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"Hautnah" bei torwart.de

2.Liga-Spezial: FSV Frankfurt Nachwuchs- und Torhüterkonzeption "hautnah"

von  Tobias Schlitzke

Marcus Jahn (l.), Leitung NLZ, mit Daniel Nkini (r.), TW-Trainer NLZ

torwart.de konnte sich ausführlich mit Marcus Jahn, dem Leiter des Nachwuchsleitungszentrums des FSV Frankfurt, unterhalten. Im Interview erzählt Jahn über das Leistungszentrum und erklärt, mit welchen Problemen kleinere Vereine bei der Nachwuchsrekrutierung zu kämpfen haben, aber auch welche Chancen sich dabei ergeben. Jahn gibt dabei besonders wertvolle Tipps für junge Torhüter und ihren möglichen Karriereweg.

torwart.de: Sie arbeiten im Leistungszentrum des FSV Frankfurt. Könnten Sie uns etwas zu Ihrer Arbeit erzählen?

Marcus Jahn: Der Tätigkeitsbereich ist sehr breit gefächert und betrifft eigentlich alles, was mit dem Nachwuchsbereich zu tun hat. Für die Deutsche Fußball-Liga (DFL) und den Deutschen Fußball-Bund (DFB) bin ich der Ansprechpartner für das Nachwuchsleistungszentrum. Ich überwache den Vorgang des Zertifizierungsprozesses und leite Projekte, die mit dem Nachwuchsleistungszentrum zu tun haben. In Zusammenarbeit mit unseren Juniorentrainern stelle ich die Kader der jeweiligen Nachwuchsmannschaften auf und koordiniere die Scoutingaufträge für das NLZ. Ich bin verantwortlich für alle anfallenden administrativen Tätigkeiten und arbeite eng mit dem Geschäftsführer Sport, Uwe Stöver, der auch das Nachwuchsleistungszentrum (kommissarisch) leitet, zusammen.“

torwart.de: Wie ist das Leistungszentrum aufgebaut?

Jahn: Wie in jedem anderen Leistungszentrum der deutschen Lizenzvereine gibt es auch bei uns eine Sportliche Leitung, die die sportlichen Zielstellungen sowie die Ausbildungsphilosophie vorgibt. Das Leistungszentrum des FSV Frankfurt beschäftigt insgesamt 30 Trainer, Assistenztrainer und Teambetreuer. Hinzu kommt spezialisiertes Personal, so dass wir neben einem Torwarttrainer im NLZ auch zwei Athletiktrainer beschäftigen. Darüber hinaus befinden wir uns im Scoutingapparat momentan in der Optimierungsphase. Die Altersklassenstruktur ist bundesweit in einem Grundlagen-, Aufbau- und Leistungsbereich gegliedert.

Einmal wöchentlich finden mit den Juniorentrainern Evaluierungsgespräche statt, um immer wieder den Ist-Zustand genauer unter die Lupe nehmen zu können. Mit den gestiegenen sportlichen Zielsetzungen nehmen natürlich auch die Trainingsumfänge und – intensität zu, so dass wir im NLZ eng mit den Ärzten der Lizenzspielerabteilung zusammenarbeiten. Aber auch die Physiotherapeuten der U23 und der U19 stehen für unseren Nachwuchs bei Beschwerden jederzeit zur Verfügung.

torwart.de: Mit welchen Problemen haben Sie zu kämpfen? Der FSV ist ein relativ kleiner Verein im Vergleich zu Bundesligisten.

Jahn: Es ist doch normal, dass etablierte Bundesligisten, wie VfL Wolfsburg, Hamburger SV, Borussia Dortmund o. ä. einen Vorsprung gegenüber dem FSV in der Nachwuchsarbeit haben. Es wäre ja schlimm, wenn es nicht so wäre. Wenn man sich aber einmal verdeutlicht, wo der FSV Frankfurt mit der 1. Mannschaft noch in der Saison 2005/2006 gespielt hat, nämlich in der Oberliga Hessen, dann wird einem sehr schnell bewusst, welche rasante sportliche Entwicklung dieser Verein mit zwei hintereinander folgenden Aufstiegen bis in die 2. Fußball-Bundesliga in den letzten Jahren genommen hat.

