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Pascal Formann (VfL Wolfsburg): "In der Bundesliga zählt nur das Ergebnis"

von Marcel Schäfer


Pascal Formann ist verantwortlich für die Bundesliga-Torhüter des VfL

Pascal Formann (35) ist seit Anfang des Jahres Torwarttrainer der Profis beim VfL Wolfsburg. Zuvor arbeitete er mehrere Jahre in der Nachwuchsakademie der "Wölfe". Der ehemalige Profi durchlief selbst eine Torwartausbildung als junger Torhüter in England und spielte u.a. beim Arminia Bielefeld, 1. FC Saarbrücken und Hessen Kassel. torwart.de sprach mit Formann u.a. über seinen wichtigen Karriereschritt und wie sich die Arbeit des Torwarttrainers im Nachwuchs- und Profibereich unterscheidet.

torwart.de: Pascal, herzlichen Glückwunsch zu Deiner neuen Aufgabe als Torwarttrainer der Profis beim VfL Wolfsburg. Wie kam es dazu?

Pascal Formann: Grundsätzlich hat es sich vor längerer Zeit angebahnt. In der letzten Saison hat mich der langjährige Torwarttrainer Andreas Hilfiker immer mal wieder sporadisch dazu genommen. Da haben wir das Torwarttraining bei den Profis gemeinsam gemacht. Am Anfang war es nur einmal in der Woche, Es steigerte sich dann aber bis hin zu einer täglichen Zusammenarbeit. Ich habe dann auch angefangen, das Training zu gestalten und auch das Warmmachen bei einem Bundesligaspiel geleitet. Ab der Sommervorbereitung habe ich das Torwarttraining bei den Profis komplett übernommen. Mittlerweile arbeitet Andreas als Torwartkoordinator und ist damit Kopf sämtlicher Torhüter und Torwarttrainer im gesamten Verein. Dementsprechend bin ich jetzt sein Nachfolger als Torwarttrainer bei den Profis. Jeder hat seine eigenen Aufgabenbereiche, aber wir haben natürlich weiterhin Berührungspunkte und arbeiten sehr vertraulich und eng miteinander.

Infos zu Pascal Formann:
  • Nationalität: Deutschland
  • Geburtstag: 16.11.1982 (33)
  • Geburtsort: Werne, Deutschland
  • Vereine als Trainer:
    Charlton Athletic (Torwart-Trainer, Koordinator Torwartbereich),
    VfL Wolfsburg (Torwart-Trainer U15-U19)
  • Vereine als Speler:
    Duisburg U19, Nottingham Forest, Grantham Town FC, Arminia Bielefeld, 1.FC Saarbrücken, BV Cloppenburg, KSV Hessen Kassel
  • Größe (cm): 188

torwart.de: Du warst einige Jahre in der Akademie des VfL Wolfsburgs als Torwarttrainer tätig. Damit dürfte dir der Übergang ins Profilager auch leichter gefallen sein?

Formann: Ja, auf jeden Fall. Nach drei bis vier Jahren im Nachwuchs ist mir die Arbeit in der Akademie sicherlich ans Herz gewachsen, da ich ja auch den kompletten Torwartbereich mit aufgebaut habe. Trotzdem ist es auch jetzt noch so, dass ich viel für die Akademie mache und bei vielen Entscheidungen mit eingebunden bin. Durch das sehr gute und eingespielte Torwarttrainerteam fallen interne Wechsel deutlich leichter. Trotzdem muss ich aber auch sagen, dass ich mit viel Respekt an den neuen Job herangegangen bin. Unter der Saison ist das meist nicht so einfach. Alle müssen sich erstmal kennenlernen und sich aneinander gewöhnen. Wir haben aber sehr schnell zueinander gefunden und auch die Torhüter haben es mir sehr einfach gemacht. Der Wechsel verlief für alle reibungslos.

torwart.de: Du hast schon vor mehreren Jahren das klare Ziel geäußert, Bundesliga-Torwarttrainer werden zu wollen. Welche Bedeutung hat dieser große Karriereschritt für dich?

Formann: Erst einmal bin ich dankbar, dass der Verein mir diese Chance gegeben hat. Das ist eine Wertschätzung meiner bisherigen Arbeit, der ich aber jetzt auch erstmal gerecht werden muss. Ich muss mich auf diesem Niveau etablieren, denn ich weiß auch, wie schnell es vorbei sein kann. Die Torhüter müssen Spieltag für Spieltag ihre Leistungen bringen. Sie darauf vorzubereiten ist mein Job, alles andere kann ich nicht beeinflussen. Dass ich diese Möglichkeit so schnell bekomme, damit hatte ich aber nicht gerechnet.

