vergangenen Saison beim FC Augsburg zu beobachten. So spielte nach der Winterpause der zuvor degradierte Finn Dahmen statt des Neuzuganges Nedeljko Labrović. Dahmen konnte sich in den folgenden Monaten mit starken Leistungen bis in den Dunstkreis der deutschen Nationalmannschaft spielen.

Ein weiterer Transfer auf der Torwart-Position ist derzeit nicht angedacht. Zum einen gibt es noch genügend andere Baustellen im Kader, die in der winterlichen Transferperiode behoben werden müssen. Zum anderen hat man im Klub immer noch ausreichendes Vertrauen in Zetterer und Santos. In der vergangenen Saison konnte man sich in der Crunchtime noch auf Kevin Trapp verlassen, der zuvor aber eben auch nicht mehr unumstritten war und von Santos in dieser Saison endgültig verdrängt werden sollte. Jener Trapp wechselte nach Frankreich zum Paris FC. Dort war er zwar zunächst als klare, erfahrene Nummer 2 eingeplant, doch spielt er nunmehr deutlich regelmäßiger, wenngleich er nicht in jedem Ligue-1-Spiel zum Einsatz kommt.


Kommentare (0)

Keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

© 1999-2026 torwart.de - Impressum

TIP A FRIEND SITEMAP TORWART.DE _Sitemap _oben

Um unsere Website laufend zu verbessern, verwenden wir Cookies. Durch die Nutzung dieser Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Infos