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"Hautnah" bei torwart.de

F. Hoek: "Neuer und Stekelenburg nicht vergleichbar"

von Tobias Schlitzke


F. Hoek (Foto firo)

Noch in der letzten Saison war der Holländer Frans Hoek Torwarttrainer beim FC Bayern München. Mit großen Plänen kam er zum deutschen Rekordmeister. Dann endete sein Engagement vorzeitig. torwart.de erzählt er die Hintergründe, über seine Arbeit bei den Bayern und gab ein Einblick in seine aktuelle Arbeit.

torwart.de: Herr Hoek, um ihre Person ist es still geworden. Was machen Sie aktuell?

Frans Hoek: Für einen Verein arbeite ich zurzeit nicht. Ich reise aktuell sehr viel und schaue mir viele Länder und Vereine an. Mein Fokus liegt dabei darauf, die diversen Vereine genauer unter die Lupe zu nehmen und auch Erfahrungen von diversen Trainern mitzunehmen. Auch schaue ich mir viele Spiele an. Nebenbei arbeite ich an einem Multimedia-Projekt für Trainer, Torwarttrainer, Torhüter und für alle, die mehr Informationen über das Torwartspiel und das Torwart-Training haben möchten, an einem Buch für Torhüter, einer DVD-Serie, einer App usw. Momentan habe ich also trotz, dass ich nicht für einen Verein arbeite, viel zu tun.

torwart.de: Die Zeit bei den Bayern war schneller vorbei, als Sie es vielleicht erwartet hätten. Wie sehr bedauern Sie den Abschied dort?

Hoek: Bayern München ist ein toller Verein. Sehr gut organisiert und es herrscht dort eine absolut professionelle Atmosphäre. In allen Bereichen arbeiten Profis. Ich kann nur Komplimente verteilen. Der FC Bayern ist dabei ein Vorbild für alle anderen Klubs auf diesem Level. Natürlich ist es schade, dass ich nicht länger dort arbeiten konnte. Aber das passiert nun mal im Fußball. Ich war nur etwas traurig, weil ich gerne das Projekt, das ich angefangen hatte, gerne beendet hätte. Ich bin auch überzeugt, dass wenn Louis (van Gaal, die Red.) ein bisschen mehr Zeit bekommen hätte, die großen Erfolge schon eingefahren hätte.

torwart.de: Sie wurden damals verpflichtet, um ein langfristiges Torwartkonzept aufzubauen. Welche Aspekte konnten Sie dort einbringen?

Hoek: Das hängt natürlich immer von den Personen und der verfügbaren Zeit ab. Es dauert einige Zeit, die Strukturen und Philosophie im Verein zu kennen. Im zweiten Schritt dann wäre die Integration dieses Konzepts, gemeinsam mit den Vorstellungen des Vereins, in die tägliche Trainingsarbeit erfolgt. Leider aber war dafür keine Zeit mehr. Es dauert immer, bis man die Strukturen und Personen eines Vereins kennen lernt.

torwart.de: Wie funktionierte die Zusammenarbeit unterhalb der Bayern-Jugendtrainer im Bereich der Torwartkonzeption?

Hoek: Dazu kam es leider nicht mehr.

torwart.de: Haben es junge Torhüter beim FC Bayern besonders schwer, sich im Profibereich zu entwickeln?

Hoek: Wenn man in die Vergangenheit blickt, kann man diese Frage nur schwer beantworten. Die Anforderungen sind natürlich beim FC Bayern äußerst hoch und man kann sehen, wie es den Torhütern dort bisher ergangen ist in der Ära von Sepp Maier mit Jean Marie Pfaff und Oliver Kahn, die eine ganze Zeit im Mittelpunkt standen und eine Generation geprägt haben. Dazwischen war es natürlich äußerst schwierig, den richtigen Nachfolger zu finden.

torwart.de: Beim FC Bayern herrschten über eine lange Zeit klassische Strukturen im Torwartbereich durch die langjährige Monopolstellung von Sepp Maier. Haben Sie davon noch etwas bemerkt?

Hoek: Sepp Maier hat einen tollen Job beim FC Bayern absolviert. Man muss sich nur die Torhüter anschauen, die in seine Zeit fielen, und man muss den Hut davor ziehen. Ein Beispiel ist ja auch Thomas Kraft, von dem ich sehr begeistert war und der seine Ausbildung von Sepp Maier bekam.

torwart.de: In Ihr Jahr fiel vor allem das Jahr von Thomas Kraft. Woran ist er beim FC Bayern gescheitert?

Hoek: An der Geduld. Die hatte er nicht unbedingt. Ich bin überzeugt, dass er sich noch durchsetzen hätte können beim FC Bayern.

torwart.de: Manuel Neuer konnte bisher nicht ganz an seine Weltklasseleistungen bei den Bayern anknüpfen. Das Spiel dort ist durchaus anders als bei Schalke. Man hat weniger Aktionen, bei denen man aber hellwach sein muss. Wie kann man ein Torhüter darauf vorbereiten bzw. ihm helfen, sein Spiel umzustellen?