Intensive Betreuung der Torhüter auch am Spieltag: Max Grün und Pascal Formann

torwart.de: Du hast jetzt schon mit internationalen Top-Torhütern zusammengearbeitet. Was ist dein bisher größter Erfahrungsschatz in den ersten Wochen und Monaten?

Formann: In der Bundesliga zählt nur das Ergebnis. Der Torwart muss optimal vorbereitet sein, so dass er sein Spiel durchbringen kann. Und man darf zusätzlich nicht die Bedürfnisse der anderen Torhüter aus den Augen verlieren. In der Akademie kann man viel mehr ausprobieren, mehr wechseln, andere Schwerpunkte setzen. Bei den Profis muss innerhalb einer Woche alles so gebündelt werden, dass die Leistung am Wochenende auf Topniveau abgerufen werden kann.

torwart.de: Du hast sicherlich ein bestimmtes Leitbild von Techniken in deinem Kopf. Wenn ein Profi sich in einem Detail davon unterscheidet, wie gehst du mit diesem Konflikt um?

Formann: Grundsätzlich war es in der Jugend so, dass man versucht hat, die bestmögliche Technik herauszuarbeiten. Im älteren Jugendbereich kann man die Techniken bei den Torhütern nicht mehr großartig verändern. Man muss versuchen, das Maximale aus diesen Techniken herauszuholen. Koen Casteels ist zum Beispiel extrem gut ausgebildet und beherrscht jede Technik in Perfektion. Er agiert technisch sehr sauber und zeigt kaum Fehlerbilder. Max Grün hat eine etwas andere Technik. Auf diesem Niveau ist es im Endeffekt aber entscheidend, dass die Jungs die Bälle halten. Da kann man in den verschiedenen Abläufen nur im Detail noch arbeiten und Tipps zu Verbesserungen geben. Jeder Torhüter muss im Endeffekt auf diesem Niveau mit seiner erlernten Technik klarkommen. Ich würde mir nicht anmaßen, die Techniken der einzelnen Profis zu ändern, aber wir diskutieren darüber.

torwart.de: Welche Rolle spielt im Abstiegskampf die mentale Kraft des Torhüters und wie kannst du darauf einwirken?

Formann: Erstmal ist es wichtig, wie der jeweilige Torhüter in der jeweiligen Drucksituation spielt. Das muss man differenziert sehen. Wenn unsere Nummer eins jede Woche Fehler um Fehler machen würde, dann bin ich gefragt. In dieser Saison bringt Koen Casteels bisher eine konstante Leistung. Mit Videoanalysen und Aktionen im Training sowie guten Szenen von vergangenen Spielen versuche ich, ihm ein gutes Gefühl zu vermitteln. Es gilt immer wieder an seinen Basics zu arbeiten, den Rhythmus des Trainings beizubehalten, ihn zu stärken und viel mit den Torhütern insgesamt zu kommunizieren. Im Endeffekt geht es immer nur um Kleinigkeiten, wie z.B. das Positionsspiel oder Schrittfolgen. Darauf beziehe ich meine Verbesserungsvorschläge. Koen ist als Torwart sowohl technisch als auch taktisch sehr komplett. Ein offener, aber auch kritischer Austausch zwischen Torwarttrainer und den Torhütern ist nötig und wichtig.

torwart.de: Die Torhüter haben sicherlich Lieblingsübungen und Abläufe. Inwiefern gehst du darauf ein und berücksichtigst die Wünsche deiner Torhüter?

Formann: Die Trainingsinhalte sind langfristig geplant und es werden nicht ständig neue Übungen und Abläufe in das Torwarttraining aufgenommen. Wichtig ist, dass in tagtäglichen Automatismen diese Dinge sitzen. Dennoch ist mir das Feedback der Torhüter zum Training wichtig. Wie gefällt dir der Umfang? Wie ist die Effektivität, der Anspruch? Was brauchst du vor dem Spiel, was benötigst du im Training? Eine ständige Kommunikation ist wichtig, um sich gegenseitig zu ergänzen.

torwart.de: Neuere Ansätze zum Torwarttraining u.a. von der DFB-Seite regen an, dass das Torwarttraining noch besser in Spiel- und Übungsformen mit den Feldspielern integriert sein sollte. Inwieweit lässt sich dieser Ansatz im Profibereich umsetzen?

