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Wieso die Diskussionen um Manuel Neuer kritisch zu betrachten sind

Licht und Schatten: Neuers Achterbahnfahrt gegen Real Madrid

Autor: T. Rübe - 19.04.2026

Der FC Bayern München ist mit beziehungsweise trotz Manuel Neuer in das Halbfinale der Champions League eingezogen. Dabei sind beide Formulierungen absolut zutreffend. Während der 40-Jährige noch am Dienstag vor einer Woche eine fantastische Leistung ablieferte und damit überhaupt erst den Grundstein für eine komfortable Situation im Rückspiel legte, riss er vieles davon am Mittwoch bereits nach wenigen Sekunden wieder ein.

Im Spielaufbau wollte der Torwart einen Ball nach rechts zu Stanisic spielen, traf den Ball aber nicht richtig und übersah überdies auch noch Arda Güler, der letztlich diesen – wie Neuer selbst sagte – "Schweineball" abfing und aus 30 Metern in das nunmehr leere Tor schoss. Das Gegentor ging dabei vollkommen allein auf Manuel Neuer zurück. Auch nach einer knappen weiteren halben Stunde sah der Kapitän der Bayern abermals mehr als nur unglücklich aus. Wieder war es Güler, der jetzt einen Freistoß aus leicht rechts versetzten 21 Metern Torentfernung über die Mauer hinweg in die rechte Ecke des Tores setzte. Neuer machte zuvor noch einen Zwischensprung und hatte anschließend das Gewicht auf dem ballfernen Fuß, was bereits ein erheblicher Nachteil war. Darüber hinaus machte der Keeper anschließend einen Kreuzschritt ohne jegliche Raumgewinnung, und auch der Abdruck war nicht mehr optimal. Ebenso wenig erfolgte eine vollkommene Körperstreckung. So berührte er zwar noch mit der vollen Handfläche den Ball, konnte aber den Einschlag nicht mehr verhindern. Somit gingen zwei Gegentore direkt auf das Konto von Manuel Neuer.

Damit zeigte der Torwart in den beiden Spielen gegen Real Madrid die volle Bandbreite dessen, was man bei Neuer in dieser Saison erleben kann. Zweifelsohne zeigte der Keeper im Hinspiel in Madrid eine absolute Weltklasse-Leistung. Im Rückspiel jedoch war davon nur wenig zu sehen. Die beste Aktion hatte der Torwart nach rund 55 Minuten, als er einen starken Reflex gegen Mbappé zeigte. Dennoch muss man festhalten, dass der Keeper im Rückspiel bei weitem nicht an sein Leistungsmaximum heranreichte. Das allein wäre zwar durchaus bemerkenswert, aber insofern weniger problematisch, als die Bayern dennoch das Halbfinale der Champions League erreichten.

Was das Ganze wiederum prekär macht, ist der Umstand, dass Neuer nach dem Hinspiel von vielen Seiten inbrünstig in das Tor der deutschen Nationalmannschaft zurückgeschrieben beziehungsweise geredet wurde. Abhilfe schaffte dabei noch nicht einmal das klare Statement des Torhüters, der wiederholt den Rücktritt vom Rücktritt aus der Nationalmannschaft ausschloss. Besonders heikel hierbei ist allerdings der Umstand, dass nicht nur viele Medien Neuer zurückschreiben wollten, sondern vielmehr auch einige der sogenannten deutschen Fußball-Experten vehement die Rückkehr des Torhüters in die Nationalmannschaft forderten und ihn dabei auch als konsequente Nummer 1 sahen. Natürlich wäre es dabei nur logisch, dass Neuer, sollte er in die Nationalmannschaft zurückkehren, dies auch als Stammtorwart tun sollte, denn einen derartigen Keeper kann man kaum als Nummer 2 in ein Turnier gehen lassen, wenn die derzeitige Nummer 1 Oliver Baumann heißt. Dabei sollte das nicht als despektierlich gegenüber dem 35-jährigen Torhüter der TSG 1899 Hoffenheim verstanden werden. Dieser spielt wiederholt eine konstant starke Saison, besitzt aber nicht die Aura Neuers. Dennoch ist es vollkommen richtig, dass Baumann auch als Stammtorhüter von Julian Nagelsmann für die WM bereits weitestgehend bestätigt wurde, sofern sich dieser nicht noch einmal vor dem Turnier verletzen sollte.

