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Thomas Schlieck "Hautnah" bei torwart.de (01.08.11)

"Möglichst viele eigene Nachwuchstorhüter sollen den Sprung nach oben schaffen"

von Marcel Schäfer


Thomas Schlieck (Foto firo)

Thomas Schlieck arbeitete seit 2002 als Torwarttrainer beim Erst- und Zweitligisten Arminia Bielefeld. Er entwickelte in Bielefeld eine umfassende und ausgereifte Torwartkonzeption. Ab der kommenden Saison wechselt Thomas Schlieck nun zu Schalke 04 und übernimmt dort die neu geschaffene Stelle des „Koordinator Torwartbereich“. torwart.de hat sich mit Thomas Schlieck über die neue Aufgabe unterhalten.

torwart.de: Thomas, Du wirst die neu geschaffene Stelle „Koordinator Torwartbereich“ bei Schalke 04 übernehmen. Diese Stelle ist für viele neu. Was muss man sich genau darunter vorstellen?

Thomas Schlieck: Mit der Einführung dieser Stelle geht Schalke 04 neue Wege in der Bundesliga. Von der U9 bis hoch zur U23 wird der Torwartbereich in eine Hand gelegt. Meine Aufgabe wird es sein, eine Konzeption und Strukturen für den Torwartbereich des Klubs zu entwickeln und umzusetzen.
Dabei geht es darum, dass alle bei Schalke 04 arbeitenden Torhütertrainer nach gemeinsamen Leitlinien und Vorgaben arbeiten, so dass möglichst viele eigene Nachwuchskräfte auf der Torwartposition den Sprung in den oberen Bereich schaffen können. Meine Aufgabe wird es auch sein, dass die Torwarttrainer stets auf dem neuesten Stand sind und fortgebildet werden, und dass eine enger Austausch zwischen den Trainern und Torwarttrainer der Mannschaften stattfinden wird.
Ein weiterer Schwerpunkt wird sein, den Bereich des Torwartscouting zu koordinieren und auch selbst auszuüben. Hier wollen wir noch schneller und zielgerichteter die Torwarttalente kennen und verpflichten.

torwart.de: Wirst Du nach wie vor bei den Trainingseinheiten auf dem Platz sein oder eher hinter dem Schreibtisch Deine Arbeit verrichten?

Thomas Schlieck: Federführend werde ich die Einheiten der U23 leiten. Als Leiter des gesamten Torwartbereichs ist es immer wichtig, sich ständig einen gesamten Überblick über die Torwarttrainingsarbeit in den einzelnen Mannschaften zu verschaffen. Daher werde ich generell auch bei den Trainingseinheiten der anderen Mannschaften präsent sein. Das hilft mir auch dabei, in den Anfangsmonaten einen Überblick über die Arbeitsweise der einzelnen Torwarttrainer zu bekommen und bereits bestehende Ansätze in das Gesamtkonzept einfließen zu lassen.

torwart.de: Weshalb hat sich der Verein entschieden, diese Stelle zu schaffen?

Thomas Schlieck: Die Zertifizierungsvorgaben der DFL haben u.a. die Anforderungen im Bereich des Torwarttrainings in den einzelnen Profivereinen enorm erhöht. Im Zuge des abgelaufenen Zertifizierungsverfahrens haben sich die Schalker entschieden, grundlegende Dinge im Torwartbereich mit der Einführung meiner neuen Funktion zu verbessern und zu verändern. Wir wollen aus den vielen Talenten mit strukturierter Arbeit im Torwartbereich, Torhüter entwickeln, die das Potential für eine Karriere in der Profimannschaft haben.

torwart.de: Welche Rolle spielten dabei die Überlegungen von Trainer Rangnick?

Thomas Schlieck: Ralf Rangnick ist dafür bekannt, dass er nicht nur an den kurzfristigen Erfolg der Lizenzspielermannschaft denkt. Eine hohe Qualität im Nachwuchsbereich des Vereins ist für ihn ebenfalls ein wichtiger Eckpfeiler für den Aufbau einer langfristigen erfolgreichen Strategie von Schalke. Er und Horst Heldt sind sich einig, dass dabei auch die Rolle „Koordinator Torwartbereich“ besetzt werden muss. Fachliche Verbindungen zwischen Ralf Rangnick und mir bestanden schon in der Vergangenheit, so dass eine mögliche Zusammenarbeit schnell ins Auge gefasst und vereinbart wurde.

torwart.de: Welche Anforderungen wird die neue Aufgabe an Dich stellen?