Unsere Ziele sind mittel- bis langfristig angelegt und so machen wir in der Gestaltung und Umsetzung unserer Ansprüche sportlich wie auch infrastrukturiell einen Schritt nach dem anderen und bleiben bescheiden. Man darf hierbei auch nicht vergessen, dass wir mit Eintracht Frankfurt einen großen Konkurrenten in der Stadt haben. Nicht zu vergessen ist auch, dass der 1. FSV Mainz 05 ebenfalls sein Einzugsgebiet für Sichtungsaktivitäten ausgebaut hat.

Die Konkurrenz ist im Rhein-Main-Gebiet relativ groß und so erleichtert es unsere Arbeit nicht, dass mit dem SV Darmstadt 98 ein weiterer Verein aus Hessen in den bezahlten Fußball zurückgekehrt ist. In der abgelaufenen Saison hatten wir jedes Wochenende mehrere Scouts von anderen Bundesligisten zu unseren Juniorenspielen bei uns am Frankfurter Volksbank Stadion zu Gast. Bietet ein etablierter Verein dem gewünschten Spieler mehr Geld wie wir es können und oben drauf noch einen Internatsplatz, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass wir den Spieler verlieren. Aber auch hier haben wir einen Schritt nach vorn gemacht, so ist es uns gelungen zwei U17-Spieler, aufgrund unserer sportlichen Perspektiven und unsere besonderen Werte in der FSV-Familie, die wir den Spielern aufzeigen oder vermitteln, zu halten.

Mit dem Cheftrainer Hans-Jürgen Boysen aus dem Lizenzspielerbereich, der sich wie es die Zeit zulässt viele Spiele des FSV-Nachwuchses anschaut, sowie mit der Amateur- und Juniorenabteilung findet in diesem Bereich eine enge Verzahnung statt, so dass alle Spieler ständig unter Beobachtung stehen. Dadurch sind wir einer der wenigen Vereine, bei dem der Sprung aus dem Nachwuchsbereich oder aus der 2. Mannschaft bis zu den Profis nicht so groß ist.

Torwarttraining mit Daniel Nkini (r.)

torwart.de: Aus welchem Umkreis kommen die meisten Spieler? Nur aus dem Umkreis Frankfurt?

Jahn: Durch die jüngsten Erfolge in dieser Saison mit den vorzeitigen Hessenmeisterschaften der U17 und U15 haben wir auch überregional bei Spielern aus der gesamten Bundesrepublik, aber auch aus dem angrenzenden Ausland, wie der Schweiz und Österreich Aufmerksamkeit geweckt. Darüber hinaus haben mit Tobias Henneböle, Alexander Ujma und Markus Hofmeier drei Spieler aus der aktuellen U19 es geschafft, in der kommenden Saison 2011/2012 in den Lizenzspielerkader von Cheftrainer Hans-Jürgen Boysen aufzurücken.

Hinzu kommt, dass auch weitere U19-Spieler, wie Marc Winter, Berat Karabey und eben Tobias Henneböle vorzeitige Einsatzchancen in unserer U23-Regionalligamannschaft bekommen haben. Grundsätzlich müssen wir uns, aufgrund wirtschaftlicher Gegebenheiten, am regionalen Spielermarkt orientieren und sind wie die Ergebnisse unserer Nachwuchsmannschaften zeigen, bisher gut damit gefahren.

torwart.de: Kann der FSV im Bereich Nachwuchsarbeit eine ähnliche Rolle wie 1860 München in München spielen?

Jahn: Ich denke grundsätzlich werden die Profivereine noch mehr wie jetzt schon getan wird, auf die Nachwuchsarbeit setzen. Als kleiner Verein, wie wir es sind, ist es von großer Wichtigkeit von einer guten Nachwuchsarbeit zu profitieren. Zu einen erleichtert es bei den Fans die Identifikation mit dem Verein, wenn sie wissen da kommt jemand aus dem „eigenen Stall“, aber auch unserer wirtschaftlichen Gegebenheiten macht es Sinn auf einen guten und qualitativen Unterbau zu setzen. Auch in der kommenden Saison werden wir wieder mit dem geringsten Gesamtetat in der 2.Bundesliga antreten und versuchen wieder junge Spieler zu integrieren.

torwart.de: Ab welchem Alter lohnt es sich für Jugendspieler zu einem Profiverein zu gehen und sein häusliches Umfeld zu verlassen?

Jahn: Das kann man nicht pauschalisieren. Heutzutage spielen so viele Faktoren eine Rolle, ob ein Spieler ganz oben ankommt oder nicht. Die Erfahrung zeigt, dass es mit 15 oder 16 Jahren noch nicht zu spät sein kann, seinen Traum vom Profifußball zu verwirklichen. Bestes Beispiel ist der Mainzer Andrè Schürle, der über das DFB-Stützpunkttraining entdeckt wurde, Deutscher A-Jugendmeister mit den 05ern wurde und nun für eine sehr hohe Ablösesumme von Bayer Leverkusen große Freudebereitete.

