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"Hautnah" bei torwart.de

D. Thiel: "Viel von Rüdiger Vollborn erlernt"

von Tobias Schlitzke


David Thiel (Foto: firo)

David Thiel ist erst 28 Jahre alt. Doch schon jetzt ist er der Torwarttrainer des Bundesligisten Bayer 04 Leverkusens. Bei torwart.de gibt er exklusiv Einblick in die Torwartkonzeption des Werksvereins und erzählt, wie er im jungen Alter schon erste Trainerstunden gab.

torwart.de: David, mit 28 Jahren bist du relativ jung für einen Job als Torwarttrainer. Wie kam es dazu?

David Thiel: Das stimmt, dass diese Position normalerweise mit etwas älteren Leuten besetzt ist. Auf der anderen Seite bin ich schon seit über 10 Jahren als TW-Trainer dabei und konnte mich gerade in den letzten Jahren sehr intensiv mit dem TW-Spiel auseinandersetzten. In der Nachfolge von Rüdiger Vollborn hat mir der Verein dann diese tolle Möglichkeit gegeben

torwart.de: Wie kam es dazu?

Thiel: Ich habe sehr früh mit dem Torwarttraining angefangen. Mit 17 wurde ich von Rüdiger Vollborn gefragt, ob ich nicht Lust hätte, die Jüngsten im Verein zu trainieren. Damals war ich B-Jugendlicher. Das machte mir ziemlich viel Spaß und so blieb ich dabei. Danach habe ich von Stufe zu Stufe immer eine Jugend höher trainiert… Zuletzt hatte ich die Verantwortung für die Jugendausbildung.

torwart.de: Gab es dabei keine Überschneidungen mit deiner eigenen Karriere?

Thiel: Es hat sich super ergänzt. Zeitlich haben die Jüngsten vor uns trainiert, so habe ich am Ende eher davon profitiert. Und auch als ich nach der A-Jugend zwischenzeitlich mal zwei Jahre nicht im Verein gespielt habe, konnte ich parallel weiterhin die Torhüter bei Bayer 04 trainieren.

torwart.de: Ganz nach oben hast du es selbst nicht geschafft.

Thiel: Stimmt. Die Regionalliga war für mich das höchste der Ligen. Dennoch habe ich bei Bayer 04 die komplette Schule bis zur A-Jugend durchgemacht, wo dann aber René Adler vor mir war. Dort bekam ich dann weniger Einsätze und so ging ich für zwei Jahre nach Bergisch Gladbach, bevor ich wieder zur 2.Mannschaft von Bayer 04 zurückkehrte.

torwart.de: Wie ging dann der Weg weiter für dich?

Thiel: Irgendwann kam dann das Angebot vom Verein, ob ich den Job des Torwarttrainers Vollzeit für Jugend und Amateure machen möchte. Da war ich 24 und da macht man sich natürlich schon Gedanken, ob man wirklich so früh aktiv aufhören möchte. Für mich war das dann aber relativ schnell klar, da ich realistisch einschätzen konnte, dass es bis zur 1. Bzw. 2 Liga nicht reichen würde und ich besser in der Vermittlung von Inhalten bin.

torwart.de: Ein Vorwurf, der aufkommen könnte, wäre, dass dir die praktische Erfahrung eines BL-Keepers fehlt.

Thiel: Ganz theoretisch bin ich ja auch nicht unterwegs. Klar, ich kann niemandem erzählen, was es heißt in der Bundesliga auf dem Platz oder in einem Champions-League-Finale zu stehen. Aber ich weiß, was es heißt im Tor zu stehen und kann Situationen analysieren und dann im Training umsetzen. Ich glaube, dafür muss man nicht unbedingt BL gespielt haben.

torwart.de: Wo kann es von Vorteil sein, dass du noch relativ jung bist gegenüber deinem Torwartteam?

