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"Hautnah" bei torwart.de

Pascal Formann (VfL Wolfsburg): "Koen braucht nicht lange, um seine gute Form, die er vor der Corona-Krise hatte, wieder abzurufen."

von Marcel Schäfer - Juni 2020


Pascal Formann ((c) vfl-Wolfsburg)

Sieben Spieltage sind nach der Wiederaufnahme der Bundesligasaison bereits wieder gespielt. Pascal Formann, Torwarttrainer der Profis des VfL Wolfsburg, erläutert im torwart.de-Interview wie er und seine Torhüter sich auf den Restart der Saison vorbereiteten, welche Veränderungen das Spielen vor leeren Rängen mit sich brachte, und wie er die Entwicklung der Leistung seiner Torhüter bisher einschätzt.

torwart.de: Was verändert sich für die Torhüter bei den Geisterspielen im Vergleich zu den Spielen mit Zuschauern?

Pascal Formann: Es ist natürlich ein großer Unterschied, ob du in ein leeres Stadion oder in ein vollgepacktes Stadion einläufst. Gerade bei den Auswärtspartien vermisst man die aggressive und zugleich motivierende Stimmung der gegnerischen Fans, die dich als Torwart stark pusht. Ohne Fans im Stadion muss man diesen Kick selber hinbekommen. Ich denke trotzdem, dass die Spieler, wenn sie im Spiel sind, das Drumherum ausblenden und der volle Fokus auf dem Spiel liegt.

Auch wenn es eine besondere Spielsituation ist, schaffen es die Profis auch so ihre volle Leistung abzuliefern.

Durch die gewisse "Stille" im Stadion ist das Coachen der Mitspieler durch die Torhüter sehr gut möglich. Die Torhüter kommen mit ihren Kommandos besser bei den Mitspielern durch. Wir Trainer können in der Spielanalyse den Aspekt des Coaching der Mitspieler durch die Torhüter noch besser mit berücksichtigen. Hier erkennen wir, ob das Coaching zeitlich und inhaltlich richtig war.

Infos zu Pascal Formann:
  • Nationalität: Deutschland
  • Geburtstag: 16.11.1982
  • Geburtsort: Werne, Deutschland
  • Vereine als Trainer:
    Charlton Athletic (Torwart-Trainer, Koordinator Torwartbereich),
    VfL Wolfsburg (Torwart-Trainer U15-U19), Seit 2017 Torwart-Trainer der Profis vom VfL Wolfsburg, UEFA A-Lizenz Torwart-Trainer
  • Vereine als Spieler:
    Duisburg U19, Nottingham Forest, Grantham Town FC, Arminia Bielefeld, 1.FC Saarbrücken, BV Cloppenburg, KSV Hessen Kassel
  • Größe (cm): 188

torwart.de: Seit klar wurde, dass wieder weitergespielt wird, in welchen Bereichen hast Du das Training der Torhüter weiter intensiviert?

Pascal Formann: Generell ändere ich nicht viel im Training. Ich überdenke jedoch viel und hinterfrage auch immer wieder grundsätzliche Dinge. Unabhängig vom Spielausgang halte ich an der Umsetzung des Trainings fest. In der noch spielfreien Zeit vor dem Restart hatten wir mehr Zeit und konnten auch spielnahe Spielsituationen besser nachstellen, soweit dies in Form des Kleingruppentrainings möglich war. Daneben hatten wir in der Corona bedingten Pause auch viele Basics trainiert. Dazu zählt z.B. das Arbeiten in der Grundposition, die Automatisierung der torwartspezifischen Abläufe oder schnelle Positionswechsel und die sehr wichtige Beinarbeit der Torhüter. Wir haben viele abwechslungsreiche Elemente ins Training eingebracht, damit die Jungs auch bei Laune gehalten wurden. Die Vorbereitungsphase vor dem Restart war mit 9 Wochen sehr lange. Wir konnten dabei im Torhüterbereich nicht die komplette Zeit mit höchster Intensität trainieren. Lange Zeit war nicht klar, wann und ob es überhaupt mit der Saison weitergehen würde. Als der Zeitpunkt dann klar war, dass wir wieder spielen würden, mussten wir nur an wenigen Stellschrauben drehen, um uns optimal auf die kommenden Spiele vorzubereiten. Das hat sehr gut geklappt. Unsere vier Torhüter haben alle sehr gut mitgezogen.

Pascal Formann mit seiner Nummer 1: Koen Casteels ((c) vfl-Wolfsburg)

torwart.de: Du bist schon lange im Profigeschäft als Trainer und Spieler tätig. Inwiefern hat die Corona-Pandemie die Einstellungen, das Verhalten, die Gesprächsthemen aus deiner Wahrnehmung verändert?

Pascal Formann: Am Anfang war das Corona-Virus für alle sehr weit weg. Dann wurde aber schnell klar, dass das Thema sehr ernst genommen werden muss. Als das erste Spiel ohne Zuschauer stattfand und dann der Lockdown kam, war Corona allgegenwärtig und das dominierende Gesprächsthema. Die Ungewissheit, ob und wann es weitergehen würden, und besonders die Schicksale vieler Menschen haben uns alle tief bewegt. Inzwischen haben wir uns gut an die neuen Abläufe angepasst, obwohl vieles zu Beginn noch sehr neu und gewöhnungsbedürftig war. Ich denke, wie wir alle die Vorgaben der DFL umsetzen, ist große Klasse und es ist gut, dass wir die Saison zu Ende bringen können.

torwart.de: Ihr hattet bereits ein schweres Auftaktprogramm seit wieder gespielt wird. Wie zufrieden bist du mit deinen Torhütern?