Hoek: Neuer gehört zur absoluten Weltklasse und es ist natürlich so, dass er sein Spiel umstellen musste, als er zu den Bayern kam. Du musst beim FC Bayern ständig deine Spitzenleistung abrufen können. Da musst du dich anders vorbereiten auf das Spiel und auch das Training muss umgestellt. Wichtig ist vor allem, dass du dein Spiel dem FC Bayern anpasst. Aber mit seinen Qualitäten dürfte das im Normalfall kein großes Problem für die Zukunft sein.

torwart.de: Wie schaut Ihre eigene Philosophie in Bezug auf das Torwartspiel aus?

Hoek: Ganz einfach: Das was das Spiel oder die Mannschaft vom Torwart verlangt, muss er erfüllen. Dazu: Was bedeutet diese Schlussfolgerung auf sein eigenes Spiel? Dann: Wie schaut dazu sein aktueller Status? Wo muss er sich noch verbessern? Am Ende muss er seinen kurzfristigen Plan aufstellen, da du ja sofort deine Spiele gewinnen musst und einen langfristigen Plan, wie du deine allgemeinen Qualitäten verbessern kannst.

torwart.de: Inwiefern spielen auch theoretische Übungen, wie Taktiktraining usw. in Ihr Training mit ein?

Hoek: Das ist auf jeden Fall ein zentraler Baustein meiner Philosophie und findet regelmäßigen Einfluss in meine Trainingsarbeit.

torwart.de: Der Torhüter ist heute auch erster Anspielpartner im Offensivspiel bzw. leitet die Offensivaktionen ein. Wie wichtig ist es, die Torleute aktiv auch in die Taktikplanung des Offensivspiels einzusetzen?

Hoek: Wenn man sich ein Spiel anschaut sieht man, dass die Arbeit des Torwarts größtenteils auf das Offensivspiel gerichtet ist. Ein Victor Valdes z.Bsp. ist mit 80 Prozent seiner Arbeit beschäftigt das Offensivspiel aufzubauen.

torwart.de: Junge Torhüter müssen heute auch gute Feldspieler sein. Inwiefern fließt dieser Aspekt in Ihre Arbeit mit ein?

Hoek: Ein Torhüter muss heute tatsächlich Allrounder sein und das komplette Spiel verstehen. Vor allem in der Umschaltung von Abwehr-Offensiv-Verhalten muss er immer hellwach sein und das Spiel frühzeitig lesen können.

torwart.de: Ab welchem Alter macht es für einen Torwart Sinn, sich auf seine Torwartposition festzulegen?

Hoek: Das muss noch gar nicht so früh sein. Etwa zwischen acht und zwölf Jahren reicht das.

torwart.de: Und ab wann sollte er zu einem Profiklub in den Jugendbereich wechseln?

Hoek: Meiner Meinung nach ab 16. Ich hatte Pepe Reina und Victor Valdes mit 16 Jahren und Edwin van der Sar mit 18 trainiert. Da hatte ich noch genug Zeit sie zu beeinflussen, da ich ja täglich mit ihnen auf den Platz stand.

torwart.de: Wie sehen Sie das Torhüterscouting im Jugendbereich aufgestellt? Gibt es hier noch Verbesserungsbedarf?

Hoek: Scouting ist die Basis einer erfolgreichen Torwartkonzeption. Wenn du dort einen guten Job machst, dann hast du zu 50 oder sogar mehr Prozent bereits Erfolg. Das Scouting sollte auf jeden Fall im Fokus stehen und nicht vernachlässigt werden.

torwart.de: Die holländische Torwartschule war lange geprägt von Edwin van der Sar. Wie sind die Holländer in der Breite aufgestellt im Bereich der Torhüter?

Hoek: Nicht gut. Nicht jeder Klub braucht einen van der Sar, weil jeder Verein eine andere Philosophie hat. In der Breite aber funktioniert das noch nicht in Holland. Ajax Amsterdam hat aber einen guten Job gemacht und viele gute Keeper hervor gebracht mit Menzo, van der Sar, Steklenburg und einigen anderen Jugendkeepern. Ajax ist hierbei eine positive Ausnahme.

torwart.de: In Deutschland gibt es eine große Breite an jungen Torhütertalenten. Gibt es ähnliche Entwicklungen auch in anderen Ländern Europas?

Hoek: Das ist von Land zu Land verschieden. Es hängt auch immer davon ab, was passiert wenn sie auf professionellem Niveau spielen und welche Art und Torhütern verlangt ist.

torwart.de: In welchem Bereich sehen Sie noch Nachholbedarf im Bereich der Trainingsorganisation in Deutschland?

Hoek: Es gibt immer etwas zu verbessern, weil sich das Spiel so schnell verändert. Deutschland hat aber viele gute Torhüter und vor allem viele junge Torhüter. Ich denke, dass sich hier niemand große Gedanken machen muss.

torwart.de: Danke, Herr Hoek!

Hoek: Bitte sehr!


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