Ich denke, dass der DFB mit seinem Ausbildungsprogramm und durch die Einführung der Leistungszentren im Jahr 2001 viele Möglichkeiten für Talente oder sogenannte Spätentwickler aufzufangen und ihnen ein Sprungbrett zu ermöglichen.

torwart.de: Kommen wir nun zu den Torhütern. Welche Philosophie verfolgt der FSV hier?

Riederer: Mit Daniel Nkini verfügen wir im NLZ über einen ausgewiesenen und engagierten Fachmann. Im Torwartbereich verfolgen wir den Ansatz bei der altersübergreifenden Ausbildung der sogenannten „Torwartfamilie – Lernen mit dem Druck gemeinsam umzugehen“. Die „Torwartfamilie“ setzt am Leitfaden eines Aufgabenfeldes der Nachwuchskonzeption an, die darauf beruht, Identifikation mit dem Verein zu schaffen.

Auch in der Torwartarbeit wurde sie mit eingebaut bzw. erweitert, da sie für diese Position sehr nützlich sein kann. Am Anfang der Woche treffen sich alle Torhüter von U15 bis U19 mit demTorwarttrainer um die Gesamtlage nach den Wochenendspielen zu besprechen. Es werden Spielsituationen aller Torhüter (nicht nur Einzelner) besprochen, gemeinsame Verbesserungen vorgenommen und beispielsweise durch Videoanalyse voneinander gelernt bzw. abgeschaut. Wichtig ist es den Torhütern zu vermitteln, dass man auf dieser Position nicht alleine dasteht, sondern immer eine Arbeitsgruppe hat, wo man mit schwierigen Spielsituationen gemeinsam umgehen und verbessern lernt.

Der Torwarttrainer achtet auf darauf, dass die älteren Torhüter (U19) den jüngeren mit ihren gesammelten Erfahrungen unterstützen – wie ein „Patensystem“. Die Erfahrung zeigt, dass die Konkurrenzschärfe rapide abnimmt und dadurch Druck in eine Art Lernsituation umwandelt. Nach dem Motto: „Wir alle sitzen in einem Boot, lasst uns gemeinsam besser werden“.

Desweiteren entstehen Vorbildfunktionen, die den jüngeren Ansporn geben besser zu werden. Bei einer nicht so guten Spielperiode kann ebenfalls der Torhüter auf die „Torwartfamilie“ zurückgreifen um Hilfe zu bekommen. „Der Pate“ besucht mit dem Torwarttrainer ein Spiel des anderen Torhüters. Der Torwarttrainer selbst ist im Leistungssektor U16 bis U19 bei Wettspielen, soweit es möglich ist, immer zugegen und beobachtet die Umsetzungen des Trainings. Darüber hinaus findet ein reger Austausch mit dem Torwarttrainer der Lizenzspielermannschaft Herrn Norbert Lorz statt. Unter der Leitung von Herr Lorz nehmen die Torhüter von der U16 bis zu der U19 an einem Fördertraining teil. Somit verschafft er sich einen Überblick über den Gesamtentwicklungsstand der Nachwuchstorhüter und bietet eine zusätzlich Motivation für die Heranwachsenden.

Im Grundlagensektor U10 wird darauf geachtet, dass alle Spieler mal im Laufe des Wettbewerbes ins Tor gehen und mehrmals im Jahr ein spezielles Torwarttraining besuchen, somit hat man die Möglichkeit, zukünftige Torhüter erst mal fußballspezifisch auszubilden, damit verbessert der später hervorgehende Torwart sein Fußballspiel und spätere Antizipationsfähigkeit. Ein Nebeneffekt wird dabei erzielt, sie lernen die „Torwartfamilie“ kennen somit entsteht ein Erstkontakt mit größeren bzw. älteren Torhütern, die eine Vorbildfunktion einnehmen.

Um entwicklungsfähige Torhüter zu sichten, veranstaltet der FSV Frankfurt einmal jährlich auf dem Vereinsgelände einen „FSV-Torwarttag“. Dieser spezielle Tag dient der Talentsichtung, wobei hier auch die eigenen Torhüter des NLZ dabei sind und die Übungen gemeinsam für die Trainingsgäste vorzeigen.

torwart.de: Gibt es auch Kontakte der Jugendkeeper mit den Profi-Torhütern?

