Aus Torwartsicht steht das Talent des Heilbronners außer Frage. Seimen gilt als eines der interessantesten deutschen Nachwuchstalente. In der VfB-Torwartschule von Steffen Krebs modern ausgebildet, verfügt er über starke physische Voraussetzungen, eine gute Raumpräsenz und eine enorme Stärke im Mitspiel mit dem linken Fuß. Sein Profil passt ideal zum ballbesitzorientierten System von Spitzenteams. Die Frage ist daher nicht, ob er Bundesliga-Qualität besitzt, sondern ob der direkte Sprung zum VfB-Stammtorwart zum jetzigen Zeitpunkt richtig wäre.
Die Anforderungen in Stuttgart sind enorm gestiegen. Ein Keeper im System von Sebastian Hoeneß benötigt weit mehr als reine Shot-Stopping-Qualitäten: Gefordert sind ein sicheres Aufbauspiel unter Pressingdruck, mutige Raumverteidigung hinter einer hohen Linie und eine geringe Fehleranfälligkeit auf Topniveau. Da die Entwicklung junger Torhüter selten linear verläuft, benötigt Seimen Spielpraxis und echte Verantwortung. Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung sehen das sportliche Führungstrio um Hoeneß, Fabian Wohlgemuth und Christian Gentner hier offenbar ein erhebliches Risiko. Für die kommende Saison sei es zu gewagt, einen 20-Jährigen ohne Bundesligaerfahrung direkt zur Nummer eins zu machen.
Dass der VfB parallel externe Optionen diskutiert, ist daher nachvollziehbar. Zu den gehandelten Kandidaten zählen Finn Dahmen (FC Augsburg) und Noah Atubolu (SC Freiburg) – zwei Bundesliga-Torhüter mit Erfahrung. Eine besonders emotionale und hochkarätige Lösung wäre zudem Bernd Leno. Der frühere Nationaltorhüter wurde beim VfB ausgebildet und bringt von Fulham internationale Klasse sowie große Routine mit. Allerdings dürfte dieses Szenario finanziell und vertraglich extrem schwer realisierbar sein.
Genau hier wird der Paderborner Aufstieg interessant. Eine weitere Leihe zum SCP könnte die ideale Zwischenstufe sein. Als Aufsteiger gerät man häufiger unter Druck, was für einen Torhüter mehr Abschlüsse, mehr Strafraumbeherrschung und mehr Gelegenheiten zur Torverteidigung bedeutet. Seimen könnte dort als echte Nummer eins in der Bundesliga reifen und lernen, Spiele aktiv mitzuentscheiden. Historische Beispiele wie Manuel Neuer auf Schalke oder Oliver Kahn beim Karlsruher SC zeigen, dass genau solche Stationen unter hoher Belastung die prägendsten Karriereschritte auf dem Weg zum Spitzenniveau sind.
Kommentare (0)
Keine Kommentare vorhanden!