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Dennis Rudel "Hautnah" bei torwart.de (10.10.13)

„Der Sprung ins internationale Profigeschäft ist sehr reizvoll!“

von Marcel Schäfer/Carsten Merz


Dennis Rudel (Foto Kaizer Chiefs)

Dennis Rudel ist seit Juni Torwarttrainer beim südafrikanischen Spitzenverein Kaizer Chiefs. Davor trainierte er vier Jahre die Torhüter der U23 und U19 des VfL Wolfsburg. Im Interview mit torwart.de spricht Rudel u.a. über die neue Herausforderung in Südafrika, die Unterschiede zur Arbeit in Deutschland und das Leben in Johannesburg.

torwart.de: Wie bewertest du die Station Wolfsburg rückblickend?

Dennis Rudel: Ich hatte vier tolle und schöne Jahre in Wolfsburg. Nach meinen ersten zwei Jahren als Torwarttrainer bei den Stuttgarter Kickers war der Schritt nach Wolfsburg genau der richtige. Ich hatte die Möglichkeit, bei einem der besten Bundesligavereine, was Infrastruktur, Trainingsbedingungen und das sehr moderne Nachwuchs-Leistungszentrum (NLZ) betrifft, zu arbeiten. Auch wenn mit der U23 zweimal der Aufstieg in die 3. Liga knapp verpasst wurde, war es mit zwei deutschen Meisterschaften (2011 und 2013) mit der U19 eine erfolgreiche Zeit.

torwart.de: Wie kam der Wechsel nach Südafrika zustande?

Rudel: Persönlich habe ich mir schon im Januar dieses Jahres meine Gedanken gemacht, da ich mich sportlich zwar wohl gefühlt habe, aber auch nach einer neuen Herausforderung suchte.
Als ich dann schon von zwei deutschen Vereinen Anfragen bekam und auch der VfL mit mir verlängern wollte, meldete sich mein langjähriger Freund und Mentor Rainer Dinkelacker. Er berichtete mir, dass er bei den Kaizer Chiefs aufhören wird und sie daher einen Nachfolger installieren möchten. Dabei würden sie auf seine Empfehlung großen Wert legen. Er hatte mein Interesse geweckt und ich wurde vom Club im März in der Länderspielpause für vier Tage eingeladen, um sich gegenseitig kennen zu lernen. Das war auch für mich wichtig, um ein persönliches Bild für Land, Leute und Gegebenheiten zu bekommen.
Vor Ort ging alles relativ schnell, der Chef-Trainer Stuart Baxter und der Verein wollten mich. Der Vertrag wurde noch vor der Abreise ausgehandelt und kam ein paar Tage nach meiner Ankunft in Deutschland an.

torwart.de: Welche Gründe gaben letztendlich den Ausschlag für die Kaizer Chiefs? War es eine schwierige Entscheidung?

Rudel: Wie schon erwähnt suchte ich nach einer neuen Herausforderung. Diese war hiermit im wahrsten Sinne gegeben. Bei einem derart großen und renommierten Club arbeiten zu können und gleichzeitig den Sprung ins internationale Profigeschäft zu schaffen waren ausschlaggebend. Das Gesamtpaket mit neuer Sprache, Lebenserfahrung und persönlicher Entwicklung waren ebenfalls Gründe.
Die Entscheidung fiel mir, bis auf die Planung mit meiner Partnerin wann und wie sie mitkommt, sportlich gesehen leicht. Tolle Stadien von der WM 2010, viele Zuschauer und die Teilnahme an der CAF Champions League waren zudem sportliche Anreize. Genauso, wie die Zusammenarbeit mit einem Nationaltorhüter.

torwart.de: Wie unterscheidet sich die Arbeit in Südafrika mit der in Deutschland?

Rudel: Die tägliche Trainingsarbeit unterscheidet sich nicht wesentlich von der in Deutschland. Die Abläufe in der Trainings Vor- und Nachbereitung sind sehr konzeptionell und professionell aufgestellt und daher für mich vergleichbar mit Deutschland.
Durch die vielen Spiele, die wir hier haben (Liga, 3 Pokalwettbewerbe, ab Februar 2014 die CAF Champions League) wird, vergleichbar zu England, weniger trainiert und mehr gespielt. Dadurch ist die Intensität dosierter und auf die Spiele zielgerichtet. Somit ist es für mich keine große Umstellung sondern eher eine Anpassung an die Gegebenheiten.

torwart.de: Gibt es Unterschiede in der Mentalität der Spieler?

Rudel: Die sind naturell bedingt natürlich gegeben. Die Disziplin und Einstellung muss schon immer eingefordert werden. In Deutschland funktioniert das meist von alleine. Hier braucht man schon etwas Geduld bzw. man muss die Spieler immer mal wieder darauf hinweisen.
Man sollte auch nicht zu streng sein und immer versuchen es auf sachliche Art und Weise rüberzubringen. Mit Schreien oder zu viel Strenge erreicht man bei den Afrikanern gar nichts. "Dealing with emotions " sagt man hier dazu. Wichtig ist ein Gespür zu finden, um die Jungs zu erreichen. Das ist in Deutschland auch so, aber die Mentalität hier ist eben anders. Daher muss man seinen persönlichen Weg finden, um die Torhüter erfolgreich coachen zu können.

torwart.de: Wie sind die Trainingsbedingungen?