Formann: Generell finde ich es gut, dass momentan seitens des DFB viel in Sachen Torwartausbildung entwickelt und kommuniziert wird. Die tägliche Realität sieht aber dennoch etwas anders aus, weil der Ablauf einfach ein komplett anderer ist. Ich habe aber auch sehr viel Freiheit in meiner Trainingsgestaltung. Ich muss die Jungs auf verschiedene Spielformen im Training vorbereiten. Ich muss sie währenddessen begleiten und arbeite dabei eng mit meinen Trainerkollegen zusammen, um für die Torhüter möglichst spielnahe Trainingsformen zu gestalten.

Pascal Formann im Trainingsmodus

torwart.de: Du hast international als Spieler und auch als Trainer schon viel erlebt. Auch in der Premier League kennst du dich gut aus. Wie seid ihr, was das Torwartspiel anbelangt, zur Zeit aufgestellt?

Formann: Beim VfL Wolfsburg haben wir eine sehr gute Torwartstruktur. Bei uns wird die Transparenz sehr großgeschrieben. Alle Torwarttrainer vom untersten Jugendbereich bis hoch zur U23 werden mit ins Boot genommen. Personell sind wir dabei sehr gut aufgestellt. Wir haben fünf fest angestellte Torwarttrainer in der Akademie und einen Torwarttrainer auf Teilzeit-Basis. Unsere Torwarttrainer haben sehr viel Erfahrung sowohl als Trainer als auch als Spieler, wie z.B. Ex-Profi Markus Miller, der einer unserer Torwarttrainer in der Akademie ist. Aber natürlich will sich der Verein auch weiterentwickeln und legt dementsprechend Wert auf ein gutes Scoutingsystem. Bei uns spielen mehrere U-Nationaltorhüter und wir haben weitere vielversprechende Talente in der Akademie. Bei der Arbeit mit den Talenten wird großer großen Wert auf die Grundlagen und Abläufe des Torwartspiels gelegt. Wichtig ist hier auch ein gutes Netzwerk. So tauschen wir uns z.B. bei Lehrgängen mit Torwarttrainern anderer Vereine aus.

torwart.de: Wie bildest du dich persönlich in deiner Rolle als Torwarttrainer weiter?

Formann: Ich habe die A-Lizenz und werde in naher Zukunft die UEFA-Torwarttrainer-A-Lizenz beim DFB machen. Ich finde Workshops oder Fortbildungen, bei denen man sich auch austauschen kann, extrem wichtig.

torwart.de: Gab es bestimmte Leute, die dich in deiner Karriere als Spieler und als Trainer besonders geprägt haben?

Formann: Ich habe mich mit diesem Job schon sehr lange beschäftigt. Geprägt hat mich sicherlich die Arbeit mit Thomas Schlieck, dem heutigen Torwartkoordinator von Borussia Dortmund. Sowohl als Spieler als auch als Trainer konnte ich von seinen Methoden und seiner Trainingsgestaltung sehr viel lernen. Bei jedem Verein, für den ich gespielt oder bei dem ich als Trainer war, konnte ich mir viele Anregungen holen. Trotzdem sollte man nicht versuchen, andere Torwarttrainer zu kopieren. Wichtig ist, dass man als Trainer seinen eigenen Weg geht, seine eigenen Erfahrungen macht und seinen eigenen Übungskatalog bildet.

torwart.de: Benötigt man als Torwarttrainer eine eigene Philosophie, die einen in der täglichen Arbeit begleitet?

Formann: Ja, auf jeden Fall. Für mich gibt es zwei Kategorien von Torhütern: Der technisch saubere, mitspielende Torwart. Er ist perfekt ausgebildet und macht kaum Fehler. Der zweite Torhütertyp eröffnet das Spiel eher mit einen langen Ball, er reagiert eher als zu agieren. Er ist technisch vielleicht etwas unsauberer, aber er hält trotzdem die Bälle oftmals auf spektakuläre Art und Weise. Die Philosophie des Torwarttrainers passt sich dabei auch an die Spielphilosophie des Cheftrainers an. Wenn z.B. der Cheftrainer auf eine vom Torwart über die Abwehrreihe eingeleitete Spieleröffnung setzt, dann sind eher Torhüter der ersten Kategorie gefordert, wie z.B. Koen Casteels, André ter Stegen, Roman Bürki, Oliver Baumann oder Bernd Leno.

torwart.de: In der Vorrunde gab es eine strittige Situation um Koen Casteels: Der Zusammenprall zwischen ihm und dem Stuttgarter Christian Gentner. Danach stand Casteels und seine Spielweise stark in der Kritik.

