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Daniel Klewer (1. FC Nürnberg) "Hautnah" bei torwart.de (03.05.13)

"Der Gewinn des DFB-Pokals mit dem Klub war mein Karrierehöhepunkt!"

von  Henrik Stadnischenko


Daniel Klewer (Foto 1. FCN)

Daniel Klewer ist seit der Saison 2010/2011 für den Torhüter-Nachwuchs des 1.FC Nürnberg zuständig. Mit torwart.de sprach der gebürtige Rostocker über seine „Liebe“ Hansa, den Gewinn des DFB-Pokals und seine Aufgaben als Torwarttrainer.

torwart.de: Daniel, wenn wir den 16. März 2002 in den Raum werfen, was fällt dir spontan dazu ein?

Daniel Klewer: Ich denke an diesem Tag war mein erstes Bundesligaspiel, noch im alten Müngersdorfer Stadion, gegen den 1.FC Köln. Ich wurde in der zweiten Halbzeit beim Stand von 2:2 für Perry Bräutigam eingewechselt, der die Rote Karte gesehen hatte. Leider ging das Spiel noch mit 2:4 verloren, aber trotzdem überwiegen natürlich die positiven Erinnerungen.

torwart.de: Hast du damals gedacht, jetzt habe ich meinen Durchbruch geschafft?

Klewer: Als ernsthaften Bundesliga Spieler habe ich mich erst eine Woche später gefühlt. Ich durfte mein erstes Spiel von Anfang an, gegen den HSV, bestreiten. Es hieß am Ende 1:1-Remis und ich wurde in den lokalen Medien zum „Spieler des Spiels“ gewählt.

torwart.de: Du hast bei Hansa Rostock mit erfahrenen Spielern wie Martin Pieckenhagen, Perry Bräutigam oder auch Matthias Schober zusammen gespielt, wie war das Verhältnis untereinander?

Klewer: Ein angenehmer Nebeneffekt des letztgenannten Spiels war, dass der Torhüter des HSV, Martin Pieckenhagen hieß. Ich hatte stets das Gefühl, dass er mich unterstützen wollte. Er hat mich in den gemeinsamen Jahren in Rostock am meisten geprägt. Vor allem mit seiner Leidenschaft, Aggressivität und hundertprozentige Hingabe für diesen Beruf. Aber auch Perry, in seiner Zeit als Torwarttrainer, war ein wichtiger Ansprechpartner für mich.

torwart.de: Wie war deine Zeit in Rostock? Wie schwer ist es dir gefallen, Hansa 2004 in Richtung Nürnberg zu verlassen?

Klewer: Als ich zum damaligen Zeitpunkt die Koffer packte und Richtung Nürnberg fuhr, war ich 27 Jahre alt. 21 Jahre davon hatte ich mit Herz und voller Hingabe für Hansa gespielt. Ich denke mehr brauche ich wohl nicht dazu zu sagen.

torwart.de: Damals haben die Rostocker noch in der Bundesliga gespielt, nun „krepeln“ sie in der dritten Liga rum. Wie betroffen macht dich diese Entwicklung?

Klewer: Wie das nach ein paar Jahren wahrscheinlich normal ist, verliert man mit der Zeit einige Emotionen. Dennoch bin ich sehr stolz darauf, mit Rostock in der ersten Bundesliga gespielt zu haben. Damals haben der Verein bzw. die Verantwortlichen wirklich gute Arbeit geleistet. Um einschätzen zu können, was zur momentan schwierigen Situation geführt hat, war ich in den letzten Jahren zu weit weg. Betroffen macht es mich natürlich trotzdem.

torwart.de: Wie enttäuscht und traurig bist du, das der große Durchbruch weder in Rostock noch beim 1. FC Nürnberg geschafft wurde?

Klewer: Ganz im Gegenteil, ich bin sehr stolz auf meine sportliche Laufbahn. Ich war seit 1997 bis zum Jahr 2011 in der ersten Bundesliga aktiv (nur 2008/2009 zweite Liga), habe ein Jahr Europa-League mitgemacht und den DFB-Pokal gewonnen. Was soll mich rückblickend da traurig machen?! In meiner Funktion als Torwarttrainer im Nachwuchsleistungszentrum sehe ich täglich viele talentierte Spieler, von denen es nur die wenigsten in den bezahlten Fußball schaffen werden. Ich sehe es als etwas Besonderes an, dass ich meine größte Leidenschaft zum Beruf machen durfte.

torwart.de: In Nürnberg wirst du bis heute als „Elfmeterkiller“ gefeiert. Welche Erinnerungen und Gefühle hast du an den DFB-Pokal 2006/2007?

