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Peter Kargus "Hautnah" bei torwart.de (23.05.09)

"Bei den Frauen werde ich kommunikativ mehr gefordert als bei den Männern"

von Jörg Scharnweber


Peter Kargus

Peter Kargus hat in seiner Laufbahn so einiges erlebt: Nach vielen Jahren im Tor in der Bayern- und Landesliga, wo er u.a. für den TSV 1860 München, den SC Fürstenfeldbruck und TSV Eching gespielt hat, wechselte Kargus 2002 in das Trainerfach. Seine erste Station als Torwarttrainer war ebenfalls der TSV Eching, später trainierte er neben einem Bezirksligaverein auch die jungen Keeper an einem regionalen DFB-Stützpunkt. Seit März 2004 ist Peter Kargus nun für die Torhüterinnen des Frauen-Bundesligisten FC Bayern München tätig.

torwart.de: Wie sieht eine typische Trainingseinheit für die Bundesligatorhüterinnen des FC Bayern aus? Gibt es so etwas wie eine Routineeinheit?

Kargus: Natürlich haben wir einen gewissen Rahmen, in dem sich das Torwarttraining für die Keeperinnen des FC Bayern abspielt: So wird Kondition und Ausdauer stets am Dienstag trainiert und beim Abschlusstraining am Freitag stehen Standardsituationen und Technik auf dem Programm. Aber das ist nur der Rahmen; die Inhalte sind dabei variabel und ich würde sie keinesfalls als Routineangelegenheit bezeichnen wollen. Das Training für unsere Keeperinnen Ulrike Schmetz und Birgit Leitner findet zweimal die Woche statt. In der Vorbereitungsphase wird das TH Training auf drei Einheiten erhöht.

torwart.de: Nach welchen Gesichtspunkten werden Torfrauen ausgesucht, die beim FC Bayern zum Einsatz kommen? Gibt es im Verein ein Scouting, um Talente frühzeitig nach München zu locken?

Kargus: Nein, über fest angestellte Talentspäher im Frauenbereich verfügen wir noch nicht. Wir gewinnen unsere Nachwuchstalente in erster Line durch ein Sichtungstraining, welches in der Regel im Internet angekündigt wird. Wer sich dort behauptet, muss allerdings zuerst den Umweg über die U17 bzw. II. Mannschaft nehmen und kann sich, entsprechende Eignung vorausgesetzt, von dort aus für höhere Aufgaben empfehlen. Natürlich halten wir Trainer aber unsere Augen und Ohren offen wenn uns bei Spielen eine Torhüterin auffällt oder auch angetragen wird. Ein festes, genormtes Anforderungsprofil existiert nicht, da viel von der Persönlichkeit oder den körperlichen Veranlagungen der Torfrauen abhängt. Beispielsweise ist die Körpergröße im Frauenbereich ein Problem, denn eine zu kleine Torhüterin wird bei Flanken oder hohen Bällen immer wieder an ihre Grenzen stoßen. Durch gezieltes Sprungkraft-training ist das nur zum Teil auszugleichen.

torwart.de: Sie waren lange Zeit als Aktiver im Herrenbereich tätig. Wie erlebten Sie den Beginn Ihrer Tätigkeit als Torwarttrainer bei den Frauen? Welche Unterschiede erschienen Ihnen am gravierendsten?

Kargus: Am Anfang hatte ich tatsächlich Bedenken, meine Torschüsse könnten für die Torfrauen zu hart sein. Mittlerweile sind diese Bedenken natürlich längst ausgeräumt. Dafür wurde ich in einer ganz anderen Ebene viel mehr gefordert, als mir vorher bewusst war: Im Frauenfußball wird insgesamt ein behutsamerer Ton angeschlagen, als es bei den Männern der Fall ist. Somit bin ich in der Kommunikation mit meinen Spielerinnen viel mehr gefordert, als wenn ich männliche Keeper trainieren würde.

torwart.de: Wie sieht die fachliche Weiterbildung der FC-Bayern-Torwarttrainer aus? Gibt es gemeinsame Veranstaltungen mit Walter Junghans, dem Torwarttrainer von Rensing und Butt?

Kargus: Bis zum vergangenen Sommer herrschte im Torhütersektor beim FC Bayern noch eine andere Zeitrechnung: Sepp Maier und Bernd Dreher bildeten das Trainer-Team, Olli Kahn war die unbestrittene Nr. 1. Zu dieser Zeit hatte ich einen guten Kontakt zu den beiden Torwarttrainern (speziell zu Bernd Dreher), unabhängig davon, ob sie bei den Profis oder im Jugendbereich tätig waren. Man hatte immer ein offenes Ohr für mich. Zu Walter Junghans hingegen existieren momentan keine Verbindungen, was aber nicht an Junghans liegt, sondern an der Tatsache, dass unsere Trainingsorte (Säbener Str. und Aschheim) zu weit auseinander liegen.

torwart.de: Haben Sie Kontakte zu anderen Torwarttrainern der Ersten und Zweiten Frauen-Bundesliga?

Kargus: Es ergibt sich höchstens vor oder nach einem Punktspiel, daß ich mit der/dem Torwarttrainer/in des Gegners ein paar Worte wechseln kann. Ein echtes Netzwerk existiert meiner Meinung noch nicht, aber seit geraumer Zeit werden vom DFB gemeinsame Weiterbildungen mit Michael Fuchs, dem Torwarttrainer der deutschen Frauen-Fußballnationalmannschaft, angeboten. Michal Fuchs und ich hatten auch schon die Möglichkeit gemeinsam mit Ulrike Schmetz in Aschheim zu trainieren

torwart.de: Wie ist Ihre Rolle in einem gewöhnlichen Bundesligaspiel? Lassen Sie sich von den Emotionen mitreißen oder verfolgen Sie das Geschehen so wie beispielsweise Andy Köpke: Äußerlich gelassen, aber innerlich wachsam und hochkonzentriert?