Formann: Erst einmal ist es wichtig, zu betonen, dass keinerlei Absicht dahinter steckte. Es war eine unglückliche Situation, die im Sport einfach passieren kann. Koen hat direkt nach dem Spiel Kontakt zu der Freundin von Christian Gentner und später auch zu Christian selbst aufgenommen, und auch die Vereine waren in den Tagen danach im Austausch und haben in der Öffentlichkeit Schärfe aus dem Thema genommen. Koen ist mental sehr stabil. Er ist professionell damit umgegangen, auch weil der VfB Stuttgart das Thema sofort im Keim erstickt hat. Natürlich sind alle froh, dass Christian Gentner inzwischen wieder auf dem Fußballplatz stehen kann.

torwart.de: Der unglückliche Zusammenprall zwischen Casteels und Gentner im Spiel gegen den VfB Stuttgart erinnert auch an den Luftzweikampf zwischen Manuel Neuer und Gonzalo Higuain im WM-Finale 2014. Wie bewertest du hierbei das Verhalten der Torhüter in diesen Spielsituationen?

Formann: Man muss das immer so sehen: Wenn der Torwart nicht kommt und nicht konsequent in seinem Strafraum agiert, dann wird ihm womöglich vorgeworfen, dass er den Strafraum nicht beherrscht und unsicher agiert. Der Torwart muss in seinem Raum eine gesonderte Stellung haben, die aber im Rahmen der Regeln bleiben muss. Das müssen auch die Spieler bedenken und wissen, dass es auch gefährlich werden kann. Ich sehe das Thema aber allgemein nicht so problematisch. In solchen Situationen spielen die Schiedsrichter die wichtigste Rolle, da das Regelwerk einen gewissen Interpretationsspielraum für die Akteure lässt.

torwart.de: In den letzten Jahren konnten wir bei den Bundesligisten einige Wechsel auf der Torwarttrainerposition beobachten und es wurde der eine oder andere Generationswechsel eingeleitet. Wie erklärst du dir das?

Formann: Man befindet sich hier auf dem höchsten Niveau. Das ist auch für die Torwarttrainer eine sehr hohe Belastung mit fünf bis sechs Tagen in der Woche. Da muss man fit sein, um dieser speziellen Belastung Stand zu halten. Aus meiner Sicht ist dieser Job eine maximale Belastung für die Torwarttrainer. Zum Beispiel müssen wir die Bälle so schießen können, wie sie am Wochenende auch auf das Tor kommen. In manchen Vereinen sind Wechsel auf dieser Position ein sehr schwieriges Thema, da die Torwarttrainer oft Ikonen im Verein sind und lange Zeit selbst dort gespielt haben oder sich als gestandene Torwarttrainer einen guten Namen erarbeitet haben.

torwart.de: Machst du nebenher noch etwas für deine Fitness?

Formann: Durch das tägliche Training mit den Jungs bin ich täglich physisch gefordert. Die Belastung auf dem Platz ist meist sehr hoch. Ich lasse mich regelmäßig durchchecken, investiere Zeit in Dehnen und Pflegen des Körpers.

torwart.de: Auch beim DFB warst du schon im Torwarttrainerteam bei den U-Nationalmannschaften aktiv. Kannst du dieser Aufgabe nach wie vor nachgehen?

Formann: Momentan ruht meine Aufgabe als Torwarttrainer beim DFB, da ich in Wolfsburg eine neue Aufgabe übernommen habe. Ich hätte sonst extrem viel Fehlzeit in Wolfsburg gehabt. Das war nicht zu stemmen, um der täglichen Arbeit hier beim VfL nachzugehen. Trotzdem bin ich weiterhin in engem Austausch mit dem DFB und Marc Ziegler, der als Torwart-Koordinator beim DFB einen hervorragenden Job macht.

torwart.de: Pascal, wir bedanken uns für das ausführliche Interview und wünschen Dir alles Gute bei deinen künftigen Aufgaben.

Formann: Danke sehr.

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