Allerdings darf man dabei nicht außer Acht lassen, dass Sepp Maier, seinerseits Weltmeister 1974 und langjährige Bayern-Ikone, noch vor dem Rückspiel forderte, dass Neuer doch zurückkehren solle, da er nach wie vor der beste deutsche Torwart wäre. Darüber hinaus kritisierte er Bundestrainer Nagelsmann für seinen Umgang mit dem Torhüter stark. Vielmehr wollte Maier aus den Äußerungen Neuers heraushören, dass er dies nur öffentlich sagen würde, seine innere Haltung aber eine andere wäre und allein der Bundestrainer es zu verantworten habe, dass er aus der Nationalmannschaft zurückgetreten sei. Das zeigt wiederum, dass auch die Äußerung des Bayern-Kapitäns keine wirkliche Ruhe in das Thema bringen konnte. Gleichzeitig zeigt es aber auch, dass sich einige verdiente ehemalige Spieler und auch Weltmeister jetzt verstärkt zu dem Torwart-Thema in der deutschen Nationalmannschaft geäußert haben, obwohl dies offenkundig gar kein Thema sein sollte. Auch die Protagonisten wollten das Thema als solches gar nicht verstanden wissen. Vielmehr waren es viele dieser Experten, die so noch einmal Aufmerksamkeit bekamen, um erneut ein Thema aufzumachen, was eigentlich gar keines mehr sein sollte.
Ebenso muss dabei beachtet werden, dass Neuer in dieser Saison geradezu menschlich wirkt. Das bedeutet: Der Torwart zeigt gewisse Schwankungen in seinen Leistungen. Natürlich war die Leistung in Madrid absolut herausragend – eine tatsächliche Weltklasse-Leistung. Natürlich ist diese Leistung als solche eines Manuel Neuers würdig. Es darf aber nicht vergessen werden, dass Neuer sowohl in dem Spiel vor dem Hinspiel gegen Freiburg ein Gegentor verursachte als auch jetzt eben gegen Real Madrid zwei Gegentore verschuldete. Darüber hinaus gab es auch noch weitere Beispiele in dieser Saison, in denen der Torhüter eben nicht vollends fehlerfrei agierte. Auch gegen Union Berlin, was beispielsweise in einem Unentschieden endete, hatte der Keeper eine Aktie an den Gegentoren. Der Torwart zeigt mittlerweile gerade in dieser Saison eine gewisse konstante Inkonstanz. Fantastische Leistungen reihen sich ebenso aneinander wie technische Unzulänglichkeiten oder auch andere Fehler, die zu Gegentoren führen. Das bedeutet natürlich nicht, dass Neuer als solcher nicht mehr der starke Torhüter ist. Aber er kann nicht mehr über einen langen Zeitraum auf diesem konstant überragenden Niveau agieren, was mit 40 Jahren auch allzu logisch ist.
Das größte Problem an der jetzigen Situation, das allein von vielen Experten und auch von den Medien ausging, ist der Umstand, dass mit den ganzen Diskussionen um Manuel Neuer die neue Nummer 1, Oliver Baumann, sukzessive geschwächt wird. Seine Leistungen werden gar nicht gewürdigt, was er bereits gegenüber dem Kicker vorsichtig andeutete. Die deutsche Nummer 1 verdient die Rückendeckung aus dem eigenen Land. Kurioserweise wurde dies in der Vergangenheit immer dann auch gefordert, wenn Neuer gegenüber Marc-André ter Stegen in gewisser Weise zur Disposition stand. Medial aber wurde immer wieder Manuel Neuer in den Mittelpunkt gerückt, weil es noch einmal besondere Aufmerksamkeit bedeutete – sowohl für die Medien als auch für all die lautstarken Forderer. Auf seinem Rücken wurde versucht, Aufmerksamkeit, Relevanz und im Zweifelsfall auch Geld zu generieren. Dies wird vor allem jetzt aber niemandem gerecht – weder Neuer noch der Nationalmannschaft oder Oliver Baumann.
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