Thomas Schlieck: Bei Arminia Bielefeld habe ich bereits in einer ähnlichen Rolle agiert. In Bielelfeld mussten ebenfalls grundlegende Dinge erarbeitet und weiterentwickelt werden. Von der Lizenzspielerabteilung bis in den Nachwuchsbereich war ich in allen Bereichen involviert. Für mich wird neu sein, dass auch die 10- bis 14-Jährigen in das Konzept miteinbezogen werden. Wir wollen dabei Methoden und Verfahren entwickeln, um möglichst frühzeitig das Potential und die möglichen Entwicklungssprünge der jungen Torhüter erkennen zu können. Neu wird für mich sein, dass ich nicht ständig bei der Lizenzspielermannschaft dabei bin, was natürlich einen gewissen Umgewöhnungsprozess für mich persönlich darstellt. Ich bin sehr zufrieden, bei einem der größten Fußballklubs Deutschlands, diese neue Aufgabe annehmen zu dürfen.

torwart.de: Mit welchen Kompetenzen wirst Du dabei ausgestattet?

Thomas Schlieck: Als Verantwortlicher des Torwartbereichs bei Schalke ist eine wichtig Kompetenz, dass ich entscheiden kann, welcher Torwarttrainer mit welcher Mannschaft am besten zusammenarbeiten sollte, und ob der Kreis der Torwarttrainer um weitere qualifizierte Torwarttrainer erweitert werden soll.
Im Bereich des Scoutings und der Karriereentwicklung der einzelnen Torleute werde ich darüber entscheiden, welche Torhüter weiter übernommen werden bzw. ob externe Torhüter neu verpflichtet werden. Zielsetzung ist dabei, dass die dritte Torwartposition bei den Lizenzspielern immer mit einem selbst ausgebildeten Torwart besetzt ist, welcher spätestens in der U15 zu Schalke gekommen ist.

torwart.de: Sicherlich konntest Du Dir schon einen Überblick über den Torwartbereich von Schalke machen. In welchen Bereichen wirst Du in den ersten Wochen und Monaten konzentrieren?

Thomas Schlieck: Es ist selbstredend, dass ich auf die bisherigen drei Torwarttrainer zugehe und das persönliche Gespräch suche. Es macht auch wenig Sinn, einen strikten Anforderungskatalog zu definieren, den die einzelnen Trainer erfüllen müssen. Es ist wichtig sich unvoreingenommen, ein Bild über die Arbeit der Trainer zu machen und gegebenenfalls situationsbezogen zu entscheiden, was verändert werden muss. Ich gehe von einer Dauer von 6 Monaten aus, um zu erkennen, welche Veränderungen gemacht werden müssen.

torwart.de: Du hast Dir schon einen Überblick über die Infrastruktur bei Schalke machen können. Welchen Eindruck hast Du?

Thomas Schlieck: Die Infrastruktur des Trainingsgeländes von Schalke 04 ist sehr gut. Alle Mannschaften trainieren auf demselben Gelände und in der Nähe der Lizenzspielermannschaft. Damit ist gewährleistet, dass auch die Nachwuchsleute immer wieder mal an die Profimannschaft heranschnuppern können und den Profis begegnen können.

torwart.de: Auf welche Trends aus der vergangenen Bundesligasaison muss die Arbeit im Torwartbereich künftig Rücksicht nehmen bzw. reagiert werden?

Thomas Schlieck: In der vergangenen Spielzeit haben bereits eine hohe Anzahl an jungen Torhütern den Sprung als Nummer 1 in die Profimannschaft geschafft. Diese jungen Torhüter, wie Zieler, Trapp, Ulreich, wurden in den letzten Jahren zu komplett ausgebildeten Torhütern entwickelt. Sowohl torwarttechnisch als auch mental waren die jungen Torhüter schon in der Lage, Höchstleistungen abzurufen.
Damit zeigt sich, dass der Weg der intensiven Beschäftigung mit der Ausbildung der Torhüter bereits im Nachwuchsbereich der richtige Weg ist. Trotz der ersten Erfolge sehe ich viele Ansatzpunkte in den Nachwuchsleistungszentren der Profiklubs, die Arbeit im Torwartbereich zu optimieren und zu professionalisieren. Hier erwarte ich, dass zusätzliche Stellen für zertifizierte und ausgebildete Torwarttrainer – wenn auch aus Budgetgründen großteils auf nebenberuflicher Basis – geschaffen werden. Durch die Zertifizierungsvorgaben durch die DFL und die Einführung der Torwarttrainerausbildung des DFB wird diese Entwicklung eingefordert und verstärkt.

torwart.de: Gibt es bereits Vereine in der Bundesliga, die für andere Vereine Vorbild sein können?

Thomas Schlieck: Ein hervorragendes Beispiel ist für mich die Arbeit beim VfB Stuttgart. In den vergangenen Jahren hat das Trainerteam um Ebbo Trautner gezeigt, wie man mit gezielter und strukturierter Arbeit im Torwartbereich eine hohe Anzahl von hervorragenden Torhütern mit guten Perspektiven ausbilden kann. Mit Bernd Leno wird erneut ein Torhüter aus dem Nachwuchsbereich wieder in die Profimannschaft integriert und der aktuelle U17-Nationaltorhüter Vlachodimos spielt ebenfalls in Stuttgart.

torwart.de: Manuel Neuer ist ein Schalker Eigengewächs und gilt bereits jetzt als absoluter Ausnahmetorwart. Werden wir in Zukunft im deutschen Fußball ähnliche Spitzentorleute zu sehen bekommen?

