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Home > Magazin > torwart.de-HAUTNAH > Torwarttrainer > Hans Leitert im Dezember 2008

Hans Leitert "Hautnah" bei torwart.de (08.12.08)

"Ich weiß jetzt, wie der englische Fußball tatsächlich funktioniert"

von Marcel Schäfer


Hans Leitert

Hans Leitert gilt als einer der renommiertesten Torwarttrainer in Europa. Er arbeitete u.a. schon in England, Spanien und Griechenland. Bis vor kurzem war er Torwarttrainer beim englischen Premier League Club Tottenham Hotspur. Bekannt wurde er auch durch sein Buch "Die Kunst des Torwartspiels oder die sieben Prinzipien der Meister", das 2007 auf den Markt kam und große Akzeptanz und Anerkennung fand. (Das Buch ist hier im torwart.de Shop erhältlich) torwart.de sprach mit dem Österreicher über seine Arbeit und Erfahrungen in England.

torwart.de: Welche Bedeutung hatte für Dich das Engagement bei einem Traditionsklub wie Tottenham?

Leitert: Vor allem bedeutete es für mich, dass ich den englischen Fußball sehr intensiv kennen gelernt habe und miterlebt habe, wie er tatsächlich funktioniert. Vor allem war interessant zu beobachten wie vereinsinterne Mechanismen ablaufen bzw. welch großen Einfluss die englischen Medien auf Vereine und Verantwortliche (wie Trainer, Sportdirektoren, Klubbesitzer, etc.) ausüben. Das heißt, es ist sehr interessant zu sehen, wie das Bild der englischen Premier League nach außen hin dargestellt wird und was wirklich intern abläuft.

torwart.de: Welche Neuerungen und Innovationen konntest Du bei Tottenham einführen?

Leitert: Wir sind im Bereich der torwartspezifischen Spielanalyse neue Wege gegangen und wir haben vor allem im Bereich der Talentselektion versucht, speziell den Bereich der Persönlichkeit viel mehr zu berücksichtigen. Letztendlich war jedoch die Zeit, die uns gegeben wurde, nicht ausreichend um weitreichende Innovationen einzuführen.

torwart.de: Wie war die Zusammenarbeit mit Gomez geprägt?

Leitert: Die Zusammenarbeit mit Heurelho Gomes, Cesar Sanchez sowie mit dem schwedischen Nachwuchstalent Oscar Jansson war außergewöhnlich gut. Wir hatten alle eine hervorragende Beziehung zueinander, die geprägt war von hohem gegenseitigen Ansehen, sowie Respekt und tiefem Vertrauen. Es ist schön zu sehen, dass meine Kündigung diese Beziehung in keinster Weise beeinflusst hat.

torwart.de: Inwiefern kann man in England von einer Torwartmisere der englischen Torhüter sprechen?

Leitert: Ich denke, es ist gefährlich von einer 'Torwartmisere' zu sprechen, ohne die Fakten objektiv zu beurteilen. Natürlich ist die absolute Anzahl und der relative Prozentsatz von ausländischen Torhütern, die in der Premier League spielen, sehr hoch, jedoch muss man auch bedenken, dass auch der generelle Prozentsatz von ausländischen Spielern in der Premier League sehr hoch ist. Und man spricht ja auch nicht unbedingt von einer Misere von englischen Mittelfeldspielern. Ich habe mit einigen Leuten das englische 'Torwartproblem' diskutiert und man muss dazu eines sagen: Aufgrund der extrem starken ausländischen Konkurrenz ist es speziell für englische Torhüter extrem schwer, sich zu etablieren. Das heißt, dass jeder junge aufstrebende Torhüter (wie Joe Hart von Manchester City, oder Scott Carson von West Bromwich) ausschließlich an der Weltspitze gemessen wird - sprich man vergleicht 2x die Woche Joe Hart mit Peter Cech oder Pepe Reina. Dazu kommt, dass der Druck durch Öffentlichkeit, Medien oder ausländische (und ungeduldige) Klubbesitzer immens hoch ist und dem Trainer oder dem Spieler eigentlich keine Zeit zur Verfügung steht, sich zu entwickeln. Joe Hart ist beispielsweise ein großes Talent, spielt mit 21 Jahren schon die zweite Saison bei Man City und dennoch fragt man sich eigentlich nur noch, wann endlich ein Kaliber wie Buffon oder Casillas an seiner Stelle verpflichtet wird. Ich hatte im vergangenen Juni ein langes Telefonat mit dem letztjährigen schwedischen Co-Trainer von Man City und er sagte mir, dass er bislang kaum ein größeres Torhüter-Talent gesehen hatte. Dennoch bleibt am Ende die Frage, ob es in der Englischen Premier League in Zukunft noch möglich sein wird, dass sich junge Torhüter etablieren können oder ob dieser Markt ausschließlich routinierten und erfahrenen Torhütern vorbehalten ist. Das Bild der englischen Torwartmisere wurde ja eigentlich erst in England groß gemacht. Seaman wurde vernichtet, als er bei der WM 2002 einen genialen Freistoß von Ronaldinho passieren ließ, Robinson wurde während der Qualifikation für die Euro 2008 nach dem Auswärtsspiel gegen Kroatien schuldlos vernichtet weil er einen Rückpass, der sich unmittelbar vor dem Kick versprang, passieren ließ und David James erging es bislang auch nicht anders. In Summe muss man sagen, dass es für junge englische Torhüter sehr schwer ist, sich gegen die Weltspitze durchzusetzen, auf der anderen Seite sind die routinierten englischen Keeper einem extremen medialen Druck ausgeliefert, der natürlich das vorhandene Bild aufrechterhalten möchte und daher jeden Fehler extrem vernichtet. Es bleibt abzuwarten, wie die zukünftigen Leistungen englischer Keeper bei der zukünftigen Weltmeisterschaft ausfallen werden. Die bisherige Qualifikation läuft ja recht positiv.

torwart.de: Welche Erkenntnisse nimmst Du für Dich aus dem Engagement bei Tottenham mit?