Jahn: Einmal im Jahr findet für den Talentförderkader des FSV Frankfurt, zu dem aus den Mannschaften der U16 bis zu der U19 jeweils fünf Spieler und zwei Torhüter zählen, ein besonderes Highlight statt. Denn zusammen mit der Lizenzspielermannschaft reisen die Youngster mit ihren Vorbildern für eine Woche in der Wintervorbereitung in ein gemeinsames Trainingslager nach Mallorca. Hierbei haben die

Nachwuchsspieler die Chance ihren Lieblingsprofi beim gemeinsamen Mittagessen oder bei Trainingseinheiten hautnah zu erleben und von ihm zu lernen.

torwart.de: Welche Trainingsschwerpunkte gibt es im Bereich der Torhüter?

Jahn: In der alltäglichen Trainingseinheit zielt unsere Ausbildung für Torhüter auf sechs Bausteine ab. Diese Auszüge aus dem Trainingsbereich werden zu Anfang jeder Saison auf die jeweiligen individuellen Torhüter vor der Saisonplanung angepasst und auf möglichst jeden Torwarttyp berechnet und zugeschnitten. (ganzjährig/nach Saisonphase Prioritätenstufung)

Individualtraining:
Jedem seine Stärke gewähren (Stärken erkennen und Schwächen verbessern.). Ein Torwart der unheimliche Linienstärke hat, muss nicht unbedingt Probleme beim Mitspielen haben, der Gedanke darin ist es den Talenten darin zu bestärken ihre mitgebrachten Primärfähigkeiten, also auf Grundlage ihrer Basiskompetenz mit zusätzlichen Merkmalen der heutigen Anforderungen auszustatten und keine einheitliche Trainingslehre durchzusetzen und somit ihre Stärken verkümmern zu lassen. So entstehen Torwarttypen die individuell sind und trotzdem mit allen Anforderungen heutiger Spielformationen ausgerüstet sind.

Technik:
Ganzjährig - darin sieht man vor allem die Beinarbeit gepaart mit Koordination, Ballgefühl, Fang- und Hechtkorrekturen und die ständige Verbesserung der Fußballtechnik auf beiden Beinen, da übergreifend im Leistungsbereich, auf die Viererkette gesetzt wird und der Torwart seine aktive bzw. passive „Libero“-Position zu den Linienstärken beherrschen sollte.

Taktik:
Es folgen ganzjährige Spielsituationswiederholungen (Antizipieren nach Spielsituation bestenfalls nach einer Echtsituation beim Wettbewerbsspiel). Das erlesen eines Spielablaufes des Gegners, wiederholt sich immer wieder im Laufe einer Saison und kann durch ähnlichen Stationsbau spielnah in das Training eingebracht werden. Stellungsspiel sowie punktuelle Spielöffnung werden mitberücksichtigt.

Konzentration:
Ein schwieriges Feld, dass durch neue Trainingsprofile überarbeitet und umgesetzt wurde. Darunter Konzentration in Drucksituationen: Übungen, wie das Berechnen von Matheaufgaben während man Parallelübungen mit dem Torwarttrainer impliziert. Der Trainer gibt Aufgaben vor, während der Handlung kommen die Ergebnisse des Übenden.

Physis / Koordination:
Reaktion sowie Orientierung und Rhythmus werden angepasst auf die jeweiligen Altersanforderungen (gepaart mit Gleichgewicht).

torwart.de: Inwiefern können Sie im jugendlichen Alter bereits Leistungsunterschiede bei Torhüternfeststellen? Auf welche Bereiche legen Sie dabei Wert?

Jahn: Besonderen Wert in unserer Torwartausbildung legen wir auf torwartspezifische und allgemeine

Technik, das Stellungsspiel, schnelle Spieleröffnung und auf die Persönlichkeitsentwicklung desSpielers. Ein Spieler, der den Mut scheut wird sich selten einer 1:1-Situation im Spiel stellen.

torwart.de: Bekommen die Jugendlichen das Material wie Handschuhe gestellt und finanziert?

Jahn: Ab der U19 bekommen die Torhüter zweimal im Jahr Handschuhe gestellt. Auch sind wir bemüht eine Lösung zu finden, um unsere Torhüter noch professioneller mit in Sachen Material unterstützen zu können.

U19-Keeper Jannis Pellowski in Punktspielen im Einsatz
 

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