Thomas Schlieck: Manuel Neuer ist aufgrund seiner Athletik, seines Talents und seiner Persönlichkeit ein absolutes Ausnahmetalent. Es lässt sich jedoch feststellen, dass es zur Zeit viele ganz junge Torhüter gibt, die auf dem höchsten Profiniveau bereits zu Recht kommen. Ich denke, dass wir in den kommenden Jahren weitere Torhüter auf ähnlichem Niveau zu sehen bekommen werden.

torwart.de: Du arbeitest auch beim DFB bei der Lizenzierung der DFB-Torwarttrainer mit. Wie war die bisherige Zusammenarbeit gestaltet?

Thomas Schlieck: In der Konzeptionsphase der Torwarttrainerausbildung wurde ich in die Definition der Ausbildungsinhalte und Schwerpunkte von Jörg Daniel miteinbezogen. Durch meine Lizenzierung im Holland konnte ich hier bestimmte Schwerpunkte der holländischen Torwarttrainerlizenz mit einfließen lassen. Ab September werde ich nach Absprache bei der Durchführung der Leistungskurse in den Sportschulen als Referent unterwegs sein.

torwart.de: Welchen Effekt wird die Einführung der DFB-Torwarttrainerlizenz im Spitzenfussball haben?

Thomas Schlieck: Die Lizenz ist bereits verpflichtend für die Arbeit in den Nachwuchsleistungszentren. Es ist mittelfristig auch angedacht, dass die Lizenz auch zwingend für die Arbeit als Torwarttrainer in der Lizenzspielermannschaft sein wird. Damit würden alt gediente Torhüter nicht mehr automatisch als Torwarttrainer im Profibereich arbeiten können. Kompetente und qualifizierte Torwarttrainer ohne Profispielererfahrung werden bessere Chancen haben, um als Torwarttrainer in den Profiligen arbeiten zu können.

torwart.de: Dennis Eilhoff ist einer deiner ehemaligen Schützlinge aus Bielefeld. Er wechselt jetzt zum Zweitligaaufsteiger Dynamo Dresden. Wie bewertest Du diesen Vereinswechsel für ihn persönlich und im Sinne seiner Gesamtentwicklung?

Thomas Schlieck: Dennis Eilhoff hatte ein sehr schweres Jahr in Bielefeld hinter sich. Seine Vordermannschaft wirkte leider in vielen Spielen desolat und überfordert. Unter diesen Bedingungen ist es für ihn schwierig gewesen, eine vernünftige Saison zu spielen. Ich denke, der Schritt nach Dresden in die 2. Liga zu gehen, ist richtig, denn die Stadt und das sportliche Umfeld sind reizvoll.
Sportlich muss er sich gegen den Publikumsliebling und Aufstiegshelden Benjamin Kirsten durchsetzen. Sein Fokus sollte sein, dass er in der kommenden Saison eine konstante Saison spielt, um für die Saison danach eine gute Ausgangsbasis zu haben und so wieder auf sich aufmerksam zu machen. Ich denke, wenn er wieder sein volles Potential abrufen kann, dann sind auch höhere Aufgaben für ihn wieder im Bereich des Möglichen.

torwart.de: Du warst seit 2002 Torwarttrainer bei Armina Bielefeld. Wie schwer fällt der Abschied aus Bielefeld?

Thomas Schlieck: In Bielefeld habe ich sämtliche Facetten des Profifußballs erleben können. Trainer Benno Möhlmann und Arminia-Manager Thomas van Heesen haben mir zu Beginn der Tätigkeit die Möglichkeit gegeben, in den Profifußball einzusteigen. Über die Jahre hinweg habe ich die Bielefelder Torwartkonzeption erarbeitet und umgesetzt, so dass mein Nachfolger Marco Kostmann auf ein gut bestelltes Feld treffen wird. Sicherlich war die Zusammenarbeit sowohl für den Verein als auch für mich gewinnbringend und sehr erfolgreich.
Die letzten beiden Jahre waren aufgrund der Turbulenzen des Vereins weniger positiv und ich hätte im Nachhinein schon früher andere Herausforderungen annehmen sollen.
Ich werde den weiteren Weg der Arminia in der 3. Liga mitverfolgen und ich hoffe, dass die Arminia zügig die Rückkehr in die 2. Bundesliga schaffen wird.

torwart.de: Thomas, vielen Dank für das Interview. Wir wüschen Dir einen erfolgreichen Start für die neue Aufgabe.

Thomas Schlieck: Vielen Dank.


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