Pascal Formann: In der langen Pause konnten wir lange Zeit nur in Kleingruppen trainieren und individuelles Torwarttraining durchführen. Grundsätzlich haben die Torhüter in dieser Zeit natürlich nichts verlernt. Nichtsdestotrotz zeigte sich besonders am ersten Spieltag, dass die Torhüter noch bestimmte Abstimmungsprobleme hatten. So musste das Gefühl für das große Feld wiedererweckt werden. Bspw. musste der Abstand des Torhüters zur Abwehrkette oder das Mitspielen bei Bällen in die Tiefe wieder optimiert und verfeinert werden. Die Torhüter brauchten ein bis zwei Spiele, um den Spielrhythmus wieder zu bekommen. Wir wussten, dass Koen generell nicht lange braucht, um seine gute Form, die er vor der Corona-Krise hatte, wieder abzurufen. Nach der WM 2018 oder nach Koens längerer Verletzung in dieser Saison war er auch wieder schnell im Bereich der Normalform.

Pascal Formann mit einem torwart.de-Trainingsdummy und einem torwart.de Reaction Shield ((c) vfl-Wolfsburg)

torwart.de: Auch für das Trainerteam sind Geisterspiele sicherlich sehr unterschiedlich gegenüber der Normalität. Was verändert sich dabei für dich als Torwarttrainer im Aufwärmen und während des Spiels?

Pascal Formann: Wie die Spieler haben wir als Trainer die Stimmung in den Bundesligastadien auch immer sehr genossen. Die Emotionen der Fans und die Stimmung z.B. in Dortmund mit 80.000 Zuschauern, war immer etwas sehr Einmaliges. Man muss die Situation jedoch so annehmen, wie sie jetzt ist und den Adrenalinspiegel auf anderem Wege hochhalten. Für uns als Trainer ändert sich in den Abläufen am Spieltag nicht so viel. Beim Aufwärmen der nutzen wir das bisherige Programm und stellen nichts Wesentliches um. Im Spiel kann man mit dem Torhüter sogar bei Bedarf noch besser kommunizieren, da man deutlich gehört wird. So kann man Dinge bereits während der Partie anbringen und muss nicht zwingend auf die Halbzeitpause oder auf das Spielende warten. Die Hilfestellung und das Coaching sind besser möglich während des Spiels.

torwart.de: Manuel Neuer verlängert bis 2023 - Welche Bedeutung hat diese Verlängerung für das Torwartland Deutschland und voraussichtlich auch für die Torwartsituation bei den Bayern?

Pascal Formann: Mich freut es, dass Manuel Neuer seinen Vertrag bei den Bayern verlängert hat und der Bundesliga erhalten bleibt. Neuer ist ein sehr wichtiger Faktor für das Torwartspiel im Allgemeinen. Über all die Jahre hat er die Messlatte für das Torwartspiel sehr hoch gesetzt. Er ist wieder auf einem Weltklasselevel und für die gesamte Torwartsituation in Deutschland sehr wichtig. Mit Marc-André ter Stegen haben wir einen hervorragenden Herausforderer für Manuel Neuer und dahinter auch eine spannende Konstellation mit den jungen Torhütern, wie Alexander Nübel, Markus Schubert und Lennart Grill. Alexander Nübels Transfer zu den Bayern kann ich allerdings nicht ganz nachvollziehen. Ich denke, dass die Spielpraxis für einen Torhüter immer das Wichtigste ist. So lernt der Torhüter im Rhythmus zu bleiben und entwickelt sich besser.

Torwartteam - Casteels, Pervan, Kasten und Formann ((c) vfl-Wolfsburg)

torwart.de: Welches Ziel setzt ihr euch bis zum Saisonende?

Pascal Formann: Unser erstes Ziel war es, dass wir sehr gut aus der Pause kommen. Mit dem Auftaktsieg in Augsburg haben wir das geschafft. Anschließend kassierten wir eine 0:2-Niederlage gegen Dortmund, die am Ende zwar verdient war, wir aber auch Chancen auf etwas Zählbares hatten. Danach gewannen wir mit einem sehr guten Spiel in Leverkusen und kassierten eine unnötige Niederlage gegen Frankfurt. Jetzt haben wir gegen Werder wieder einen Sieg geholt, gegen Freiburg unentschieden gespielt und eine verdiente Niederlage in Gladbach kassiert. Mit zehn Punkten sind wir gut aus der Pause herausgekommen, so dass wir eine gute Ausgangsposition auf den 6. Tabellenplatz haben, der zur Teilnahme an der Europa-League berechtigt. Diesen Platz wollen wir natürlich holen.

torwart.de: Pascal, wir bedanken uns bei Dir für dieses interessantes Gespräch.

Pascal Formann: Sehr gerne.


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