Dies analysierte auch DAZN-Experte Sami Khedira in der Vorberichterstattung zum Rückspiel der Bayern vor heimischer Kulisse gegen Real Madrid. Gleichzeitig schaffte es DAZN aber auch, das Thema Manuel Neuer regelrecht über eine Stunde aufzubauen. Der Torwart selbst konterkarierte dies dann bereits nach 40 Sekunden mit seinem Fehler zum 0:1. Darüber hinaus lassen sich jetzt keine Stimmen vernehmen, die Neuer nun erneut als Nummer 1 für die WM sehen. Natürlich könnte man sagen, dass es daran liegt, dass sich der Torwart erneut dagegen ausgesprochen hat und bekräftigte, dass er für die WM im Sommer nicht zur Verfügung stünde.

Allerdings darf man dabei nicht außer Acht lassen, dass Sepp Maier, seinerseits Weltmeister 1974 und langjährige Bayern-Ikone, noch vor dem Rückspiel forderte, dass Neuer doch zurückkehren solle, da er nach wie vor der beste deutsche Torwart wäre. Darüber hinaus kritisierte er Bundestrainer Nagelsmann für seinen Umgang mit dem Torhüter stark. Vielmehr wollte Maier aus den Äußerungen Neuers heraushören, dass er dies nur öffentlich sagen würde, seine innere Haltung aber eine andere wäre und allein der Bundestrainer es zu verantworten habe, dass er aus der Nationalmannschaft zurückgetreten sei. Das zeigt wiederum, dass auch die Äußerung des Bayern-Kapitäns keine wirkliche Ruhe in das Thema bringen konnte. Gleichzeitig zeigt es aber auch, dass sich einige verdiente ehemalige Spieler und auch Weltmeister jetzt verstärkt zu dem Torwart-Thema in der deutschen Nationalmannschaft geäußert haben, obwohl dies offenkundig gar kein Thema sein sollte. Auch die Protagonisten wollten das Thema als solches gar nicht verstanden wissen. Vielmehr waren es viele dieser Experten, die so noch einmal Aufmerksamkeit bekamen, um erneut ein Thema aufzumachen, was eigentlich gar keines mehr sein sollte.

Ebenso muss dabei beachtet werden, dass Neuer in dieser Saison geradezu menschlich wirkt. Das bedeutet: Der Torwart zeigt gewisse Schwankungen in seinen Leistungen. Natürlich war die Leistung in Madrid absolut herausragend – eine tatsächliche Weltklasse-Leistung. Natürlich ist diese Leistung als solche eines Manuel Neuers würdig. Es darf aber nicht vergessen werden, dass Neuer sowohl in dem Spiel vor dem Hinspiel gegen Freiburg ein Gegentor verursachte als auch jetzt eben gegen Real Madrid zwei Gegentore verschuldete. Darüber hinaus gab es auch noch weitere Beispiele in dieser Saison, in denen der Torhüter eben nicht vollends fehlerfrei agierte. Auch gegen Union Berlin, was beispielsweise in einem Unentschieden endete, hatte der Keeper eine Aktie an den Gegentoren. Der Torwart zeigt mittlerweile gerade in dieser Saison eine gewisse konstante Inkonstanz. Fantastische Leistungen reihen sich ebenso aneinander wie technische Unzulänglichkeiten oder auch andere Fehler, die zu Gegentoren führen. Das bedeutet natürlich nicht, dass Neuer als solcher nicht mehr der starke Torhüter ist. Aber er kann nicht mehr über einen langen Zeitraum auf diesem konstant überragenden Niveau agieren, was mit 40 Jahren auch allzu logisch ist.

Das größte Problem an der jetzigen Situation, das allein von vielen Experten und auch von den Medien ausging, ist der Umstand, dass mit den ganzen Diskussionen um Manuel Neuer die neue Nummer 1, Oliver Baumann, sukzessive geschwächt wird. Seine Leistungen werden gar nicht gewürdigt, was er bereits gegenüber dem Kicker vorsichtig andeutete. Die deutsche Nummer 1 verdient die Rückendeckung aus dem eigenen Land. Kurioserweise wurde dies in der Vergangenheit immer dann auch gefordert, wenn Neuer gegenüber Marc-André ter Stegen in gewisser Weise zur Disposition stand. Medial aber wurde immer wieder Manuel Neuer in den Mittelpunkt gerückt, weil es noch einmal besondere Aufmerksamkeit bedeutete – sowohl für die Medien als auch für all die lautstarken Forderer. Auf seinem Rücken wurde versucht, Aufmerksamkeit, Relevanz und im Zweifelsfall auch Geld zu generieren. Dies wird vor allem jetzt aber niemandem gerecht – weder Neuer noch der Nationalmannschaft oder Oliver Baumann.


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