Thiel: In meiner Situation ist es so, dass ich ein sehr junges Torwartteam um Bernd Leno habe. Da bin ich durch mein Alter durchaus näher dran an den Jungs. Ob es inhaltlich aber auch von Vorteil ist, kann ich nur schwer beurteilen.

torwart.de: Was zeichnet dein Torwarttraining aus?

Thiel: Im Grunde arbeiten wir im Torwarttraining ganz normal an den Bereichen Torverteidigung, Raumverteidigung und Spielfortsetzung. Dabei nehmen TW-technische Abläufe und koordinative Formen einen bestimmten Stellenwert ein. Zudem gilt es die Abläufe auf spielnahe Situationen zu übertragen. Dabei spielt dann neben dem Stellungsspiel auch Antizipations-, Wahrnehmungs- und Entscheidungsfähigkeit eine wichtige Rolle.

torwart.de: Schaust du dich auch sportübergreifend nach Trainingstechniken um?

Thiel: Für sowas bin ich immer offen, in den acht Wochen Vorbereitung wurde es aber noch nicht gemacht. Im Jugendbereich haben wir aber durchaus mal sportübergreifend trainiert. So waren wir z.B. mal beim Boxen mit den jungen Torhütern.

torwart.de: Beim Boxen?

Thiel: Ja, vor allem die Bein- und Armkoordination bzw. auch die hohe Wahrnehmungsfähigkeit sind bei den Sportarten sehr ähnlich.

torwart.de: Wie waren deine Eindrücke davon?

Thiel: Es kam richtig gut an. Allerdings war es schwer, das zeitlich in den Trainingsplan zu verpacken. Du hast eben nicht so viel Zeit neben der Schule und Ausbildung der Torhüter. Nach ca. acht Wochen mussten wir es dann wieder einstellen, aber ich würde es jederzeit wieder machen.

torwart.de: Gibt es bei Bayer 04 auch Patenschaften zwischen jüngeren und älteren Torhütern?

Thiel: Direkte Patenschaften gibt es nicht. Aber Torhüter wie René Adler, Fabian Giefer oder Benedikt Fernandez haben in der Vergangenheit immer wieder mal im Ausbildungsbereich vorbeigeschaut und den jungen Torhütern Input gegeben. Und den Ansatz, jüngere Torhüter mal im Profibereich mittrainieren zu lassen, verfolge ich durchaus.

D. Thiel & das Trainerteam (Foto Firo)

torwart.de: Du bist die Nachfolge von Rüdiger Vollborn angetreten. Ist das eine große Bürde für dich?

Thiel: Es gab für mich ja eine Übergangsphase mit ihm. Rüdiger Vollborn hat hier sehr gute Arbeit geleistet, ich konnte sehr viel von ihm erlernen. Ich bin ja auch seiner Schiene entsprungen. Klar, konnte ich einiges von ihm übernehmen, aber ich versuche auch, eigene Schwerpunkte zu setzen.

torwart.de: Wie ist deine Meinung zur Torhütertrainerlizenz, die es ja nun gibt in Deutschland.

Thiel: Für mich ist die Ausbildung der Torwarttrainer eine wichtige Sache. Ich habe mich lange damit beschäftigt und zwei dieser Lizenzen absolviert, die Basis-Lizenz bilde ich selbst aus. In Zukunft soll es noch eine dritte Stufe geben – die Profilizenz. Qualitätsstandards zu haben ist wichtig. Da stecken wir aber noch in den Kinderschuhen und dort wird sich in Zukunft noch einiges tun.

torwart.de: Wie wichtig sind Videoanalysen für dich?

Thiel: Die Videoanalyse ist ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit. Nach den Spielen werten wir die Leistungen der Torhüter ohnehin aus, aber auch im Training setzen wir es gezielt ein. Im Lizenzbereich ist das natürlich einfacher als bei den Jugendmannschaften, weil man dort auf mehr Filmmaterial zurückgreifen kann.

torwart.de: Kümmerst du dich auch um das Scouting?