Rudel: Die sind bei den Kaizer Chiefs absolut vergleichbar mit denen in der Bundesliga. Wir haben ein eigenes Trainingsgelände "Kaizer Village" mit zwei Top Rasenplätzen alleine für die Profis. In Kürze wird ein neues Gym Centre eröffnet, welches mit Kraftraum, Fitnesshalle, Sauna und Schwimmbad nochmal neue Möglichkeiten eröffnet. Für südafrikanische Verhältnisse ist das absolut einzigartig.

torwart.de: Wie ist das Verhältnis und die Zusammenarbeit mit dem Cheftrainer?

Rudel: Das Verhältnis zu unserem Cheftrainer Stuart Baxter ist sehr angenehm. Ich komme mit ihm persönlich super aus und er weiß Disziplin und Akribie sehr zu schätzen. Aber das liegt uns Deutschen ja (lach)… Er behandelt jeden sehr respektvoll und vertraut mir in meiner Arbeit als TW-Trainer. Ein echter „English Gentleman“. Man kann natürlich auch sehr viel von ihm lernen, seine internationalen Erfahrungen sprechen für ihn.

torwart.de: Mit wie vielen Torhütern arbeitest du normalerweise?

Rudel: Wir haben in unserem Profikader drei Torhüter, wobei wir momentan auch noch einen jungen, talentierten, südafrikanischen Mann suchen. Dadurch, dass Itu Khune des Öfteren bei der Bafana weilt, könnten wir dann immer mindestens mit drei Torhütern arbeiten. So sind es in der Regel 3-4 Torhüter, was auch üblich ist. Man kann so gezielt mit 1-2 individuell arbeiten, sobald 2 Torhüter ins Mannschaftstraining einbezogen sind.

torwart.de: Kannst du schon etwas über die Qualität der Torhüter sagen?

Rudel: Unsere Nr. 1 Itu Khune ist ein absoluter Spitzentorhüter. Er ist Kapitän bei Chiefs und ebenso in der Nationalmannschaft. Ein Aushängeschild in Südafrika. Ich stufe ihn in die internationale Spitze ein. Er wurde im August im FIFA Ranking Player auf Platz 45 gewählt. Absolut beachtlich!
Dahinter haben wir zwei talentierte Torhüter mit 23 und 21 Jahren. Sie könnten meiner Meinung nach in Deutschlands 2. oder 3. Liga eingestuft werden. Beide nehmen sich nicht viel. Brilliant Khuzwayo (23) ist der etwas talentiertere von beiden. Ryaad Pietersee (21) ist mehr der Arbeiter und mit 1,92 m auch sehr groß.
Wir haben uns speziell diese Saison auf keine feste Nr. 2/3 festgelegt, um die Konkurrenzsituation der beiden so hoch wie möglich zu halten. Das soll die Entwicklung der beiden fördern und wir entscheiden nach Trainingsleistungen wer im Kader steht.
Falls in Kürze der vierte Torhüter dazu kommt, soll er im Training bei uns dazu lernen und in der U 19 Castle League Spielpraxis sammeln. Er passt dann mit 18-19 Jahren auch perfekt in die Altersstruktur im Goalkeeper Department.

torwart.de: Bis Ende des Jahres arbeitest du noch mit Rainer Dinkelacker, dem bisherigen TW-Trainer zusammen. Wie sieht eure Aufgabenteilung aus?

Rudel: Ja richtig. Dies hat folgenden Hintergrund: Der Verein wollte, dass Rainer seinen Nachfolger noch 6 Monate einarbeitet bzw. ihm als Unterstützung zur Seite steht. Das war für mich auch ein entscheidender Aspekt, um das Abenteuer Südafrika anzugehen, da es schon ein riesiger Vorteil ist, einen Bekannten an seiner Seite zu haben, der über so viel Erfahrung verfügt und einem das Einarbeiten sowie insbesondere das Einleben vereinfacht. Es kamen doch sehr viele neue organisatorische Dinge auf einen zu wie Sprache, Linksverkehr, Arbeitserlaubnis etc.
Die Arbeit sieht noch bis Ende des Jahres wie folgt aus. Rainer stellt das Trainingsprogramm zusammen, begleitet mich auf dem Trainingsplatz und unterstützt mich. So bekomme ich einen Überblick, wie die Torhüter bisher ausgebildet wurden, welche Übungen gemacht wurden und auf was speziell Wert gelegt wurde. Ich praktiziere dann mehr und übernehme das Schießen. Ab Oktober lasse ich dann meine Trainingsplanung- und Gestaltung immer mehr einfließen. Bei den Spielen bin ich seit Saisonbeginn alleine dabei und leite auch das Aufwärmen.
Wir kommunizieren insgesamt sehr offen und das Ganze funktioniert reibungslos und perfekt.

torwart.de: Habt ihr die gleiche Philosophie bzw. Vorstellungen vom Torwartspiel?

Rudel: Ja, da sind wir der absolut gleichen Meinung und haben die gemeinsamen Vorstellungen. Ansonsten hätten wir das auch nicht in der Form machen können. Und sonst wäre ich auch nicht bei den Kaizer Chiefs.

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