Klewer: Das war das Highlight meiner Karriere. Einen Titel zu gewinnen, ist das wovon alle Sportler träumen. Ich habe fast nicht mehr daran geglaubt, da ich in Mannschaften gespielt habe, die eigentlich mehr oder weniger gegen den Abstieg gekämpft haben. Eine tolle Entwicklung hat unsere Truppe damals gemacht unter dem einzigartigen Hans Meyer. Dass ich noch dazu einen wertvollen Beitrag leisten durfte macht die Sache sicher nicht unangenehmer.

torwart.de: Mittlerweile hast du deine Karriere beendet und bist Torwarttrainer in der Jugend des 1.FCN. Wie kam es zu dieser Aufgabe?

Klewer: Im Jahr 2010 wurde ich von Alexander Stephan als zweiter Torhüter abgelöst. Ich musste mich entscheiden noch ein paar Jahre in einem anderen Team zu spielen oder eine Aufgabe beim Club zu besetzen. Ich habe mich schließlich entschlossen, die neu entstandene Stelle als Torwarttrainer im Nachwuchszentrum des 1.FCN anzunehmen. Ich würde es immer wieder so tun und bin sehr glücklich mit dem, was ich tue.

torwart.de: Was zeichnet deiner Meinung nach einen guten Torwarttrainer aus?

Klewer: Wichtig ist es, die individuellen Fähigkeiten eines Torwarts zu analysieren und ein entsprechend zugeschnittenes Training zu erstellen. Hierbei sollte man auf der einen Seite Trainer, aber auch eine Art Mentor und Vertrauensperson sein. Meine Torhüter sollen neben der technischen Vermittlung der Trainingselemente auch in ihrer Persönlichkeit entwickelt werden. Dabei ist es enorm wichtig, geforderte Werte vorzuleben und torwartrelevante Eigenschaften, in individuellen Gesprächen, zu vermitteln.

torwart.de: Wie bildest du dich als Torwarttrainer weiter?

Klewer: Einerseits habe ich zunächst die Trainer-B-Lizenz erworben. Darauf soll zeitnah die A-Lizenz und der Torwarttrainer Leistungskurs, beim DFB, folgen. Auf der anderen Seite versuche ich, für mich interessante Spielsituationen aus Spielbeobachtungen zu filtern, um daraus spielnahe Trainingsübungen zu entwickeln.

torwart.de: Was machst du damit im Trainingsalltag keine Langeweile aufkommt?

Klewer: Wie eben schon angesprochen, versuche ich immer wieder, Abwechslung durch neue oder veränderte Trainingsformen in den Alltag zu bringen, ohne unseren Ausbildungsplan aus den Augen zu verlieren. Andererseits kommt eher wenig Langeweile auf, weil die Keeper ihre Ziele klar vor Augen haben und an diesen sehr professionell arbeiten.

torwart.de: Welche Schwerpunkte setzt du in deinem Training?

Klewer: Der Fokus liegt ganz klar in den jüngeren Jahrgängen auf der Vermittlung der technischen Grundlage. Mit zunehmenden Alter werden die Keeper mehr und mehr im konditionellen (Kraft/Explosivkraft) Bereich geschult, um die erlernten Techniken später im höchstmöglichen Tempo auszuführen. Darauf aufbauend begleite ich meine Torhüter in den Trainingseinheiten der Mannschaften, um dort viele taktische Dinge zu erarbeiten und gegebenenfalls auch psychologisch einzuwirken.

torwart.de: Wichtig ist in deinem Training das Thema „Psychologie“ und mentale Stärke?

Klewer: Die psychologische Arbeit ist im Bereich Torhüterausbildung eine ganz interessante Aufgabe. Hierbei kann ich natürlich auf Grund selbsterlebter Erfahrungen helfen. Der Torhüter hat nun mal eine ganz spezielle Position, die eine gewisse mentale Stärke und großes Selbstbewusstsein voraussetzt. Vor allem hier versuche ich, wie Eingangs erwähnt, für die Torhüter als eine Art Mentor zu fungieren. Zusätzlich gibt es in unserem Nachwuchszentrum einen ausgebildeten Psychologen, der sich zudem mit den Spielern auseinandersetzt.

torwart.de: Welcher von deinen Spielern hat das Zeug dazu Bundesligaspieler zu werden?

Klewer: Das ist schwer zu sagen, es hat erst vor kurzem mit Benjamin Uphoff, der erste einen solchen Kontrakt unterschrieben. Unser Anspruch ist, dass jeder Torhüter, der aus der Jugend in den Seniorenbereich übertritt mindestens das Niveau für die 4. Liga besitzt. Wünschen würde ich mir natürlich, dass jeder meiner Jungs sein Brot mit dem Fußball verdient. Dies ist aber nicht realistisch.

torwart.de: Welche Ratschläge oder Tipps gibst du deinen Spielern mit auf den Weg?

Klewer: Sie sollen sich von nichts abhalten lassen ihre großen Träume zu realisieren, auch wenn die Chance auf deren Verwirklichung manchmal sehr klein erscheint. Absoluter Wille und Fleiß machen oft scheinbar Unmögliches möglich.

torwart.de: Daniel, wir wünschen Dir für Deine weitere Trainerlaufbahn alles Gute

Klewer: Vielen Dank!


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