Thiel: Im letzten Jahr hatte ich das ganz intensiv gemacht sowohl für den Lizenz- als auch für den Jugendbereich und werde dies auch weiterhin tun.

torwart.de: Wie seid ihr im Verein mit den Torwarttrainern aufgestellt?

Thiel: Es gibt vier weitere Torwarttrainer im Verein. Einer davon ist hauptamtlich tätig. Wir fahren dabei eine einheitliche Linie. Ich denke, es ist immer ungünstig, wenn man mehrere Torwarttrainer hat und diese eine jeweils andere Auffassung des Torwartspiels haben. Von daher bin ich ganz froh, dass wir eine klare Linie haben, wobei aber natürlich jeder auch seinen eigenen Touch mit einbringen soll.

torwart.de: Wie sieht ein Anforderungskatalog für einen jungen Torhüter in der Jugend aus, der zu euch möchte? Wie wichtig ist dabei beispielsweise die Größe?

Thiel: Wir haben gewisse Anforderungsprofile für die einzelnen Altersbereiche, die im Detail jetzt aber zu weit gehen würden. Zum Stichwort Größe: Für uns ist das nicht allesentscheidend, aber ein Torwart mit 170cm Größe wird es natürlich schwer haben, sich durchzusetzen. Ein kleinerer Torwart um 185cm Größe kann aber auch gewisse Qualitäten mit sich bringen. Wir legen dabei Wert auf eine gute TW-Technik, aktive Raumverteidigung und präzisen Spielaufbau.

torwart.de: Es kommt immer häufiger der Vorwurf auf, der moderne Keeper sei zwar gut beim Mitspielen, aber auf der Linie vernachlässige er mittlerweile seinen Job. Wie stehst du dazu?

Thiel: In Deutschland sind wir immer noch in diesem Bereich sehr gut aufgestellt. Aber es stimmt: Wichtig ist, dass der Torwart die Bälle auf der Linie hält. Es hat niemand was davon, wenn der Torwart einen guten Ball spielen kann, aber auf der Linie patzt. Deshalb ist das wichtigste, immer noch ganz altmodisch, die Torverteidigung. Unter dem Strich aber muss der Torwart heute mehr leisten als früher, das Spiel ist etwas komplexer geworden. Denn natürlich wird von ihm auch ein sicheres Flankenspiel erwartet, was sicherlich zu den schwierigsten Situationen zählt, da sowohl Material als auch Technik der Spieler in den letzten Jahren immer besser und unberechenbarer geworden sind. Und zuletzt muss ein Torwart nicht nur gute fußballerische Fähigkeiten besitzen, sondern auch noch ein Verständnis für den richtigen Spielaufbau mitbringen.

torwart.de: Kannst du noch etwas zur Arbeit mit deiner Nummer eins, Bernd Leno, sagen?

Thiel: Es macht natürlich Riesenfreude, mit ihm zu arbeiten. Er will ständig lernen und anpacken im Training. Bernd verfügt über eine ganz hohe Qualität. Zudem überzeugt mich, dass er einen wirklich guten Charakter besitzt. Trotz des Höhenfluges der letzten Saison blieb er ganz auf dem Boden und setzt sich klare, realistische Ziele.

torwart.de: Wo siehst du dich in fünf bis zehn Jahren?

Thiel: Es ging alles relativ schnell für mich. Natürlich habe ich den Anspruch, immer besser zu werden und auch mich weiter zu entwickeln. Aber im Moment möchte ich mich voll und ganz auf diese Aufgabe konzentrieren. Dabei sehe ich nicht mich an erster Stelle, sondern die Keeper. Das war im Jugendbereich so und ist nun bei den Profis ebenfalls so. Und dabei zählt für mich: Stillstand ist Rückschritt.

torwart.de: Danke für das interessante Gespräch, David.

Thiel: Sehr gerne.


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