Leitert: Die Haupterkenntnis ist die, dass der Einfluss des Trainers auf die Leistung des Spielers ist in bestimmten Situationen extrem begrenzt ist.

torwart.de: Wie fällt der Rückblick auf die Torhüterleistungen bei der EM aus?

Leitert: Ich bin gerade dabei, das Torhüterspiel bei der EM in alle Einzelheiten zu zerlegen und zu analysieren. In zwei bis drei Monaten kann ich mehr dazu sagen.

Hans Leitert mit Heurelho Gomes
torwart.de: Wie hoch ist der Stellenwert des Torwarttrainings in der englischen Liga im Vergleich zu den Ligen, in denen Du bisher gearbeitet hast?

Leitert: In England ist der Stellenwert des Torwarttrainers höher einzustufen als in Spanien zum Beispiel. Aber dennoch möchte ich sagen, dass ich auch in Spanien ausreichend Zeit und Möglichkeiten hatte, meine Inhalte zu platzieren und umzusetzen. Ich denke, dass es im Endeffekt ausschließlich darauf ankommt, welchen Inhalt du als Trainer liefern kannst. Wenn der Verein sieht, dass sie von deinen Inhalten profitieren können, werden sie dir immer den nötigen Freiraum gewährleisten.

torwart.de: Zum Torwartspiel in der Premiere League: Welche Torwarttypen kann man dort verstärkt erkennen?

Leitert: Das hängt von der Philosophie des Cheftrainers ab. Trainer wie Scolari, Ramos, Wenger oder Benitez vertrauen auf ausländische (teilweise südländische) Torhüter, die ihre Spielphilosophie am ehesten umsetzen können. Englische Trainer wie beispielsweise Paul Ince forcieren hingegen englische (wie Paul Robinson) oder skandinavische Torhüter, weil auch die am ehesten ihrer Vorstellung entsprechen. Man kann aufgrund der vielfältigen Spielphilosophie, die in der Premier League vorhanden ist, nicht von einem generellen Torwarttyp sprechen.

torwart.de: Gibt es konzeptionelle Unterschiede zu Deiner Torwartphilosophie?

Leitert: Das ist schwer zu beurteilen, da ich die anderen Torwarttrainer und deren Auffassung von Spiel und Training zu wenig kenne. Ich habe ausschließlich zu Raymond van der Gouw (Torwarttrainer von Sunderland) sehr intensiven Kontakt und muss sagen, dass auch seine Vorstellungen den meinen sehr ähnlich sind.

torwart.de: Welche deutschen Torhüter würden aus Deiner Sicht in die Premiere League passen?

Leitert: Das ist natürlich eine sehr schwierige Frage denn ich habe in den letzten zwei Jahren die deutschen Torhüter aufgrund meiner Tätigkeit in Spanien und England zu wenig intensiv verfolgen können. Dennoch kann ich bestätigen dass auch ich speziell der jungen Torhütergeneration (wie Neuer von Schalke) gewisse Chancen einräume, in Zukunft mal in der Premier League Fuß fassen zu können. Man muss aber darauf gefasst sein, dass das Spiel in England sehr intensiv ist und einen im Strafraum aktiven Torhüter erfordert.

torwart.de: Was waren eigentlich die genauen Gründe für die Beendigung des Engagements bei Tottenham?

Leitert: Nachdem die Klubführung Trainer Ramos und Sportdirektor Comolli entlassen hatte, wurde dem Nachfolger Harry Redknapp das Recht eingeräumt, einen eigenen Betreuerstab zu installieren. Dieser neue Betreuerstab enthielt auch einen Torwarttrainer.

torwart.de: Ein Blick in die Zukunft: Welche zukünftigen Aufgaben und Ligen würden Dich reizen?

Leitert: Ich würde gerne noch mal in Spanien arbeiten. Aber es würden mich auch neue Herausforderungen wie Italien, Frankreich oder auch Deutschland reizen. Vielleicht wird es aber auch etwas Exotisches... Ich bin ziemlich gespannt was die Zukunft bringt und weiß nur, dass ich auf jedem Niveau arbeiten kann. Ich habe gelernt, dass man eine Karriere als Torwarttrainer sowieso nicht planen kann - man kann nur versuchen qualitativ hochwertig zu arbeiten - von wo dann der entscheidende Telefonanruf kommt, steht in den Sternen...

torwart.de: Gibt es schon wieder neue Ideen weitere Unterlagen/Bücher zu publizieren?

Leitert: Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich viele Ideen betreffend neuer Publikationen habe und gerade dabei bin, diverse Konzepte für weitere Bücher bzw. Videomaterialien zu verfassen. Wann genau ich jedoch wieder etwas publizieren werde, hängt davon ab, wo und ab wann ich wieder als Trainer tätig sein werde.


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