Kargus: Vor der Begegnung bin ich ausschließlich für meine Torhüterinnen da: Ich übernehme das Aufwärmtraining und stimme sie auch mental auf die kommende Partie ein. Während des Spiels allerdings stehe ich im ständigen Dialog mit unserem Cheftrainer Günther Wöhrle. Wir bewerten bevorstehende oder bereits absolvierte Ein- und Auswechslungen und tauschen uns über die Geschehnisse des Spiels aus. Dabei ergänzen wir uns sehr gut. In der Halbzeit nehme ich mich unserer spielenden Torfrau an: Je nach Spielstand muss ich sie motivieren und Fehler korrigieren oder auch Tipps für die zweite Hälfte geben. Manchmal ein sensibles Thema, gerade wenn die Torfrau einen Fehler begangen hat und dadurch vielleicht sogar ein Gegentor entstanden ist. Hier sind dann Fingerspitzengefühl und Erfahrung gefragt.

torwart.de: Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Torwarttrainers gerade auch in den letzten Jahren: Früher übernahmen Masseur oder Co-Trainer diesen Part, machten mit dem Keeper Fangübungen, die sie selbst konzipiert hatten und die einem sinnvollen Trainingseffekt völlig entbehrten. Oder sie droschen 45 Minuten lang den Ball aus kürzester Distanz aufs Tor und nannten das dann Torwarttraining. Mittlerweile wurde aber das hohe Potential dieser Funktion entdeckt und schrittweise ausgebaut. Ein längst überfälliger Prozess?

Kargus: In der Tat merkt man sogar heutzutage noch in der Frauen-Bundesliga, ob eine Torfrau von einem Torwarttrainer richtig ausgebildet wurde oder nicht. Ein echtes Indiz hierbei ist die Grundtechnik einer Keeperin, die verrät, welche Art von Torwarttraining ihr in der Vergangenheit vermittelt wurde: Ob es von einem qualifizierten Trainer stammte oder von jemand, der sich sicherlich sehr bemühte, dem aber die grundlegenden Fachkenntnisse fehlten. Meines Erachtens sollte jeder Verein im höherklassigen Bereich, also auch in der Bayern- oder Landesliga, einen eigenen Torwarttrainer beschäftigen. Für jeden Torwarttrainer der Frauen-Bundesliga ergibt sich ein tolles und spannendes Arbeitsumfeld, in dem man mit wirklich talentierten und sehr gut ausgebildeten Torfrauen zusammenarbeiten kann.

torwart.de: Hauptberuflich arbeiten Sie Vollzeit bei einem großen Automobilhersteller in München und haben somit nicht unbegrenzt Zeit für Ihre Position beim FC Bayern. Wie viel Zeit pro Woche investieren Sie in die Vereinsarbeit?

Kargus: Hier summiert sich natürlich so einiges: Zu guten zehn Stunden Training kommt natürlich noch die Zeit für ein Punkt- oder Pokalspiel hinzu. Und Reisen zu Auswärtsspielen, gerade zum HSV oder nach Potsdam, verschlingen auch zahlreiche Stunden. Auch die Planung einer Trainingseinheit erfordert natürlich Zeit.

torwart.de: Gibt es Kontakte zu den männlichen Bundesligaprofis des FC Bayern?

Kargus: Eigentlich nicht, allerdings hatte man uns eine Besichtigung in dem neu entwickeltem Leistungszentrum zugesagt. Durch unsere guten Tabellenplatzierungen (speziell in diesem Jahr) ist der Stellenwert des Frauenteams im Verein enorm gestiegen. Ein geduldetes Anhängsel im Verein sind wir schon lange nicht mehr.

torwart.de: Was macht für Sie einen guten Torhüter aus?

Kargus: Ein guter Torwart vereint zahlreiche Qualitäten auf sich: So ist er ein Einzelkämpfer, der aber auch stets mannschaftsdienlich spielen muß. Er sollte körperlich topfit sein, eine gute Ausstrahlung besitzen und neben der Fähigkeit, ein Spiel lesen zu können, auch entsprechende Feldspielerqualitäten aufweisen.

torwart.de: Wer ist Ihre persönliche Nr. 1 – sowohl bei den Männern, als auch bei den Frauen?

Kargus: Auf einen einzigen Sportler möchte ich mich nicht festlegen, denn es gibt so viele Keeper, die Außergewöhnliches geleistet haben oder noch aktiv sind. Sepp Maier war ein Welttorhüter, der selbst die kuriosesten Schüsse noch pariert hat oder im Spiel immer ein Späßchen auf Lager hatte. Bei Petr Cech gefällt mir, wie kompromisslos er bei Flanken vorgeht. Und Edwin van der Saar gibt für mich persönlich einen ganz eigenen Maßstab von dem vor, wie sich ein spielender Torwart auf dem Platz präsentieren kann. René Adler hingegen ist von seinem Spiel und seinen Anlagen her der momentan kompletteste Torhüter. Bei den Frauen imponiert mir bei Nadine Angerer, wie resolut sie sich beim Herauslaufen zeigt und weder sich, noch die Gegnerin schont. Und auch Silke Rottenberg hatte in ihrer leider jetzt beendeten Laufbahn schon viele Spiele, die sie durch ihre Klasse ganz alleine gewonnen hat.

torwart.de: Herr Kargus, wir danken für das Interview und wünschen weiterhin viel Erfolg!
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