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VfB-Torwartfrage nach Nübel: Wackelt der Seimen-Plan – oder öffnet sich gerade die ideale Entwicklungschance?

Werden die Karten nach dem Aufstieg von Paderborn nochmals neu gemischt?

Autor: M. Schäfer - 26.05.2026

Die Torwartfrage beim VfB Stuttgart entwickelt sich zu einem der spannendsten Themen dieses Transfersommers. Mit dem absehbaren Abschied von Alexander Nübel verliert der VfB nicht nur seine Nummer eins, sondern auch einen perfekt zum System passenden Keeper. Lange deutete vieles darauf hin, dass Dennis Seimen perspektivisch in diese Rolle hineinwachsen soll. Doch inzwischen verdichten sich die Hinweise, dass die Verantwortlichen intensiv externe Lösungen prüfen. Die entscheidende Frage lautet: Ist der Zeitpunkt bereits gekommen, um einem jungen Keeper die Nummer eins bei einem Champions-League-Teilnehmer anzuvertrauen? Seit Montagabend gibt es in dieser Diskussion plötzlich eine hochinteressante Variante.

Der SC Paderborn hat sich mit einem 2:1-Erfolg nach Verlängerung gegen den VfL Wolfsburg den Aufstieg in die Bundesliga gesichert. Damit entsteht für den VfB eine Option mit viel sportlichem Charme: Seimen könnte für eine weitere Saison ausgeliehen werden – diesmal allerdings im Oberhaus, was für die Entwicklung des jungen Torhüters extrem spannend wäre.

Aus Torwartsicht steht das Talent des Heilbronners außer Frage. Seimen gilt als eines der interessantesten deutschen Nachwuchstalente. In der VfB-Torwartschule von Steffen Krebs modern ausgebildet, verfügt er über starke physische Voraussetzungen, eine gute Raumpräsenz und eine enorme Stärke im Mitspiel mit dem linken Fuß. Sein Profil passt ideal zum ballbesitzorientierten System von Spitzenteams. Die Frage ist daher nicht, ob er Bundesliga-Qualität besitzt, sondern ob der direkte Sprung zum VfB-Stammtorwart zum jetzigen Zeitpunkt richtig wäre.

Die Anforderungen in Stuttgart sind enorm gestiegen. Ein Keeper im System von Sebastian Hoeneß benötigt weit mehr als reine Shot-Stopping-Qualitäten: Gefordert sind ein sicheres Aufbauspiel unter Pressingdruck, mutige Raumverteidigung hinter einer hohen Linie und eine geringe Fehleranfälligkeit auf Topniveau. Da die Entwicklung junger Torhüter selten linear verläuft, benötigt Seimen Spielpraxis und echte Verantwortung. Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung sehen das sportliche Führungstrio um Hoeneß, Fabian Wohlgemuth und Christian Gentner hier offenbar ein erhebliches Risiko. Für die kommende Saison sei es zu gewagt, einen 20-Jährigen ohne Bundesligaerfahrung direkt zur Nummer eins zu machen.

Dass beim VfB deshalb parallel auch externe Optionen diskutiert werden, erscheint aus sportlicher Sicht nachvollziehbar. Zu den zuletzt genannten Kandidaten zählen unter anderem Finn Dahmen vom FC Augsburg und Noah Atubolu vom SC Freiburg – zwei Bundesliga-Torhüter mit Erfahrung auf hohem Niveau und Profilen, die grundsätzlich gut zu den Anforderungen eines ambitionierten Teams passen könnten. Darüber hinaus könnte auch Bernd Leno eine besonders interessante Lösung darstellen. Der frühere Nationaltorhüter wurde bekanntlich beim VfB Stuttgart ausgebildet, bevor er über Bayer Leverkusen den Sprung in die Premier League schaffte. Leno würde ein Paket mitbringen, das kaum Fragen offenlässt: Bundesliga-Erfahrung, internationales Niveau, Führungsqualität, Mitspielstärke und große Routine unter Druck. Zugleich hätte eine mögliche Rückkehr auch eine emotionale Komponente. Ein beim VfB groß gewordener Torwart als Nachfolger von Alexander Nübel würde sportliche Qualität und Vereinsidentifikation verbinden. Allerdings dürfte ein solches Szenario sowohl finanziell als auch hinsichtlich der Realisierbarkeit anspruchsvoll werden. Leno hat noch einen Vertrag bei Fulham bis 2027 und verdient an die 8 Millionen Euro pro Jahr.

Was für die Schwaben allerdings dennoch denkbar wäre, ist eine dritte Leihe des nun seit 2023 im Ländle spielenden Nübels. Noch in dieser Woche wolle man sich laut Sky-Reporter Florian Plettenberg zusammensetzen, um einen möglichen Nübel-Verbleib zu diskutieren. Eine Entscheidung ist aber höchstwahrscheinlich in den nächsten Tagen noch nicht zu erwarten – auch weil die Chancen auf eine erneute Leihe sehr gering sind. Klar ist aber: Findet der FC Bayern München nicht den passenden Abnehmer für Nübel, könnte das Thema VfB-Leihe auch an der Säbener Straße noch einmal attraktiv werden.

Und genau hier wird der Bundesliga-Aufstieg des SCP interessant. Denn aus Sicht der Torwartentwicklung könnte eine weitere Leihe nach Paderborn fast eine ideale Zwischenstufe darstellen. Ein Aufsteiger wird voraussichtlich große Teile der Saison in einer Underdog-Rolle verbringen. Für einen Torhüter bedeutet das häufig ein völlig anderes Anforderungsprofil als bei einem Champions-League-Teilnehmer: Mehr Druckphasen, mehr Abschlüsse und mehr Situationen, in denen der Keeper Spiele aktiv mitentscheiden muss. Gerade in Bereichen wie Torverteidigung, Strafraumbeherrschung, defensive Organisation, Entscheidungsverhalten und Führungsverantwortung können junge Torhüter in einem solchen Umfeld enorme Entwicklungsschritte machen.

Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Punkt: Seimen könnte dort nicht als Perspektivspieler oder Backup agieren, sondern möglicherweise als echte Nummer eins in der Bundesliga. Und genau diese Erfahrung lässt sich kaum simulieren. Aber vielleicht liegt genau darin ein entscheidender Entwicklungsvorteil. Viele etablierte Bundesliga-Torhüter haben ihre prägendsten Karriereschritte nicht zuerst bei europäischen Spitzenteams gemacht, sondern in Mannschaften, in denen sie unter hoher Belastung lernen mussten, Verantwortung zu übernehmen, Spiele offen zu halten und sich als Führungsspieler zu entwickeln. Gute Beispiele sind Manuel Neuer bei Schalke 04 und Oliver Kahn, der erst mit 24 zu den Bayern wechselte und zuvor lange beim Karlsruher SC in der Bundesliga spielte.

Die Diskussion um Dennis Seimen sollte deshalb nicht vorschnell auf die einfache Frage „interne Lösung oder externer Neuzugang?“ reduziert werden. Es geht vielmehr um den richtigen Entwicklungspfad. Ein direkter Einstieg als VfB-Nummer eins wäre mutig und könnte enormes Potenzial freisetzen. Gleichzeitig würde er einen jungen Torwart sofort in ein Umfeld mit maximalem Leistungsdruck stellen. Eine weitere Saison in Paderborn – nun auf Bundesliga-Niveau – könnte dagegen genau jene Entwicklungsstufe bieten, die viele Torhüter auf dem Weg zum Spitzenniveau benötigen.


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